Der Motor sitzt im Heck und treibt die Hinterräder an. Der Wendekreis ist dadurch sensationell klein. Die Karosserie ist größtenteils aus Kunststoff, die so genannten Body-Panels lassen sich leicht austauschen. In der Kabinen haben maximal zwei Personen Platz, in den Kofferraum passt wenig mehr als eine große Einkaufstasche. Die Bedienung des Autos ist kinderleicht: Die Bedienelemente sind auf das Notwendigste reduziert.

„Reduce to the Max“ oder „Weniger ist mehr“ hieß das Konzept Ende des 20. Jahrhunderts bei DaimlerChrysler, als 1997 die Marke Smart aus der Taufe gehoben und mit dem Smart City Coupé das „Stadtautomobil der Zukunft“ auf den Markt gebracht wurde – „extrem kompakt, höchst innovativ und selbstbewusst individuell“, wie die Stuttgarter Autokonzern damals warb.

Daimler hat sich inzwischen nicht nur von Chrysler getrennt, sondern auch den Spaß an dem „Kultobjekt“ Smart verloren: Das Unternehmen wurde in ein Joint-Venture mit dem chinesischen Autohersteller und Daimler-Großaktionär Geely eingebracht, im kommenden Jahr wird die Produktion des inzwischen ausschließlich elektrisch angetriebenen Stadtautos in Europa eingestellt.

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Quadratisch, praktisch, wendig

Der Toyota C+Pod ist dem Smart Fortwo wie aus dem Gesicht geschnitten. Die Fahrgastkabine ist stets schwarz lackiert, die Body-Panels aus Kunststoff können leicht ausgetauscht werden. Foto: Toyota

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Reduce to the Max

Aufs Wesentliche reduziert sind die Anzeigen und Bedienelemente im Innern des Ultra-Kompakt-Stromers. Foto: Toyota

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Ein Fall für Zwei

Maximal zwei Personen finden im Innenraum des E-Mobils Platz. Die farbige Ausgestaltung bleibt dem Käufer überlassen. Foto: Toyota

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Platz für zwei Einkaufstaschen

Wie beim Smart ist auch beim C+Pod der Gepäckraum Nebensache. Immerhin gibt es hier eine Heckklappe. Foto: Toyota

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Stromversorgung mit 16 oder 6 Ampere

Geladen werden kann der kleine Stromer an jeder Haushaltssteckdose. Der Anschluss findet sich unter dem Toyota-Logo zwischen den LED-Scheinwerfern. Foto: Toyota

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Kontrastprogramm

Die Anbauteile aus Kunststoff sind in fünf Farben lieferbar. Das Dach ist immer schwarz lackiert. Foto: Toyota

Dafür nimmt nun ein anderer Hersteller den Faden auf: Toyota hat zum Jahreswechsel mit dem C+ Pod einen kleinen Elektroflitzer für die Stadt vorgestellt, der dem Smart EQ City Coupe nicht nur wie aus dem Gesicht geschnitten aussieht, sondern auch viele Ideen aufnimmt, die der Smart-Erfinder Nicolas G. Hayek (1928–2010) hatte. Dieser wollte den Stadtverkehr mit einem Auto revolutionieren, das nach denselben Kriterien konstruiert sein sollte wie seine Uhren: rationell und ressourcenschonend hergestellt, preiswert in der Anschaffung, umweltfreundlich, klein, bunt, modular und mit elektrischem Antrieb.

Wendekreis von nur 3,9 Metern

Der elektrische Cityflitzer von Toyota ist mit nur 2,49 Metern Länge und 1,29 Metern Breite noch einmal einen Tick kleiner als das City-Coupe von Smart (2,70 Meter Länge, 1,66 Meter Breite). Und mit einem Wendekreis von 3,9 Metern unterbietet er das Vorbild (6,95 Meter) auch in dieser Disziplin. Das gilt allerdings auch für Antriebskraft und Höchstgeschwindigkeit: Der Elektromotor des Toyota mobilisiert maximal 9,2 Kilowatt (12,5 PS) und kommt damit auf maximal 60 km/h. Trotzdem soll er mit seinem 51 Amperestunden oder 9 Kilowattstunden großen Lithium-Ionen-Akku dank eines Gewichts von nur 690 Kilo wie der Smart EQ bis zu 150 Kilometer weit kommen. Nach Ansicht der Toyota-Ingenieur ist das völlig ausreichend, um ganz entspannt (mit „peace of mind“) durch die Großstadt zu stromern. Geladen werden kann der C+Pod übrigens an jeder Haushaltssteckdose

Smart EQ ForTwo im Stadtverkehr
Das zweisitzige Elektromobil wird künftig in China produziert. Die letzten Exemplare aus französischer Produktion werden derzeit zu Preisen ab 18.460 Euro angeboten. Foto: Smart

Im ersten Schritt will Toyota seine vierrädrige „Kapsel“ deshalb zunächst auch nur gewerblichen Nutzern zur Verfügung stellen – für umgerechnet 13.130 Euro in der Basis- und für 13.656 Euro in einer besser ausgestatteten Version. Im Auge hat der Autohersteller Sozial- und Kurierdienste, aber auch Anbieter von Carsharing-Services etwa für Touristen, die mit dem C+Pod Sightseeing-Touren oder Ausflüge unternehmen können. Toyota arbeitet dazu mit 200 Partnerunternehmen in der öffentlichen Verwaltung und in der Wirtschaft zusammen, um rund um das E-Mobil neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Mit Moped-Führerschein: Frankreichs neuer Elektrozwerg, der unsere großstädtische Mobilität entspannen soll. Er ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber so was von cool. Elektroauto

Erst im kommenden Jahr sollen die Bestellbücher für Normalkunden geöffnet werden. Gelockt werden sollen die nicht nur mit dem günstigen Preis und der hohen Wendigkeit des Auto-Zwergs im Straßenverkehr, sondern auch einem speziellen Feature: Über einen speziellen Anschluss kann die Batterie des E-Mobils angezapft werden, um damit experne Elektrogeräte von bis zu 1500 Watt mit Haushaltsspannung zu betreiben – etwa bei einem Stromausfall nach einem Erdbeben.

Ob der Toyota C+Pod auch nach Europa kommt, ist noch nicht entschieden. Einen Markt dafür gäbe es hier durchaus: Renault hat für ähnliche Zwecke 2011 den Twizy entwickelt. Und Citroën startet in diesen Tagen den Verkauf seines nur 2,41 Meter langen Stadtautos „Ami“. Dieses bietet ebenfalls nur zwei Personen Platz und ist auf 45 km/h gedrosselt, damit es auch schon von 16-Jährigen mit Moped-Führerschein pilotiert werden kann. Kosten soll der kleine Franzose nur etwa 6900 Euro. Da müsste sich Toyota noch ein wenig strecken, um den C+Pod hierzulande konkurrenzfähig zu machen.

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