In Finkenwerder West herrscht aktuell gute Luft. Na ja, jedenfalls im Vergleich zu den Vormonaten und nach den Daten, die von der Stadt Hamburg erhoben werden. Die Stickstoffdioxid-Werte an der städtischen Messstation liegen bei 32 Mikrogramm pro Kubikmeter, Stickstoffmonoxid ist kaum noch in der Luft enthalten. Die gesetzlichen Grenzwerte werden damit deutlich unterschritten. Auch an den übrigen 14 Stationen des Hamburger Luftmessnetzes hat sich die Lage deutlich entspannt – der Shutdown des öffentlichen Lebens infolge der Corona-Seuche lässt sich hier wie auch in anderen deutschen Großstädten deutlich ablesen.

Breeze-Sensor im Einsatz
Die ermittelten Schadstoff-Konzentrationen werden in der Cloud mit Hilfe Künstlicher Inteligenz blitzschnell ausgewertet. Foto: Breeze

Die Qualität der Luft hängt allerdings nicht nur von der Konzentration von Stickoxiden ab. Das 2015 gegründete Hamburger Startup Breeze Technologies hat deshalb am „Earth Day“, am Tag der Erde, in Eigeninitiative und mit Unterstützung von Microsoft ein eigenes, weitaus dichteres und intelligenteres Netzwerk von Messstationen in Betrieb genommen. Die 35 Sensoren, die von Bürgern an Häusern und auf Balkonen installiert wurden, messen nicht nur die Stickoxid-Werte, sondern auch weitere Parameter wie Feinstaub, Ozon und Kohlenmonoxid. Auf diese Weise ergibt sich ein wesentlich detaillierteres Bild von der Luftqualität in der Hansestadt – in Echtzeit und mit höherer Aussagekraft.

Denn die Breeze-Sensoren sammeln nicht nur Daten, sondern senden sie auch gleich in die „Enviromental Intelligence Cloud“ von Breeze Technologies, wo sie mit Hilfe Künstlicher Intelligenz analysiert und bewertet werden. Theoretisch wäre es dadurch möglich, situationsbedingt und blitzschnell Maßnahmen zur Luftreinhaltung auszulösen, etwa über Ampelanlage die Verkehrsführung verändern. Oder man könnte die Bewohner der Stadt zumindest über ein kostenloses Bürgerportal über die aktuelle Lage zu informieren.

Umweltamt der Stadt zeigt kalte Schulter

Man könnte – der Senat der Hansestadt zeigte bislang allerdings kein Interesse daran. Sie beteiligte sich weder an den Kosten für die Beschaffung der 35 etwa 1000 Euro teuren Sensoren. Hier musste Microsoft Deutschland aushelfen. Enttäuscht ist Breeze-Co-Gründer Robert Heinecke noch mehr darüber, dass sich die Stadt keine Bereitschaft zeigt, die Daten aus dem Breeze-Netzwerk in die eigenen Analysen und damit in den Luftreinhalteplan einfließen zu lassen.

Drinnen und Draußen
Deutlich kleiner ist der Sensor, der die Schadstoffkonzentrationen in Innenräumen misst. Ausgewertet werden sämtliche Daten in einer eigenen Cloud, die auf Microsoft Azure basiert und auf einen Blick sofort zeigt, wie es um die Luftqualität bestellt ist. Foto: Breeze

An guten Argumenten habe es bei den bisherigen Gespräche nicht gemangelt, sagt Heinecke. Aber die Mühlen einer Stadtverwaltung mahlten bekanntlich langsam. „Und manche Städte wollen vielleicht auch lieber gar nicht so genau wissen, wie schlecht die Luft wirklich ist, denn dann müssten sie ja auch handeln“.

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