In diesem Corona-Sommer bin ich mit meiner irischen Frau Oona von Wien nach Irland gefahren. 6.000 Kilometer insgesamt, über Frankreich mit der Fähre nach Dublin und wieder zurück. Unser Elektroauto war unglaublich komfortabel, fuhr mit einer Ladung mehr als 400 Kilometer weit und war an den Superchargern, die alle 150 Kilometer an den europäischen Autobahnen stehen, in 25 Minuten, also für einen Tee mit Brioche, wieder aufgeladen. In Irland hatten wir die Chipkarte eines E-Ladenetzes, die einwandfrei funktionierte. Zwischendurch luden wir sogar am Stromanschluss unserer Ferienhütte – über Nacht war der Tesla wieder voll.

Das Universum ist voller Elektronen. Wenn man will, kann man sich mit ihnen durch die Welt bewegen und deutlich weniger CO2 produzieren.

Wenn man will.

Vom Think zum Model X

Seit nunmehr zehn Jahren fahren wir Elektroautos. Erst aus Neugier und weil Zukunftsforscher eben neue Technologien ausprobieren müssen. Heute aus Überzeugung und Begeisterung – und fast ausschließlich.

Das erste E-Gefährt war ein Think, eine kleine Zweisitzer-Plastik-Knutschkugel aus Norwegen. Ein surrendes Gerät, knapp 100 Kilometer Reichweite, keine Klimaanlage, aber immerhin ein Scheibenwischer. Die Firma ging schnell in Konkurs. Es folgte ein Miev von Mitsubishi, der aussah wie ein gequetschter Golf Caddy. Dann kam ein früher Zoe, der aus dem Armaturenbrett duftete, ein Stadtauto, das Renault primär als Zweitauto für Frauen konstruiert hatte. Ich stieg trotzig auf einen Ampera um (Opel/General Motors), der beeindruckend stylisch aussah und wohl als eine Art Alibi-Auto gebaut worden war, damit Filmstars beim Vorfahren auf der Oscar-Verleihung ihre „grüne“ Gesinnung demonstrieren konnten. Ein tolles Auto, aber letztlich ein getarnter Benziner.

Matthias Horx
Schon als technikbegeisterter Junge interessierte er sich für die Geheimnisse der Zukunft. Heute zählt er zu den einflussreichsten Trend- und Zukunftsforschern im deutschsprachigen Raum. Er veröffentlichte 20 Bücher und gründete das Zukunftsinstitut mit Hauptsitzen in Frankfurt und Wien. Er steht nach eigenen Worten für eine Futurologie, die nicht jeder Angst oder jedem Technik-Hype hinterherrennt, sondern den Bewusstseinswandel mit einbezieht. „Zukunft entsteht, wenn wir die Welt aus der Perspektive des Morgen betrachten – und unser Geist die Verbindungen zwischen Gegenwart und Zukunft verspürt!“ Foto: Zukunftsinstitut

Bis dorthin war unser Verhältnis zu den Nachbarn und zum Rest der Autofahrerwelt ein friedliches. Man belächelte uns als Future Freaks, die mit seltsamen Gefährten durch die Gegend surrten. Das bewies ja: Es geht nicht! E-Autos sind etwas für Spaßbremsen und Ökofanatiker.

Das änderte sich – ein wenig – als im Jahr 2014 der i3 auf dem Markt kam, BMWs erster (aber halbherziger) Versuch, in eine echte neue Automobilkonzeption einzusteigen. In den Autozeitschriften wurde allerdings immer der i8 gefeiert, ein klassischer Macho-Bolide, der so viel Kohlenwasserstoffe zersägte wie ein Porsche. Aber der i3 war etwas Neues, weil er als Urban-Auto einige wirklich neue Features aufwies. Etwa einen extrem kleinen Wendekreis und eine Inneneinrichtung aus Cradle-to-Cradle-Materialien, in der unter anderem Eukalyptus und Hanfstoffe verarbeitet waren (von meinem Freund und Cradle-Guru Michael Braungart mitdesignt).

Zwei Jahre später leisteten wir uns einen Tesla, das schöne Raumschiff mit den Flügeltüren, als Firmen- und Familienauto.

Und dann wurde plötzlich alles anders.

Was sich änderte, lesen Sie hier im zweiten Teil.

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9 Kommentare

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    „Auf der Autobahn, auf der ich …. mit konstanten 125 km/h segelte“:
    Als holländische Tesla Model 3-Fahrer (und Liebhaber) bin ich meistens gezwungen 105 km/h zu fahren (100 ist unser offizellen max. tagsüber). Dann macht es ehrlich gesagt viel Spass, wenn ich mal in Deutschland fahre, mal schneller zu fahren und die traditionellen schnelle Deutsche Tiefflieger zu zeigen das ein Model 3 auch leicht über 200 fahren kann 🙂

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    Nicht immer von den Problemen her denken > das ist der beste Satz, den wir am besten alle in unser Leben aufnehmen sollten

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    Es geht doch nicht um’s nicht wollen…es geht um’s können. Ich kann mir keinen mindestens 86k€ teuren Tesla kaufen oder leasen (denn mal ehrlich, mit z.B. nur der Hälfte der Reichweite oder keiner Schnellladefunktion sieht so eine Reise ganz anders im Ablauf aus).
    Zumal ein solches Fahrzeug meinen Anforderungen gar nicht entspricht…wo ist also ein z.B. Ford Galaxy für die Familie? Einer der für Einkauf, Kinder und Freizeit reicht. Und bitte nicht auf die V Klasse o.ä. verweisen. Erstens falsche Gattung und zweitens auch nicht günstiger.
    Schade, ich bleibe beim Verbrenner…auch schon auf Grund der aktuellen Preisanhebung für den Strom zum Laden.

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    Ich bin bekennender Fan der Elektromobilität, aber 6 Autos in 10 Jahren zu konsumieren, hat mit Nachhaltigkeit auch nicht so wirklich viel zu tun, Matthias Horx.

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    • Franz W. Rother

      Denke mal, es handelte sich um Leasingautos. Wer E-Mobile kauft, macht einen Fehler. So schafft man günstige Gebrauchte

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        Hej Franz, ich grüße Dich.
        Wie auch immer, es sorgt für hohe Frequenz des Konsums und geringe Lebensdauer. Und „günstig“ steht meist sowieso im Gegensatz zu Nachhaltigkeit, weil Sekundärkosten nicht berücksichtigt werden.

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          Wenn keiner kauft, mietet oder least, gehen die Preise nicht runter. Dann bleiben die Fahrzeuge was besonderes. Ich lease auch und bin eben der Eisbrecher für alle, die vorne nicht mit schwimmen wollen oder können.

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    Cool. Danke für den Artikel!! Bin seit 2011 dabei und für mich gibt es nichts anderes mehr als Elektrofahrzeuge. Bin derzeit mit dem Kona electric unterwegs. Geht auch … 🙂

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      Habe seid Ende 2019 einen Kona elektric 64. Habe ihn aus Technikbegeisterung gekauft. Sollte für lange Strecke genutzt werden.

      Nach nun 22.000 km, Corona bedingt bin ich monatelang nur wenig gefahren, bin ich restlos begeistert. Das Fahren mit Elektromotor ist einfach fantastisch, es ist leise und die Beschleunigung unerreicht. Auf langen Strecken mal 30 Minuten Ladepause zu machen, finde ich entspannend. Kostentechnisch übrigens auf Vollkostenbasis deutlich günstiger als der Verbrennen. Allein, dass man etwas mehr plant, ist etwas ungewohnt.

      Rein gefühlsmässig kann es doch nicht gut sein, ständig Öl zu verbrennen. Der Kona verbraucht im Schnitt, inkl. Winter 16,5 KWh, also das Äquivalent von ca. 1,7 Liter Diesel. Das begeistert mich.

      Die Ladesäulen sind immer frei und es werden ständig neue gebaut. Nun wurde das WEG Gesetz geändert und ich kann in unserer TG eine Wallbox installieren.

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