Der Audi Q3 ist ein besonders wichtiges Modell im Ingolstädter Modellprogramm. Am unteren Ende der Mittelklasse positioniert, familientauglich variabel und trotz hoher Preise für viele Interessenten gerade noch bezahlbar, bietet er kaum weniger Technik als seine großen Brüder. Und zumindest mittelfristig gibt es ihn noch mit einem breiten Antriebsportfolio. Vorbei ist es allerdings mit der Sportversion des 400 PS starken Fünfzylinder-Turbos im bisherigen Audi RS Q3.

Da auch die Dieselantriebe immer unwichtiger werden, kommt dem Plug-in-Hybridantrieb in der neuen Modellgeneration eine zentrale Rolle zu. Doch trotz allem Hightech, viel Komfort im Innenraum und einem feinen Fahrwerk lässt gerade die Hybridversion ein zentrales Detail vermissen, auf das viele Kunden Wert legen und viele Konkurrenten anbieten: einen Allradantrieb.

Sportlich mit Coupé-Heck 
Sportback heißen bei Audi traditionell die schnittigeren Varianten. Die vier Ringe leuchten nachts nun glutrot. Fotos: Audi
Sportlich mit Coupé-Heck
Sportback heißen bei Audi traditionell die schnittigeren Varianten. Die vier Ringe leuchten nachts nun glutrot. Fotos: Audi

Den bietet Audi zwar bei den stärkeren Diesel- und Benzinerversionen konventioneller Art. Doch gerade beim Q3 PHEV namens e-Hybrid fehlt diese Antriebsvariante – ebenso wie bei den Schwestermodellen VW Tiguan oder VW Tayron. Zu verstehen ist das an sich nicht, denn der Audi Q3 ist auf einer Plattform unterwegs, die einen Allradantrieb ermöglicht und die Audi bei anderen Versionen ohne Stecker anbietet. Dafür ist genau ein solcher Antrieb bei einigen Wettbewerbern aus Europa und Asien zu bekommen, zugegeben nicht immer in der Kombination mit Stecker.

Elektromotor macht dem Benziner Beine

Das ist ärgerlich, da gerade der Audi Q3 e-Hybrid einen guten Kompromiss aus elektrischem Fahren und Langstreckentauglichkeit bietet. Da der 1,5 Liter große Basisbenziner mit seinen 110 kW oder 150 PS Leistung dann doch etwas wenig Power für einen immerhin 1,9 Tonnen schweren Crossover der 4,50-Meter-Klasse ist, lockt der 1,5 Liter große Vierzylinder als Plug-in-Hybrid. Dieser gleicht das Hubraumdefizit mit einem Elektromotor aus. Die zusätzliche, 85 kW starke E-Maschine im sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe lässt zum einen die Gesamtleistung auf 200 kW oder 272 PS steigen. Und durch das 19,7 kWh große Batteriepaket im Unterboden kann der Fronttriebler knapp 120 Kilometer rein elektrisch zurücklegen. Das ist mehr als ordentlich und in vielen Fällen mehr als genug für den täglichen Pendelverkehr.

Kopf einziehen 
Menschen mit einer Körpergröße von über 1,75 Meter können auf der Rücksitzbank etwas Platzangst bekommen - die abfallende Dachlinie lässt die Luft über dem Kopf knapp werden. Die Lederausstattung kostet selbstverständlich Aufpreis - aber es gibt sie noch.
Kopf einziehen
Menschen mit einer Körpergröße von über 1,75 Meter können auf der Rücksitzbank etwas Platzangst bekommen – die abfallende Dachlinie lässt die Luft über dem Kopf knapp werden. Die Lederausstattung kostet selbstverständlich Aufpreis – aber es gibt sie noch.

So ist er im Alltag auf kürzeren bis mittleren Strecken nahezu komplett elektrisch unterwegs und der aufgeladene Vierzylinder ist nahezu arbeitslos. Das schadet nicht, denn gerade unter Last klingt dieser alles andere als souverän für ein Fahrzeug dieser Preisklasse. Bei hohen Geschwindigkeiten, entladenem Batteriepaket oder nach Fahrmodus arbeitet der Verbrenner unaufgeregt – bis man ihm die Sporen gibt. 400 Nm maximales Drehmoment sind allemal ausreichend und an einem Schnelllader lädt der Audi Q3 e-Hybrid Gleichstrom mit bis zu einer Leistung von 50 Kilowatt nach.

Normverbrauch von zwei Litern Benzin auf 100 Kilometern

Eine Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 in 6,8 Sekunden spielt im Alltagsverkehr keine Rolle. Und die Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h interessiert heutzutage keinen mehr – selbst im Tempolimit-freien Deutschland lassen sich Geschwindigkeiten von über 160 km/h kaum mehr sozialverträglich darstellen. Freuen dürfte die Käufer umso mehr der sparsame Umgang mit den Ressourcen – trotz der hohen Antriebsleistung begnügt sich der Audi Q3 mit einem Normverbrauch von zwei Litern auf 100 Kilometer. Der verbrauchte Strom kommt natürlich noch obendrauf.

Dreiphasig laden 
Wechselstrom nimmt der Audi e-Hybrid an der Wallbox mit bis zu 11 kW auf. Am Schnelllader sind immerhin bis zu 50 kW drin.
Dreiphasig laden
Wechselstrom nimmt der Audi e-Hybrid an der Wallbox mit bis zu 11 kW auf. Am Schnelllader sind immerhin bis zu 50 kW drin.

Doch es bleibt dabei: Nicht allein bei nasser Fahrbahn vermisst der Fahrer den Allradantrieb und ärgert sich über spürbare Antriebskräfte im griffigen Multifunktionslenkrad. Die Abstimmung des Fahrwerks passt, ist allemal gelungen. Federn und Dämpfer – auf Wunsch elektronisch geregelt – sind dabei straffer als bei vielen Wettbewerbern ohne dabei unkomfortabel zu wirken. Die Lenkung ist präzise und die Bremse griffig. Mit den optionalen 20-Zöllern wird es allerdings recht straff – 18 oder 19 Zoll rollen komfortabler ab.

Preise jenseits von 50.000 Euro

Innen kann der Audi Q3 PHEV gerade auch als mindestens 51.150 Euro teurer Sportback gefallen. Er liegt zwar nicht auf dem hohen Qualitätsniveau vergangener Audi-Jahre, muss sich aber gegenüber der internationalen Konkurrenz nicht verstecken. Die Sitze sind vorne sehr bequem und auch im Fond gibt es für die Insassen trotz überschaubarer Abmessungen durch die verschiebbare Rückbank ein gutes Platzangebot für die Beine. Der Kopfraum ist dagegen so knapp, das Menschen mit über 1,75 Metern Körpergröße den Kopf einziehen müssen.

Neue Tastenordnung
Der klassische Blinkerhebel hat im neuen Audi Q3 ausgedient. Er ist mit dem Hebel für die Betätigung der Scheibenwischer und des Fernlichts links vom Lenkrad zu einer neuen Einheit zusammengefasst. Die Fahrprogramme werden rechts vom Lenkrad über einen ähnlichen Lenkstockhebel gewählt. Sieht auf den ersten Blick kompliziert aus, ist es aber nicht.
Neue Tastenordnung
Der klassische Blinkerhebel hat im neuen Audi Q3 ausgedient. Er ist mit dem Hebel für die Betätigung der Scheibenwischer und des Fernlichts links vom Lenkrad zu einer neuen Einheit zusammengefasst. Die Fahrprogramme werden rechts vom Lenkrad über einen ähnlichen Lenkstockhebel gewählt. Sieht auf den ersten Blick kompliziert aus, ist es aber nicht.

Das Geräuschniveau ist hingegen nicht zuletzt Dank des Einsatzes von Dämmglases gut. So dürften allein die beiden Displays für Instrumente, Navigation und die Steuerung der zahlreichen Zusatzfunktionen und Assistenzsysteme mit Diagonalen von 11,9- und 12,8 Zoll gerne etwas größer sein. Erfreulicherweise werden die wichtigsten Informationen für den Fahrer über ein Head-Up-Display ins Blickfeld gespiegelt. An die beiden neuen Lenksteckhebel mit breiten Bedienmodulen für Blinker und Scheibenwischer links sowie Gangwahl rechts gewöhnt man sich schnell – Elektromodelle lassen grüßen. Die Touchflächen am Lenkrad könnten jedoch mit Tastern praktischer sein. Überschaubar: Das Ladevolumen liegt zwischen 375 und 1.196 Litern. Besser: Der neue Q3 kann Anhänger mit einem Gewicht von bis zu 2,1 Tonnen an den Haken nehmen.

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