Nach einer aktuellen Studie des Shell-Tochterunternehmens New Motion könnte Deutschland bei Elektroauto bis zum Jahr 2024 die Weltmarkt-führerschaft von China übernehmen. Da die deutschen Hersteller aktuell ihre Produktion hochfahren und eine wachsende Zahl von Modellen an-bieten, werde ihr Marktanteil weltweit von 18 Prozent im Jahr 2019 innerhalb von fünf Jahren auf 29 Prozent anwachsen, prognostizieren die Autoren der „Prognose zur Massentauglichkeit von Elektrofahrzeugen“. Diese stützt sich auf neun Telefoninterviews mit Akteuren in der Branche sowie auf aktuelle Daten und Berichte von Behörden und wissenschaftlichen Instituten.

Ein Treiber für die Entwicklung in Deutschland ist demnach aktuell der heimische Markt: Der Anteil von E-Autos an den Neuzulassungen in Deutschland betrug zum Jahresende 2019 noch 13 Prozent, steigerte sich trotz der Coronakrise im ersten Quartal 2020 aber bereits auf über 20 Prozent. Die Treiber der Binnennachfrage in Deutschland sind nach Einschätzung der Studie insbesondere die erhöhten Umweltprämien für Elektroautos und Plug-in-Hybride. Diese hätten die Akzeptanz von E-Autos „merklich erhöht“. Die Studie geht aber davon aus, dass eine staatliche Förderung schon bald nicht mehr nötig sein wird: Bis 2025, so ihre Prognose, werde aufgrund der steigenden Fertigungskapazitäten einerseits und der CO2-Besteuerung fossiler Kraftstoffe andererseits Preisparität zwischen Elektroautos und Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben herrschen.

Starker Ausbau der Ladeinfrastruktur

Auch der massive Ausbau der Ladeinfrastruktur sorgt der Studie zufolge für ein gestiegenes Kaufinteresse. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte für einen geschätzten Bestand von dann bis zu zehn Millionen Elektroautos zu errichten. Zwischen 2012 und 2019 stieg die Zahl der Ladepunkte in Deutschland bereits um das 23-Fache. Aktuell stehen den Fahrern von Elektroautos nach dem „Charging Radar“ von THEONData und CIRRANTiC bundesweit bereits über knapp 44.000 öffentliche Ladepunkte ((Stand Ende September) zur Verfügung.

EU-weit geht die New-Motion-Studie von einer Steigerung der Investitionen
in Ladepunkte von 785 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2030 aus. Sie bezieht sich dabei auf Berechnungen des Markt-forschungsunternehmen Bloomberg New Energy Finance (BNEF).

Ausreichend Strom vorhanden

Die Studie schätzt den Strombedarf von Elektroautos im Jahr 2030 auf vier bis fünf Prozent des gesamteuropäischen Stromverbrauchs. Dies deute auf ein „relativ begrenztes Nachfragewachstum“ bei Strom hin, so die Autoren. Dies lasse wiederum darauf schließen, dass die Stromerzeugung auch künftig ausreichend sein werde. In manchen Orten und Regionen sind jedoch bis Zuwächse von bis zu 20 Prozent denkbar, was die lokale Netzstabilität gefährde. So hat die Eröffnung von Europas größtem Ladepark in Hilden bei Düsseldorf, mit Ladestationen von Tesla und Fastned, in der Umgebung bereits die Sorge aufkommen lassen, die Stromversorgung in der Region könne leiden.

Bis 2050 steigere sich der Strombedarf laut Studie im europaweiten Schnitt auf 9,5 Prozent. Mit steigendem Strombedarf der E-Mobilität müsse das System „auf Nachfrageschwankungen sowie auf unerwartete Versorgungs- und Netzstörungen in Echtzeit reagieren“. Intelligente Ladelösungen könnten Lastspitzen vermeiden und so für stabilere, effizientere Stromnetze sorgen. Sowohl unidirektionale als auch bidirektionale Lade-punkte seien dabei für den Netzausgleich gut geeignet. Bidirektionales Laden durch die Vehicle-to-GridTechnologie (V2G) mache jedes Elektro-fahrzeug zu „einer flexiblen Energieanlage“, die für zahlreiche Akteure im Energiesystem einen Mehrwert schaffe.

Es bleibt jedenfalls noch einiges zu tun für die neue „Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur“, die Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer eingerichtet hat. Die bei der staatlichen Gesellschaft NOW angesiedelte Stelle soll den „Masterplan Ladeinfrastruktur“ der Bundesregierung mit Leben füllen. Erstes Ziel ist aber eine europaweite Ausschreibung für ein Schnellladenetz an 1.000 Standorten in Deutschland.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

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1 Kommentar

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    Eine von Bundesminister A. Scheuer eingerichtete Gesellschaft plant eine europaweite Ausschreibung… Hoffentlich wird das nicht auch wieder ein Millionengrab für Steuergelder.

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