Böse Zungen lästerten bereits in den sozialen Medien, seit der Preisreform im Frühjahr sei der Autostrom von EnBW an den 25.000 Ladepunkten des Konzern so teuer geworden, dass nun die Mitarbeiter einspringen müssten, um die Umsatzeinbußen auszugleichen. Ist natürlich Quatsch, 39 Eurocent für die Kilowattstunde Wechselstrom und 49 Cent für Gleichstrom schrecken Elektromobilisten längst nicht mehr. Und tatsächlich geht es dem börsennotierten Energieversorger mit Sitz in Karlsruhe nicht um Bilanzkosmetik, sondern um höhere Ziele: „Um die unternehmensstrategische Ausrichtung“ auf den Klimaschutz und die Mobilitätswende zu unterstützen und „gleichzeitig den Mitarbeitern den Einstieg in die Elektromobilität dauerhaft und attraktiv anzubieten“ will die Energie Baden-Württemberg AG für 14000 seiner insgesamt 22000 Beschäftigen Elektromobile für drei Jahre zur privaten Nutzung anbieten – im Leasing, zur Miete und auch über Abo-Modelle, berichtete die Stuttgarter-Zeitung dieser Tage.

Stromern aber können sie frühestens ab Mai kommenden Jahres. Denn zunächst muss erst einmal ein Fahrzeughersteller gefunden werden, der so viele E-Mobile liefern kann – und bereit ist, dem Konzern Sonderkonditionen einzuräumen.

„Wir sondieren den Markt, um Vertragspartner für ein attraktives E-Auto-Paket zu finden“, verriet ein Unternehmenssprecher. „Wir wollen wissen, ob es Firmen gibt, die uns eine größere Stückzahl zur Verfügung stellen kann.“ EnBW hat dafür eine so genannte Prä-Qualifizierung für potenzielle Lieferanten ausgeschrieben, bei der diese ihre Lieferfähigkeit beweisen sollen. Bis zum 16. September haben sie die Chance, ihre Angebote abzugeben.

Mehr Planungssicherheit für Dienstwagenfahrer und Fuhrparkmanager: Das Bundeskabinett will die steuerlichen Vorteile für E-Firmenautos und -Lieferwagen bis Ende 2030 verlängern. Auch Jobtickets will Bundesfinanzminister Olaf Scholz besserstellen. Verkehr

Woher sollen all die Autos kommen?

Ein PR-Coup in der Sommerpause? Wenn, dann ist es ein guter.

Schon in den vergangenen Jahren hatte EnBW zusammen mit der Autovermietung Sixt Mitarbeiter mit Elektroautos zu Sonderkonditionen beglückt: 2017 wurden unter 500 Interessenten 180 Exemplare des BMW i3 samt Wallbox erst verlost und dann ohne Einmalzahlung zu günstigen Konditionen verleast. Im Jahr darauf bot der Konzern gegen Gehaltsumwandlung 150 VW E-Golf für drei Jahre im Leasing an. hier wie da war die Nachfrage größer als das Fahrzeugangebot. Auf einen ähnlichen Erfolg hoffen die Initiatoren auch diesmal.

Nur: Wer könnte Elektromobile in solch großer Stückzahl liefern? Im Herbst startet Volkswagen die Produktion des neuen ID.3. Aber schon jetzt liegen über 20.000 Vorbestellungen vor. Und so leicht lässt sich die Produktion im Werk Zwickau auch nicht steigern, um auch noch den EnBW-Auftrag rasch abarbeiten zu können. Auch bei Opel ist die Nachfrage nach dem neuen e-Corsa groß – erfreulich für den Hersteller, schlecht für Kaufinteressenten, die sich wahrscheinlich auf längere Lieferzeiten einstellen müssen. E.Go Life? Schon jetzt ist die Lage in der Produktion angespannt.

Und ob sich sämtliche EnBW-Interessenten zu einem Umstieg auf einen Elektro-Kleinwagen mit maximal 200 Kilometer Reichweite bewegen lassen, steht auf einem anderen Blatt. Kommt also wieder BMW mit dem i3 zum Zug? Oder vielleicht Renault mit der neuen Zoe? Es wird spannend zu sehen, welcher Hersteller sich auf die Ausschreibung meldet.

Gebrauchtwagenmarkt profitiert

Fest aber steht: Die Energiewende im Pkw-Verkehr werden gewerblich genutzte Elektroautos treiben. Die Halbierung des Steuersatzes für die private Nutzung von Dienstwagen hat die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in den vergangenen Monaten bereits deutlich belebt. Wenn Unternehmen wie EnBW dann nicht nur bei der Beschaffung der Fahrzeuge zu Sonderkonditionen und ihren Mitarbeitern auch noch kostenlosen Fahrstrom spendieren, gibt es kaum mehr einen Grund, am langgeliebten Benziner oder Diesel festzuhalten.

Nicht außer Acht lassen darf man die Folgewirkung derartiger Fördermaßnahmen: Wenn die Leasingverträge in drei Jahren auslaufen, kommt ein Schwung junger Gebrauchtwagen auf den Markt. Die Nachfrage danach ist schon heute groß, berichtete unlängst die Gebrauchtwagen-Plattform heycar. „Die Nachfrage nach gebrauchten Stromern hat zwar schon in den letzten Jahren zugenommen – jetzt steht dem Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos unserer Ansicht nach aber tatsächlich der Durchbruch bevor“, prognostiziert Markus Kröger, CEO von heycar.

Na also, dann hätten doch alle etwas von den 14.000 Stromern der EnBW.

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