Das Unternehmen, mit dem Ilona Ludewig für mehr Gerechtigkeit auf dem Energiemarkt sorgen will, hat seinen Sitz in einem schicken Coworking-Space in der Münchner Innenstadt. Hier arbeitet Ludewig gemeinsam mit Mann und Geschäftspartner Andrew sowie rund 20 weiteren Mitarbeitern an 4hundred, einem Unternehmen, das der gängigen Praxis vieler Energieanbieter, Neukunden mit Prämien zu locken, etwas entgegensetzen will. „Irgendjemand muss diese Boni ja auch bezahlen“, erklärt Ludewig und meint damit Bestandskunden, die ihrem Stromversorger über einen längeren Zeitraum die Treue halten und somit nicht ständig von Wechsel- und Neukundenprämien profitieren.

4hundred arbeitet mit einer Grundgebühr von acht Euro monatlich und einem Preis pro verbrauchter Kilowattstunde Ökostrom. Der schwankt je nach Region etwas, weil in den unterschiedlichen Teilen Deutschlands verschiedene Netzentgelte fällig werden. Prämien sucht der Kunde vergebens. „Wir finden das fairer, als wenn die Großmutter, die nicht jährlich den Anbieter wechseln kann, den Bonus des Neukunden bezahlt“, sagt Ludewig. Verbraucht der Kunde bei ihrem Unternehmen weniger Strom als errechnet, wird die Guthabendifferenz mit vier Prozent verzinst, daher der Unternehmensname 4hundred.

Mehr als 10.000 Kunden hat das Start-up bereits überzeugen können und mit dem britischen Versorger Ovo Energy mittlerweile einen potenten Investor an Bord geholt, der gemeinsam mit einigen privaten Geldgebern das nötige Kapital für das weitere Wachstum zur Verfügung stellt. „Das gesamte erste Jahr haben Andrew und ich 4hundred allein mit unseren eigenen Mitteln finanziert“, erzählt Ludewig, die nebenbei auch begeisterte Tesla-Fahrerin ist.

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Arbeitsmodell der Zukunft

Der junge Energieversorger ist nicht das erste Unternehmen, das Ludewig, 44 Jahre alt, gegründet hat. Nachdem sie viele Jahre im Marketingbereich von Siemens gearbeitet hatte, gründete sie 2007 die Biolederfirma Natureally. Es folgten eine bilinguale Schule in Ludewigs damaligem Wohnort London und eine Strategieberatung.

Seit 2016 arbeitet die Mutter zweier Kinder nun an 4hundred. Ihren facettenreichen Lebenslauf sieht Ludewig als mögliches Arbeitsmodell der Zukunft, sie nennt das Konzept Portfolio Career. Dabei geht es darum, sich nicht als Experte auf ein einzelnes Gebiet zu konzentrieren, das möglicherweise in der Zukunft nicht mehr gefragt ist. Stattdessen bildet der- oder diejenige ein Portfolio an Jobs, bei denen die gesammelten Erfahrungen das weitere Berufsleben möglichst effektiv bereichern.

„Veränderungen ziehen sich durch mein Leben“, fasst Ludewig ihren bisherigen Karriereweg zusammen. Als Gründerin gehe es ihr darum, Dinge so zu ändern, dass sie für die Menschen einfacher werden. Damit will sie auch neue Kunden für ihr Projekt 4hundred gewinnen. „Einmal bei uns angemeldet, muss der Kunde sich nicht jährlich um einen neuen Anbieter kümmern, sondern hat das Thema für immer abgehakt“, erklärt sie.

Dass sie dabei auf einem unübersichtlichen Markt mit Großkonzernen wie RWE oder Vattenfall konkurriert, sieht Ludewig sogar als Vorteil: „Die Finanzbranche zeigt ja, wie junge innovative Firmen Big Playern ins Schwitzen bringen können.“ Gleichzeitig habe 4hundred keine „Altlasten“. Ludewig meint damit einen Stamm an Kunden, der mit Prämien gelockt wurde und diese nun wieder reingeholt werden müssen.

Damit die Zahl der Abnehmer weiter wächst, hofft Ludewig auf die bestehende Kundschaft. „Wir regen unsere Community dazu an, mitzudiskutieren um unsere Idee weiter zu verbessern und noch nutzerfreundlicher zu machen“, erklärt sie. Was sie als nächstes Puzzleteil für ihre Portfolio-Karriere plant, behält sie dabei für sich.

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