Der Markt für Solarstromspeicher sieht nach Jahren sinkender Preise erstmals wieder einen Preisaufschwung. Das geht aus dem jährlichen Marktüberblick des Nachhaltigkeits-Netzwerks „Carmen“ hervor. Demnach ziehen die Preise für Lithium-Ionen-Batterien, in denen der mithilfe von Photovoltaik gewonnener Solarstrom gespeichert werden kann, gegenüber dem Vorjahr momentan an. Nach Angaben der befragten Hersteller liegt der Nettopreis für Heimspeicher mit einer Nutzkapazität bis zu 10 kWh derzeit im Schnitt bei 1.208 Euro pro kWh. Das sind rund fünf Prozent mehr als 2020. Größere Lithium-Systeme liegen preislich mit durchschnittlich 854 Euro pro kWh Kapazität sogar um 20 Prozent über dem Vorjahrespreis.

Gegenüber 2015 liegen die Preise aber noch immer um rund 50 Prozent niedriger, erläuterten die Energieberater Tabea Falter und Josef Huber vom Centralen Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk (C.A.R.M.E.N) aus Rimpar bei Würzburg, die die Marktstudien erstellt haben. Im Vergleich zu 2015 haben die Preise für Heimspeicher nach ihren Recherchen um ein Drittel nachgegeben. Im Mittel empfehlen alle Lithium-Ionen-Speicherhersteller einen Verkaufspreis von 946 Euro pro kWh Speicherkapazität. Der günstigste Produzent ruft der Erhebung zufolge 578 Euro auf, der teuerste 1.975 Euro. Bei Salzwassersystemen lagen die Preise im Mittel bei 882 Euro pro kWh.

Insgesamt 30 Hersteller hatten im Februar und März Angaben zu 417 Systemen gemacht, die aktuell auf dem Markt verfügbar sind. 83 Prozent der Produkte basierten auf Lithium-Ionen-Technologie, elf Prozent auf Salzwasser-Technik (AIB), bei denen das Elektrolyt aus Natriumsulfat (Glaubersalz) und Wasser (H2O) besteht.

Rekorde bei Langlebigkeits-Kriterium

„Neue Bestwerte“, so Josef Huber, prognostizieren die Hersteller bei der Anzahl der Ladezyklen bis zum technischen Lebensende des Speichers. Die langlebigsten Systeme mit Lithium-Ionen- oder Redox-Flow-(Flüssig-)Batterien sollen demnach bis zu 20.000 Ladezyklen erreichen. Im Mittel gaben die Hersteller 6.700 beziehungsweise 13.300 Zyklen an. Andere Technologien waren wesentlich kurzlebiger.

Die Strompreise steigen, die Einspeisevergütungen sinken. Wer schlau ist, nutzt den selbst erzeugten Strom im eigenen Haus - oder Elektroauto. Energiespeicher

Zusätzlich muss von der Lebensdauer die sogenannte kalendarische Alterung abgezogen werden. Das sind chemische Zersetzungsprozesse in den Batterien. Für einen Gebrauch über 15 Jahre hinweg fehlen aber Erfahrungen. Nach Selbsteinschätzung der Hersteller ist bei den ursprünglich für die Raumfahrt entwickelten Redox-Flow-Systemen mit einem flüssigen elektrochemischen Speicher überhaupt keine oder nur eine marginale Alterung zu erwarten. Die Nutzkapazität von LithiumIonen- und Salzwasser-Batterien dürfte sich auf etwa 70 Prozent reduzieren.

Leistung geht in die MW

Zur netzdienlichen Integration sind 61 Prozent der Heimspeicher-Systeme schon werksseitig in der Lage. Nach Aufrüstung kann ein weiteres Viertel der Batterien mit dem Laden bis zur Mittagsspitze der PV-Einspeisung warten, um das Niederspannungsnetz gleichmäßiger auszulasten. Bei der Lade- und Entladeleistung liegen die stärksten dreiphasigen Lithium-Ionen-Systeme mit bis zu 4,22 Megawatt an der Spitze. Redox-Flow-Batterien schaffen in der Spitze nur 100 kW. Dagegen können die wenigsten Speicher aktiv das Netz ausregeln. Nur etwa 22 Prozent der Systeme wären somit derzeit in der Lage, am Primär- und Sekundärregelleistungsmarkt teilzunehmen.

Abgefragt wurden für die Studie unter anderem auch der Gesamtwirkungsgrad der Speicher, ihre Notstrom-Fähigkeiten und Temperaturresistenz, nicht dagegen die Wiederverwertbarkeit. Der Marktüberblick ist online verfügbar.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

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