Die ersten 60 Bäume sind bereits angepflanzt. Alte Apfel- und Birnensorten hat Dirk Gratzel für die neue Streuobstwiese ausgewählt, auch Pflaumen, Quitten und Renekloden sollen in den kommenden Monaten auf dem Gelände der ehemaligen Zeche in Marl-Polsum heranwachsen. Das elf Hektar große Bergwerksgelände im nördlichen Ruhrgebiet, auf dem zwischen 1943 und 2008 Steinkohle gefördert wurde, soll so – und mit zahlreichen anderen Maßnahmen – in den kommenden 20 Jahren nach und nach wieder zu einer blühenden Landschaft werden.

Der Unternehmer hat einen ehrgeizigen Plan: Er möchte bis zu seinem Tode seine Klimasünden tilgen. Koste es, was es wolle. Ein altes Zechengelände im Ruhrgebiet soll darüber zum Naturparadies werden. Leben

Die Renaturierung der Fläche ist Teil des Projekts „GreenZero„, mit dem der 52jährige ehemalige IT-Unternehmer aus Aachen seine persönlichen Klimasünden tilgen will. Rund 1175 Tonnen CO2 hatte Gratzel durch einen aufwändigen Lebensstil – Flugreisen und Fahrten mit dem Auto, elegante Kleidung und anderen Luxus – im Laufe seines Lebens verursacht und damit direkt und indirekt zum Klimawandel beigetragen, hatten vor zwei Jahren Wissenschaftler der TU Berlin errechnet. Durch die Versauerung der Böden, die Schädigung der Ozonschicht und der Gewässer unter anderem durch den Eintrag von Waschmitteln und Kosmetika habe er schwere Umwelt-Schuld auf sich geladen, bescheinigten ihm die Wissenschaftler.

Was Gratzel nicht auf sich sitzen lassen mochte. „Wenn ich diesen Planeten eines Tages verlasse“, sagt er, „möchte ich keinen kapitalen Schaden hinterlassen, sondern eine ausgeglichene ökologische Bilanz.“ Die Renaturierung des Bergwerksgeländes ist Teil dieses einzigartigen Kompensationsprogramms.

90 Hektar werden aufwendig renaturiert

Halde Westfalen in Ahlen
Grüner Hügel ganz anders
Die Halde Westfalen nahe Ahlen soll in den kommenden Jahren von der privaten HeimatERBE GmbH in ein grünes Paradies verwandelt werden. Mit ihrer finanziellen Beteiligung können Unternehmen hier ihre Umweltschulden tilgen. Foto: Stadt Ahlen

Inzwischen hat Gratzel von der RAG Montan Immobilien, einem Tochterunternehmen des ehemaligen Bergwerk-Betreibers Ruhrkohle AG, weitere Flächen erworben. Drei ehemalige Bergbauareale mit einer Fläche von insgesamt über 90 Hektar in Lünen, Herten und im westfälischen Ahlen. Diesmal nicht, um seine persönliche Lebens-Öko-Bilanz auszugleichen, sondern um anderen Unternehmen und Unternehmern eine Möglichkeit zu offerieren, Kompensation zu leisten für ihren Anteil am Klimawandel. Gratzel hat dazu zusammen mit dem Aachener Geologen Matthias Nendza die HeimatERBE GmbH aus der Taufe gehoben. Zusammen mit Biologen, Landschaftsplanern und Forstingenieuren sollen auch diese Industriebrachen naturschutzfachlich aufgewertet und mithilfe einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen dauerhaft in einen hochwertigen ökologischen Zustand versetzt werden.

dm ist erster HeimatERBE-Kunde

Erster Kunde und strategischer Partner des neuen Öko-Unternehmens ist die Drogeriekette dm des sozial- und umweltpolitisch engagierten Gründers Götz Werner. Weitere Kooperation stehen kurz vor dem Abschluss.

HeimatERBE wird den Unternehmen die ökologische Verbesserung der Bergwerksareale und den dadurch geschaffenen Umweltwert gewissermaßen in Rechnung stellen. Die Umweltinvestitionen können die Partnerunternehmen dann dazu nutzen, um die Umweltkosten, die sie selbst mit ihren Produkten und Dienstleistungen verursachen, zu neutralisieren. Die Methodik hat Gratzel zusammen mit Experten der Technischen Universitäten Berlin und Braunschweig sowie des ifeu-Instituts für Energie- und Umweltforschung aus Heidelberg entwickelt. Ökologie und Ökonomie, so die Idee, werden auf diese Weise wieder in ein Gleichgewicht gebracht.

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