Schon klar: Cupra ist die scharfe Nummer des Volkswagen-Konzerns. Die noch ziemlich frische spanische Automarke, die speziell nach jungen Käufergruppen fischen soll, darf immer ein bisschen mehr Krawall und Remmidemmi als die Brudermarken Volkswagen und Skoda, obwohl sie technisch identische Plattformen nutzt. Und deshalb muss auch Cupras erstes elektrische Modell mehr Alarm schlagen als der unterm Blech baugleiche Konzernbruder VW ID.3, der als Stromer exakt die gleiche MEB-Basis hat.

„Unser Cupra Born beweist, dass Elektrifizierung und Performance eine perfekte Verbindung sein können“, jubelt Werner Tietz, Entwicklungschef für Cupra und Seat. Und tatsächlich dreht der neue Stromer ganz schön auf. Das beginnt schon bei der krasseren, betont kantigen Optik des Spaniers. Dieser bissige Bug, diese coupéhaft abfallende Seitenlinie. Die aufregend gestylten Räder, maximal im üppigen 20-Zoll-Format. Der wilde Heckspoiler! Muss man nicht mögen, aber in unserer Alltagsroutine kann ja ein wenig Adrenalin nicht schaden.

Was unterscheidet den Cupra Born vom VW ID.3?

Auch bei den Außenmaßen fällt ein Statement des Cupra auf. Die 4,32 Meter lange und 1,81 Meter breite Kompaktlimousine ist in der Höhe (1,53 Meter) nämlich vorn 15 und hinten 20 Millimeter flacher als der erwähnte Konzernkollege. Musste sein. Und auch drinnen finden sich rebellische Gesten. Diese orangefarbenen Ziernähte und Akzentlinien zum Beispiel. Oder die mutig gestylten Schalensitze, die hier inklusive sind. Und zwar, auch das ist interessant, gern mit Sitzbezügen, deren Garn aus recycelten Fischernetzen besteht.

Rebellische Gesten 
Der Cupra Born ist das bislang sportlichste Elektroauto auf der MEB-Plattform von Volkswagen. Als einziger verfügter er über eine Boost-Funktion, welche die Motorleistung zumindest kurzzeitig anhebt. Foto: Cupa
Rebellische Gesten
Der Cupra Born ist das bislang sportlichste Elektroauto auf der MEB-Plattform von Volkswagen. Als einziger verfügter er über eine Boost-Funktion, welche die Motorleistung zumindest kurzzeitig anhebt. Foto: Cupa

Ein Head-up-Display hat der digital gut aufgerüstete Spanier auf Wunsch natürlich auch, hier sogar mit Augmented Reality-Technologie, die den Fahrer mit scheinbar auf die Straße projizierten Pfeilen und anderen Gimmicks freundlich an die Hand nimmt. Überhaupt ist im Cockpit alles auf den Fahrer fokussiert, um den sportlichen Spaß hinterm Lenkrad auf die Spitze zu treiben. Der Gangwahlhebelchen versteckt sich wie beim VW ID.3 als Bedienknubbel (a la BMW i3) hinterm Lenkrad.

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Auf dem 12 Zoll großen Info-Touchscreen lassen sich laut Cupra alle digitalen Entertainment-Angebote easy steuern und bestens verfolgen, und mit der neuen My CUPRA-App lassen sich alle persönlichen Fahrzeug- und Ladedaten fein verfolgen, Klimaanlage und Sitzheizung per Fernsteuerung aktivieren. Und aufregenden Sound verspricht das Audiosystem der Marke Beats, das mit neun Lautsprechern ballert. Gegen Aufpreis gibt es übrigens eine Wärmepumpe — spart schön Strom, wenn es gilt, bei kühleren Temperaturen den Innenraum aufzuheizen. Und der Laderaum entspricht mit 385 Liter Volumen (bei stehenden Rücksitzlehnen) genau dem des VW ID.3.

Wie sportlich ist der Cupra Born wirklich?

Höchste Zeit für ein paar Worte zur Power des sportlichen Stromers. Es gibt ihn jeweils mit einem E-Motor an der Hinterachse (integriertes Eingang-Getriebe) erst einmal wahlweise in nur zwei Leistungsstufen: mit 110 kW (150 PS) oder 150 kW (204 PS) Spitzenleistung. Aha, exakt auf dem Level des genannten Konzernkollegen. Aber, und jetzt kommt der Knaller, für den Born gibt es noch ein spezielles, exklusives Powerpaket. Und das kann boosten. Tada, wie ein Formel 1-Bolide. Klingt vielleicht ein bisschen übertrieben, doch bei Bedarf (zum Beispiel beim Überholen) kann diese aufgeblasene Born-Version per Knopfdruck seine Leistung von 150 kW (204 PS) auf 170 kW (231 PS) pushen. Vermutlich bis zu 30 Sekunden lang. Genau, das ist kleine As im Ärmel.

Volkswagen hat am Vorabend der IAA in Frankfurt den Schleier vom ID.3 gezogen, dem ersten Modell auf der Basis des Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB). Wir durften in dem neuen Stromer schon einmal Platz nehmen, neun Monate bevor die ersten Kunden ein Fahrzeug erhalten. Der erste Eindruck: Da ist etwas Großes entstanden - ein erschwingliches, voll alltagstaugliches und obendrein intuitiv leicht zu bedienendes Elektroauto. Elektroauto

Bei den Batterien, die hier wie überall flach im Unterboden abhängen, gleicht das Angebot exakt dem des VW ID.3: drei Größen, drei Reichweiten, drei Preiskonditionen. Also Netto-Kapazitäten von 45, 58 und 77 kWh, mit denen wir im allerbesten Fall (logisch, alles nette Laborwerte) bis zu 340, 420 oder 540 Kilometer weit kommen sollen. Im reinen Stadtverkehr soll der Born mit dem großen Akku und dank der kräftigen Rekuperation im »B«-Schaltmodus (bis zu 0,3 g) ohne Nachladen sogar 780 Kilometer weit kommen. Was, mal fix grob gerechnet, bei täglicher Pendelei vom Stadtrand für einen ganzen Monat reichen würde. Applaus, das werden wir dann gern mal testen. Und die theoretischen Verbräuche? Da rücken die Spanier noch keine endgültigen Daten raus, aber die sollen sich zwischen 13 und gut 16,2 kWh nach WLTP-Norm bewegen.

Cupra mit Kupfer
Orangefarbenen Ziernähte und Akzentlinien im Innenraum sollen den sportlichen Charakter des Elektroautos ebenso betonen wie mutig gestylte Schalensitze, Der Schalthebel steckt wie beim VW ID.3 hinterm Lenkrad, die e-Boost-Taste an der Lenkrad-Nabe. Foto: Cupra

Beim Sprinten, jetzt horcht der eingefleischte deutsche Sportfahrer sofort auf, agiert der Born prinzipiell auf dem Level des VW ID.3. Er düst also in der 150-PS-Version in 8,9 Sekunden auf Tempo 100, und mit den 204 PS schafft der Spanier diese Übung in ganz ordentlichen 7,3 Sekunden. Aber Achtung, in der Boost-Version sind es nur 6,6 Sekunden (58-kWh-Batterie, 7,0 s mit der schwereren 77-kWh-Batterie).

Beim Laden ist der Spanier (wie der VW ID.3) kein Überflieger, aber solide dabei. In der Topversion mit der 77-kWh-Batterie lädt er mit maximal 125 kW (die anderen mit 100 kW), versprochen sind in diesem Fall schlanke 35 Minuten fürs Aufladen von 5 auf 80 Prozent. Allerdings, der Rest bis 100 Prozent dauert, wie E-Profis aus Erfahrung wissen, dann fast noch mal so lange. Cupra wirbt hier schlau mit einem 7-Minuten-Stopp, der an der DC-Schnellladesäule ratzfatz 100 Kilometer Reichweite bringen soll.

Was kostet der Cupra Born denn nun?

Noch kurz was zum Fahrwerk. Erstens: Heckantrieb kommt fürs Beschleunigen immer gut. Zweitens: Das kurvenfreudige Achslastverhältnis von 50:50 ergibt sich durch die zentrale Batterieposition. Und das neu entwickelte aktive Dämpfersystem ermöglicht die Fahrmodi Range (Reichweite), Comfort und Individual sowie die betont sportliche Cupra-Abstimmung. Dazu gibt es wie erwartet das volle Programm an Assistenzsystemen: intelligentes LED-Fernlicht, vorausschauender Tempomat mit automatischem Abstandshalter, elektronische Lenkhilfen (inklusive Spurhalter), Notbremser, Rundumwarnungen, Ausstiegswarner, Verkehrszeichenerkennung und so weiter.

Zur angestrebten Coolness der Marke passt eine spezielle Verkaufsidee der spanischen Marketing-Manager. Wayne Griffiths, Präsident von Cupra und Seat: „Cupra wird unkonventionelle Vertriebsmodelle nutzen, um neue Menschen zu erreichen und die Marke Cupra über das Traditionelle hinaus zu führen.“ Klingt sehr poetisch, funktioniert aber ganz pragmatisch. Neben dem klassischen Kauf des Autos (die Preise beginnen bei 32.700 Euro für das 110 kW starke Modell mit 55 kWh großem Akku und bei 36.770 Euro für die Version mit150 kW Antriebsleistung und 62 kWh großem Akku) soll es den Born auch im All Inclusive-Abo geben, mit dem auch Service und Versicherungen abgedeckt sind. Kennen wir schon von anderen Marken. Was das hier monatlich so kosten soll? Das wollen die Spanier leider noch nicht verraten, auch für den deutschen Markt werde noch verhandelt. Wir tippen mal einfach auf reizvolle 500 Euro.

Dicke Backen 
Räder im 20-Zoll-Format unterstreichen den sportlichen Charakter des Cupra Born ebenso wie Heckspoiler und -diffusor.
Dicke Backen
Räder im 20-Zoll-Format unterstreichen den sportlichen Charakter des Cupra Born ebenso wie Heckspoiler und -diffusor.

Bliebe noch zu erwähnen – und darauf legen sie bei Cupra dringend Wert – dass das flotte Design des Born im Cupra-Hauptquartier Martorell (fast um die Ecke von Barcelona) entstanden ist. Gebaut wird der Spanier aber bei den strebsamen Sachsen im komplett auf E-Mobilität umgestellten VW-Werk Zwickau (richtig, die ehemalige Horch- und Trabi-Stadt). Dort beginnt im September die Serienproduktion, und im November sollen die ersten Exemplare des Born bei den deutschen Händlern sein. Oder in einer der »Cupra Garagen«, diesen hippen Pop-up-Stores, die in diversen angesagten City-Arealen für die Marke trommeln sollen. Hamburg, München und dann irgendwie so weiter. In Berlin wird gerade nach einer passenden Location gesucht.

Beinahe vergessen: Die Käufer des Born sollen am Ende ein rundum reines Gewissen haben, denn er ist das erste Modell der Marke, das mit einem Netto-CO2-Neutralitätskonzept ausgeliefert wird. Das also mit viel Energie aus erneuerbaren Quellen in Lieferkette und Rohstoffproduktion mehr oder minder klimaneutral produziert wird. Die verbleibenden Emissionen sollen nach Angaben des Unternehmens „durch nach höchsten Standards zertifizierte Umwelt- und Projektinvestitionen ausgeglichen werden.“

Und Mitte 2024 geht’s bei Cupra vollelektrisch weiter. Dann kommt mit dem coupehaften SUV Tavascan, dessen hübsche Studie ja bereits 2019 gezeigt wurde. Der nächste Stromer der Marke nutzt die gleiche MEB-Basis wie der Born und kommt in Länge und Breite auf die Abmessungen von VW ID.4, Skoda Enyaq oder Audi Q4 e-tron Sportback. Und ist natürlich einen Cupra-Tick flacher und sportlicher als diese konventionellen Konzern-Kollegen.

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1 Kommentar

  1. Avatar

    „Der Schalthebel versteckt sich im Unterschied zum ID.3 nicht hinterm Lenkrad, sondern in der Mittelkonsole.“

    Also ich sehe auf dem Bild den gleichen Hebel wie beim ID.3…

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