Das Expertenforum „Klimafreundliche Mobilität und Infrastruktur“ (EKMI) hat nach fünfwöchiger Arbeit seinen Arbeitsbericht vorgelegt. Das 27-köpfige Team „aus Wissenschaft und Praxis“ (vertreten waren unter anderem der Verband der Automobilindustrie VDA und der Automobilclub ADAC, e-Mobil Baden-Württemberg und der ICCT) unter Leitung von Staatssekretärin Claudia Elif Stutz (CDU) hatte sich Maßnahmen überlegt, um Pkws und den schweren Straßengüterverkehr umweltverträglicher zu machen sowie größere Umfänge des Verkehrs von der Straße auf die Schiene sowie aufs Wasser zu verlagern.
Aufgabe des Mitte Juni eingesetzten EKMI war es, die aus dem Koalitionsvertrag abgeleiteten und geplanten Maßnahmen des Bundesverkehrsministeriums für ein Sofortprogramm zu überprüfen. Als Grundlage diente ein vom Verkehrsministerium zusammengestelltes Portfolio von 33 Maßnahmen, die wiederum in fünf Themenfelder aufgeteilt waren. Für die Elektromobilität besonders relevant: die Themenbereiche „Elektrifizierung des PKW-Antriebs“ und „Dekarbonisierung des schweren Straßengüterverkehrs“. Im Folgenden konzentrieren sich die Ausführungen hier auf den Bereich der Elektroautos.

27 Mitglieder zählte das Gremium, das Maßnahmen für eine klimafreundliche Mobilität und Infrastruktur entwickeln sollte. Das Ergebnis der fünfwöchigen Beratungen übergaben sie jetzt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (Mitte). Foto: BMV
Der PKW-Verkehr verursacht mit einem Anteil von 60 Prozent den größten Teil der im Verkehrsbereich erzeugten Emissionen. Die Elektrifizierung des Verkehrs sieht das EKMI daher als „einen zentralen Hebel“ zur Reduktion dieser Emissionen. Den Markt für Elektroautos bewertet das Gremium grundlegend positiv. So zeigten die Zulassungszahlen im Jahr 2025 ein positives Bild vom Markthochlauf. „Der Markt hat sich aus der frühen Phase herausentwickelt und bietet nun ausgereifte Fahrzeuge sowie ein gutes Ladeangebot“, so das Fazit zum gegenwärtigen Stand in Deutschland.
Fünf Hebel für den Hochlauf
Das Expertenforum hat fünf Hebel identifiziert, die den Hochlauf der Elektromobilität noch weiter unterstützen sollen: So seien die Gesamtkosten für kleine und mittlere Elektroautos noch immer „deutlich höher“ als für einen vergleichbaren Verbrenner. Dies müsse sich ändern. Auch der Anschaffungspreis im Allgemeinen sei ein zentrales Hemmnis und müsse für niedrige und mittlere Einkommen herunter. Des Weiteren würden Maßnahmen zur Senkung der Betriebskosten Erstkäufer maßgeblich beeinflussen. Als letzten Punkt benennt das EKMI attraktive Rahmenbedingungen für den privatwirtschaftlichen Ausbau des Ladeangebots als einen zentralen Hebel, um komfortables und europaweites Laden zu ermöglichen.
Kaufprämie? Nein danke
Darauf aufbauend hat das EKMI Empfehlungen zur Ausgestaltung der Maßnahmen entwickelt. Einer generellen Kaufprämie für Elektroautos steht EKMI kritisch gegenüber. Dabei handele es sich um „marktverzerrende Effekte“, die das Gremium als „mehrheitlich schwierig betrachtet“. Zwar könnten Kaufanreize insbesondere die Nachfrage nach kleinen und mittleren Pkw steigern. Das Gremium empfiehlt in diesem Fall aber eine Förderung direkt nach dem Kauf – und nicht wie beim Umweltbonus (den die damalige Bundesregierung Ende 2023 abrupt beendet hatte) erst nach der Zulassung. So würde einkommensschwachen Haushalten effektiver geholfen, argumentiert der Expertenrat.

Eine direkte Förderung von elektrischen Neuwagen lehnt das EKMI ab – aus Sorge, dass vor allem chinesische Autobauer davon profitieren könnten. Kein Wunder: Dem Gremium gehörte der Verband der Automobilindustrie (VDA) an. Foto: depositphotos.com/de/
Aber das EKMI sieht Gefahren: Direkt geförderte Neuwagen könnten den Gebrauchtwagenmarkt unter Druck setzen und auch dem Industriestandort schaden, heißt es in dem Bericht. Dahinter steckt wohl die Befürchtung, dass von der Förderung vor allem chinesische Anbieter von Elektroautos profitieren könnten.
Zustimmung gibt es bei der steuerlichen Begünstigung von Dienstwagen mit Elektroantrieb. Dies sei eine „wirksame Maßnahme“ sowohl für den gewerblichen Umstieg auf elektrische Fahrzeuge als auch zur Stärkung des Gebrauchtwagenmarktes für E-Autos.
Lademöglichkeiten in Wohnanlagen verbessern
Eine ausdrückliche Empfehlung gibt das EKMI für die Förderung von Lademöglichkeiten in Mehrparteienhäusern. „Wohnungseigentümergemeinschaften könnten in einem vereinfachten Ansatz über prozentuale Investitionskostenzuschüsse unterstützt werden. Wohnungsbauträger könnten über steuerliche Entlastungen gefördert werden“, so die Experten.
Das Expertenforum spricht sich auch für eine Fortführung der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur aus. Kontinuität sei wichtig, um die Umsetzung der offenen Maßnahmen aus dem aktuellen Masterplan für Elektromobilität voranzutreiben. Einer diskutierten „Neuauflage“ des vorhandenen Masterplans steht das EKMI hingegen kritisch gegenüber. Stattdessen sprechen sich die Experten für eine „Aktualisierung“ aus. Der Begriff der Neuauflage würde die „bisherigen Inhalte zu stark infrage stellen“, so die Argumentation.
Ladestrompreise müssen transparenter werden
Positiv sieht das EKMI die Reduzierung von Stromsteuer und Netzentgelten. Diese Maßnahmen würden „bei Weitergabe an die Kunden die Betriebskosten verringern und die Wirtschaftlichkeit speziell für Gebrauchtwagen verbessern“. Einer Transparenzplattform für Ladepreise steht das EKMI ebenfalls positiv gegenüber. Eine entsprechende Umsetzung ist ohnehin bis April 2026 geplant.
Die Idee eines staatlichen Ladeguthabens „sollte als hersteller- und modellunabhängige Anreizmaßnahme geprüft werden“. Es sei je doch offen, ob die Maßnahme „tatsächliche Lenkungswirkung auf das Nutzerverhalten“ habe, schränkt das Expertenforum ein.

Wie viel der Strom kostet, hängt nicht nur vom Betreiber der Ladesäule ab. Viele Fahrer von Elektroautos sind deshalb überrascht, wenn ihnen Tage nach dem Ladevorgang die Rechnung dafür im Postfach landet. Eine Plattform im Internet soll das ändern. Foto: EV-Box
Für das bidirektionale Laden wird ein geeigneter, regulatorischer Rahmen gefordert, um etwa wirtschaftliche Anreize zu schaffen und Doppelabgaben zu vermeiden. Ziel müsse eine Plug-&-Play Lösung sein, konkrete Maßnahmenvorschläge auf dem Weg dahin gibt es in dem Bericht aber nicht.
Verlässlichkeit angemahnt
Insgesamt mahnen die Experten Planungssicherheit und Verlässlichkeit bei der politischen Umsetzung an. „In Bezug auf eine Fahrzeugförderung sollte schnellstmöglich Klarheit geschaffen werden, um aktuelle, marktverzerrende Warteeffekte zu verhindern“, so der Bericht.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kündigte an, die Empfehlungen des EKMI sorgfältig zu prüfen. Bis Mitte September muss das Verkehrsministerium seinen Beitrag zum Klimaschutzprogramm der Bundesregierung an das Bundesumweltministerium übermitteln.
