Bundestag und Bundesrat haben im Eilverfahren die Rückkehr des Tankrabatts besiegelt: Ab dem 1. Oktober sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für drei Monate um rechnerisch bis zu 17 Cent pro Liter. Rund 2,5 Milliarden Euro an Steuereinnahmen lassen sich Bund und Länder dieses erneute Notpflaster bis zum Jahresende kosten, um Autofahrer angesichts krisenbedingter Rekordpreise an den Zapfsäulen spürbar zu entlasten. Ökonomen, Verbraucherschützer und Mobilitätsexperten schlagen jedoch gleichermaßen die Hände über dem Kopf zusammen: Wie schon beim ersten Anlauf im Frühjahr droht der Steuernachlass in den Raffineriemargen der Mineralölkonzerne zu versickern – ohne jede Garantie auf eine vollständige Weitergabe an die Kundschaft. Schlimmer noch: Mitten in der Transformation subventioniert der Staat erneut fossile Verbrennungsmotoren mit der Gießkanne, statt strukturelle Anreize für bezahlbare, zukunftsfeste Mobilität zu setzen.

Dabei zeichnet die automobile Realität längst ein anderes Bild: Trotz aller politischen Volten kletterte der Anteil reiner Elektroautos bei den Neuzulassungen im August 2026 auf 32,4 Prozent – fast jeder dritte Neuwagen fährt inzwischen rein batterieelektrisch. Warum kurzfristige Rabatte an der Zapfsäule eine teure Illusion bleiben und weshalb selbst das Laden an öffentlichen Schnellladestationen im laufenden Betrieb jeden Verbrenner finanziell deklassiert, rechnet Martin Roemheld, Geschäftsführer von EnBW mobility+, in seinem Gastbeitrag für EDISON vor.

Martin Roemheld
Martin Roemheld
Der Diplom-Ingenieur begann seine Karriere in der Motorradsparte von BMW in Berlin. Später wechselte er in die Konzernzentrale nach München, um digitale Ladedienste unter anderem für den elektrischen i3 aufzubauen. Die Arbeit setzte er ab 2018 im Volkswagen-Konzern als Leiter e-Mobility-Services und mit der Gründung der Energiemarke Elli fort. Es folgt ein Intermezzo als Produktleiter von BPpulse in London, bevor er im Januar bei EnBW als CEO des Ladeanbieters EnBW mobility+ anheuerte. Foto: Ilkay Karakurt

Die Bundesregierung greift angesichts hoher Kraftstoffpreise erneut zu einem Tankrabatt. Die Entlastung von bis zu 17 Cent pro Liter wird voraussichtlich die Kosten an der Zapfsäule vorübergehend senken. Bereits im Mai und Juni hatte es einen vergleichbaren Rabatt gegeben. Wie schon damals handelt es sich auch diesmal um eine zeitlich begrenzte Maßnahme.

Wer über einen Fahrzeugwechsel nachdenkt, für den ist jetzt ein guter Zeitpunkt, den Umstieg auf ein E-Auto zu prüfen. Die aktuelle E-Auto-Förderung und die Verfügbarkeit zunehmend preislich attraktiver Fahrzeugmodelle können die Anschaffungshürde senken. Hinzu kommen niedrigere Energiekosten im laufenden Betrieb, wie aktuelle Berechnungen zeigen. 

Diese Entwicklung spiegelt sich bereits im Markt wider. 2025 war knapp jeder fünfte neu zugelassene Pkw in Deutschland batterieelektrisch. Die Zahl der Neuzulassungen stieg gegenüber 2024 um rund 43 Prozent. Im August 2026 war bereits fast jeder dritte Neuwagen ein reines E-Auto. Der Anteil batterieelektrischer Pkw lag bei 32,4 Prozent.

Angesichts der volatilen Kraftstoffpreise ist diese Entwicklung nachvollziehbar. Bei einem zeitweise beobachteten E10-Spitzenpreis von 2,89 Euro pro Liter entstehen in einer Beispielrechnung für einen Benziner mit einem Verbrauch von 7,7 Litern je 100 Kilometern und 15.000 km Jahresfahrleistung Energiekosten von rund 3.338 Euro. Ein E-Auto mit einem Verbrauch von 20 Kilowattstunden je 100 km kommt im regulären EnBW-Ladetarif L inklusive Grundgebühr (39 Cent/kWh zzgl. 11,99 Euro monatlich) auf rund 1.314 Euro. In diesem Beispiel sind das rund 60 Prozent weniger Energiekosten für die Mobilität. Der Ladetarif L richtet sich an Menschen, die häufig öffentlich laden. Mit den Tarifen S und M bietet die EnBW darüber hinaus passende Angebote für Menschen, die nicht regelmäßig öffentlich Laden.

E-Auto ist auch ohne eigene Wallbox günstig zu betreiben

Damit wird öffentliches Schnellladen auch für Menschen ohne eigene Wallbox interessant: Der Kilowattstundenpreis im Ladetarif L nähert sich dem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis an. Dieser liegt laut einer BDEW-Strompreisanalyse bislang bei durchschnittlich 37 Cent je Kilowattstunde. Die Rechnung zeigt zugleich, dass ein E-Auto selbst bei ausschließlich öffentlichem Laden deutlich geringere Energiekosten verursachen kann als ein vergleichbarer Benziner.

Noch niedriger liegen die Energiekosten für Kunden, die neben dem Ladetarif auch einen Strom-, Gas- oder Wärmestromvertrag bei der EnBW haben. Im Vorteilstarif für Bestandskunden liegt der Preis im Ladetarif L bei 35 Cent je kWh. Im selben Rechenbeispiel ergeben sich daraus jährliche Energiekosten von rund 1.194 Euro. Damit kostet der Strom zum Fahren nur gut ein Drittel dessen, was beim vergleichbaren Benziner für Kraftstoff anfällt.

Die EnBW hat ihre Ladetarife über längere Zeit stabil gehalten und Preissenkungen sowie befristete Rabattaktionen genutzt, um Kostenvorteile an ihre Kunden weiterzugeben – etwa im Dezember 2025 oder zuletzt im Rahmen der Sommeraktion. Wann immer es Spielräume gibt, geben wir diese an unsere Kunden weiter.

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1 Kommentar

  1. Yasim

    Sicher fährt ein W Auto günstiger.
    Aber für aussagekräftige Vergleiche sollte man Durchschnittspreise als Grundlage nehmen.
    Und nicht die höchsten Benzin und die niedrigsten Strompreise zum Vergleich nehmen.
    Und dann rechnet uns das auch noch ein Geschäftsführer von EnBW vor.

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