Es geht aufwärts – und wie: Die Storseisund-Brücke wölbt sich wie eine erstarrte Welle aus dem Meer: 260 Meter lang, an ihrem höchsten Punkt 23 Meter über der Gischt. Kurz davor wirkt sie, als würde die Straße einfach im Himmel enden. Und wer sich ihr im Elektro-Kia mit Tempo nähert, spürt für einen Moment jenen Schwebe-Effekt, für den die Brücke seit Jahren Fotografen und Filmteams anlockt – etwa für eine Verfolgungsjagd im James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“.

Und die Brücke ist nur ein Teil eines Infrastruktur-Kunstwerks über Dutzende Inseln an der wilden Küste. Wenn der ausgelatschte Spruch „der Weg ist das Ziel“ je einen Sinn hatte, dann für diese Straße: Auf dem acht Kilometer langen Atlanterhavsveien wollen sich an diesem Spätsommertag drei neongrün akzentuierte Stromer vergnügen: der Kompakt-SUV EV3 GT, Fastback EV4 GT und der Mittelklasse-SUV EV5 GT. Kia schickt damit seit kurzem erstmals eine ganze Familie sportlicher Elektroautos ins Rennen.

Auf und nieder immer wieder
Die Storseisund-Brücke wölbt sich wie eine Welle aus dem Meer. Sie ist Teil eines Infrastruktur-Kunstwerks, der eine Reihe von Inseln an Norwegens Küste miteinander verbindet. Für einen Moment spürt auch der Kia EV3 hier einen Schwebe-Effekt.

„Wir haben die Modelle dazu umfassend überarbeitet und mit zahlreichen exklusiven sportlichen Features ausgestattet“, erklärt der Leiter des europäischen Entwicklungszentrums David Labrosse den Aufwand für Torque-Vectoring, Allradsysteme oder Dämpferabstimmungen, die aus der braven Basis muskelbepackte Sportler machen sollen.

Eine Plattform, aber drei unterschiedliche Ausprägungen

Also zur Probe aufs Exempel: Die 8,3 Kilometer lange Strecke zwischen Vevang und der Insel Averöy verlangt von Fahrwerk, Motoren und Software einiges ab. Sieben weitere Brücken hangeln sich über Inseln, Holme und Schären, dazwischen liegt offenes Meer. Ein Dutzend Orkane erlebten die Bauarbeiter, bevor die Straße 1989 eröffnet wurde. 2005 kürten die Norweger sie zum „Bauwerk des Jahrhunderts“ – ein Titel, der auch für die Ingenieure bei Kia eine Steilvorlage sein dürfte, ihre GT-Modelle genau hier testen zu lassen.

Mit Allradantrieb unterm Polarlicht
Der Kia EV3 GT startet als kompaktester und mit 53.990 Euro als günstigster der drei GTs zur Tour in den hohen Norden.

Alle drei Fahrzeuge teilen sich die Electric-Global Modular Platform des Konzerns, einen Lithium-Ionen-Akku mit 81,4 kWh Kapazität und eine 400-Volt-Architektur, die Kosten und Bauraum spart. Auf dem Papier klingt das nach Einheitsbrei; auf der Straße zeigt sich das Gegenteil. Der EV3 GT und der EV4 GT leisten identische 215 kW, also 292 PS, bei 468 Newtonmetern Drehmoment. Der EV5 GT kommt auf 225 kW beziehungsweise 306 PS und mobilisiert 480 Newtonmeter Drehmoment. Zwei E-Maschinen an Vorder- und Hinterachse bringen bei allen Dreien Allrad-Power, zusätzlich zu den jeweils erhöhten Motorleistungen.

GT-Spaß beginnt beim EV3

Der EV3 GT startet als kompaktester und mit 53.990 Euro günstigster der drei. Er beschleunigt in 5,7 Sekunden auf 100 km/h und schafft bis zu 501 Kilometer Reichweite. Der EV4 GT kostet ab 57.840 Euro, sprintet in 5,6 Sekunden und kommt auf bis zu 505 Kilometer Reichweite. Der EV5 GT leistet für 59.990 Euro den Sprint auf Landstraßentempo in 6,2 Sekunden und schafft bis zu 476 Kilometer.

Stromaufwärts
Mit 4,45 Metern Länge und knapp 1,50 Höhe duckt sich der Kompaktwagen auf den Asphalt, der lange Radstand von 2,82 Metern gibt der Karosserie viel Ruhe. Eine Kamera scannt die Fahrbahn, erkennt Schlaglöcher und Bodenwellen und stellt die Dämpfer passend ein.
Stromaufwärts
Mit 4,45 Metern Länge und knapp 1,50 Höhe duckt sich der Kompaktwagen auf den Asphalt, der lange Radstand von 2,82 Metern gibt der Karosserie viel Ruhe. Eine Kamera scannt die Fahrbahn, erkennt Schlaglöcher und Bodenwellen und stellt die Dämpfer passend ein.

Auf den ersten Kehren hinter Vevang zeigt der 4,31 Meter kurze EV3 GT seine Stärke: Kurzer Radstand, kompakte Länge und wendiges Einlenken. Er lässt sich spielerisch von einer Kurve in die nächste dirigieren. In schnellen Wechselkurven meldet sich allerdings der etwas höhere Schwerpunkt des SUV-Aufbaus als vergleichsweise leichtes Wanken der Karosserie – die elektronische Dämpferkontrolle (ECS) mit dem Road Preview System fängt die Bewegung aber immer locker ab, bevor es Richtung Wasser geht. Am Kurvenausgang sorgt der Allradantrieb dafür, dass der Wagen sauber heraus beschleunigt, ohne durchzudrehen. Das macht Lust auf sportliche Spielereien mit der GT-Taste, weitgehend abschaltbarem ESP oder gar dem Blitzstart dank Launch-Control; die muss jeweils über das Zentraldisplay freigegeben werden.

An dieser Stelle ist ein pädagogischer Hinweis angebracht: Es soll tatsächlich Menschen geben, die zum Fuß der steil ansteigenden Brücke in Schrittgeschwindigkeit fahren, um dann den GT-Knopf zu drücken und sich bei voll durchgedrücktem Fahrpedal Richtung Unendlichkeit katapultieren zu lassen. Gerüchteweise soll dies sogar großen Spaß bereiten. Aber natürlich ist es streng verboten, derart zu beschleunigen. Ende der Durchsage …

EV4 GT lässt die SUVs hinter sich

Kurz vor der Storseisund-Brücke wechselt die Fahrbahn von der geschützten Bucht auf offenes Meer, böiger Wind frischt merklich auf. Genau hier zeigt sich, wie unterschiedlich die drei GT-Modelle mit Seitenwind und Bodenwellen umgehen: Der EV4 GT übernimmt dazu für den nächsten Abschnitt – und der Unterschied ist sofort spürbar. Mit 4,45 Metern Länge und nicht einmal 1,50 Höhe duckt sich der Kompaktwagen auf den Asphalt, der lange Radstand von 2,82 Metern gibt der Karosserie Ruhe. In Kombination mit den optionalen Michelin-Performance-Reifen auf den 20-Zoll-Rādern entsteht eine mechanische Haftung, die die beiden SUV-Geschwister hinter sich lässt.

Etwas anders
Grüngelbe Bremssättel kennzeichnen die GT-Ausführungen der drei Elektroautos aus Südkorea.

Hier zeigt sich auch, was Experte Labrosse beschwört: „GT ist etwas anderes als GT-Line; da haben wir mechanisch und bei der Software viel gemacht.“ Die Lenkung reagiert im GT-Modus besonders präzise und mit spürbarem Widerstand, Wankbewegungen sind dank der elektronischen Dämpferkontrolle samt serienmäßigem Road Preview System kaum wahrnehmbar. Eine Kamera scannt die Fahrbahn permanent, erkennt Schlaglöcher und Bodenwellen und stellt die adaptiven Dämpfer passend ein. Der Effekt: Auch grobe Unebenheiten werden weich abgefedert, ohne dass Passagiere im Fond durchgeschüttelt werden. Solche Sportlichkeit muss auch beim EV4 GT keine Einbuße beim Raumgefühl bedeuten: Der EV4 GT bietet auch im Fond viel Bein- und Kopffreiheit sowie einen 359 Liter fassenden Gepäckraum.

Kia EV5 GT mit Extraportion Fahrspaß

Der letzte Abschnitt Richtung Kärväg führt über einen besonders unebenen Belag, aufgerissen von Frost und salziger Gischt. Bei 4,61 Metern Fahrzeuglänge rollt der EV5 GT in Kurven etwas gelassener als die kleineren Brüder, mit spürbarem, aber sauber gedämpftem Wanken der Karosserie. Dafür bietet das Mittelklasse-SUV das größte Platzangebot der drei Modelle mit 566 Litern Basis-Gepäckraumvolumen. Auch bei der Anhängelast liegt er mit 1.800 Kilogramm vor seinen Geschwistern, die jeweils bis zu 1.500 Kilogramm ziehen dürfen. Aber als Zugmaschinen sind die GT ja ohnehin nicht primär gedacht. „Sie sollen alltagstaugliche Fahrzeuge sein – aber eben mit der Extraportion Fahrspaß“, so Labrosse.

Für alle Fälle
Wer Familie, Komfort und ordentlich Anhängelast kombinieren muss, ist mit dem EV5 GT am besten bedient. Fotos: Kia

Weitestgehende Vollausstattung, viele sportliche Akzentuierungen und bequeme Sportsitze dokumentieren den Anspruch auch optisch – und natürlich die neongrüne Taste am Lenkrad mit dem eingeprägten „GT“. Ist so der virtuelle Gangwechsel aktiviert, simuliert das System haptisch und per Drehzahlmesser die Schaltvorgänge eines Automatikgetriebes oder Sechsganggetriebes, das manuell über Paddel geschaltet wird, auf Wunsch auch kombiniert mit einem martialischen Motorgeräusch aus den Lautsprechern.

Extra-Fahrspaß mit GT-Feeling

Das GT-Feeling ist weit mehr als Spielerei für die Generation Xbox: Vor engen Kurven erzeugt das System spürbare Verzögerungseffekte und Rückmeldungen – ein Kniff, der das zuweilen emotionslose Fahrgefühl von Elektroautos in etwas Vertraut-Mechanisches übersetzt.

So fliegt die Atlantikstraße vorbei – und malt ein klares Bild: Wer Wendigkeit und Stadttauglichkeit im kompakten SUV sucht, greift zum Kia EV3 GT. Wer maximale Fahrdynamik im klassischen Kompaktformat will, landet beim EV4 GT. Wer Familie, Komfort und ordentlich Anhängelast kombinieren muss, ist mit dem Kia EV5 GT am besten bedient. Und am Wochenende darf es dann auch mal jenseits solcher Überlegungen auf schönsten Straßen Richtung Meer gehen. Vielleicht sogar bis zum Atlanterhavsveien.

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