Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) warnt die EU-Kommission vor übertriebenen Erwartungen. Die Landwirtschaft dürfe beim Klimaschutz nicht überfordert werden – Kernaufgabe der Bauern bleibe die Produktion von Nahrungsmitteln. Und das sei ganz ohne klimaschädliche Emissionen nicht machbar. Zudem habe der Agrarsektor in Deutschland seine Ziele bei der CO2-Reduktion im vergangenen Jahr „sogar übererfüllt“: Im Vergleich zu 1990 seien die Treibhausgasemissionen um rund 24 Prozent gesunken, tat die Ministerin dieser Tage kund.

Anlass waren die bevorstehenden Gespräche über ein Gesetzespaket der EU-Kommission zum Klimaschutz, das im Juli vorgestellt werden soll. Der zuständige Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans hat bereits angekündigt, auch die Landwirtschaft zur Verantwortung zu ziehen und Klimaneutralität des Agrarsektors bis zum Jahr 2050 zu fordern.

Zumindest die Hersteller von Landmaschinen sind auf den neuen Kurs bereits eingeschwenkt: „Die Landwirtschaft muss Ökonomie und Ökologie noch stärker in Einklang bringen“, forderte Markwart von Pentz, der Präsident der Landtechniksparte und Europa-Chef von John Deere dieser Tage beim ersten „Nachhaltigkeitstag“ des US-Konzerns. Immerhin gingen rund ein Viertel aller CO2-Emissionen auf das Konto der Bauern.

Traktoren werden immer schwerer

Und bei John Deere wissen sie auch schon, wie sich Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft wieder ins Gleichgewicht bringen lassen: durch technische Aufrüstung und präziseres Arbeiten. „Präzisionslandwirtschaft ermöglicht es Landwirten, effiziente Feldarbeit mit dem Schutz von Umwelt und Natur zu verbinden“, erklärte Technikvorstand Peter Pickel. „Mit Hilfe dieser Technologien können die CO2-Emissionen bis 2030 drastisch um bis zu 11 Prozent reduziert werden“.

Was darunter zu verstehen ist und wie es funktionieren könnte, machte der Landmaschinenhersteller während einer Videokonferenz klar. Beispielsweise mit einer neuen Generation von Traktoren, die nicht nur sparsamer arbeiten, sondern auch leichter sind und die aufgrund einer geringeren Aufstandsfläche den Boden weniger stark verdichten.

„Es besteht kein Zweifel, dass die Traktoren in den letzten Jahren schwerer geworden sind. Die Bodenverdichtung hat jedoch dank der Verwendung größerer Reifen und der Möglichkeit, mit geringem Luftdruck zu arbeiten, stetig abgenommen“, sagte Professor Pickel, der an der TU Kaiserslautern lehrt – um anschließend ein wenig vorzurechnen, welche Potenziale hier liegen: Ein moderner 22-Tonnen-Traktor übe zum Beispiel nur einen Druck von 0,6 kg/cm² auf den Boden aus, während ein 3-Tonnen-Traktor mit 75 PS aus den 1970er Jahren noch einen viel höheren Druck von 1,5 Kilo pro Quadratzentimeter erzeugte.

Geringerer Spritverbrauch durch geringere Spurtiefe

Und so genannte Raupentraktoren seien noch sanfter zum Boden: Die neue John Deere 8RX Vierbandraupe hat eine riesige Aufstandsfläche von 4,6 m², so dass der Auflagedruck mit nur 0,4 kg / cm² sehr gering ist. Pickel: „Eine größere Aufstandsfläche bedeutet auch eine geringere Spurtiefe, was die Verdichtung in den tieferen Bodenschichten reduziert und den Rollwiderstand verringert.“ Zudem sinke der Kraftstoffverbrauch und damit die Klimabilanz. Tests hätten gezeigt, dass der Kraftstoffverbrauch allein mit einem Raupenantrieb um zehn Prozent gesenkt werden können. „So kann dieses innovative Fahrkonzept aktiv zum Klimaschutz beitragen.“

Erst messen, dann düngen 
Ein so genanntes "Harvest Lab" am Hänger ermittelt auf dem Feld mittels eines Infrarotsensors zunächst den Nährstoffgehalt der Gülle, bevor diese dosiert ins Erdreich eingegrubbert wird. Foto: John Deere
Erst messen, dann düngen
Ein so genanntes „Harvest Lab“ am Hänger ermittelt auf dem Feld mittels eines Infrarotsensors zunächst den Nährstoffgehalt der Gülle, bevor diese dosiert ins Erdreich eingegrubbert wird. Foto: John Deere

Weitere Einspareffekte verspricht man sich bei John Deere (Jahresumsatz 2020: 31.2 Milliarden Dollar) von der Digitalisierung der Landwirtschaft und einem präziseren Einsatz von Düngemitteln. Die energieaufwändige Produktion von Mineraldünger könnte beispielsweise deutlich reduziert werden, wenn man vor der Düngung mit Nahinfrarotsensoren zunächst die Qualität der Böden wie der Nähstoffkonzentrationen bei organischem Dünger ermittele. „Precision Farming“, so Pickel, „bietet neue Möglichkeiten, um effiziente Feldarbeit mit Umwelt- und Naturschutz zu verknüpfen.“ Mit Künstlicher Intelligenz ließe sich nicht nur der Einsatz von Herbiziden reduzieren. Durch eine intelligente Bodenbearbeitung ließe sich auch der Humusaufbau steigern – wodurch sich pro Hektar bis zu sechs Tonnen Kohlendioxid mehr im Erdreich speichern ließen.

Raupen-Traktor für eine halbe Million Dollar

Der „Sustainability Day“ zeigte auch Möglichkeiten ein, um die vorhandenen Maschinenkapazitäten besser zu nutzen und „Leerfahren“ von Traktoren und Erntemaschine zu vermeiden. Und natürlich gibt es auch Möglichkeiten, zumindest Teilbereiche der Landwirtschaft weiter zu elektrifizieren und damit klimafreundlicher zu gestalten. Die Frage ist nur, wer die technologische Aufrüstung finanzieren soll – nicht nur in Europa, sondern auch in ärmeren Regionen der Welt. Der genannte, besonders umweltfreundliche Großtraktor 8RX mit Raupenfahrwerk und 326 kW (443 PS) Leistung steht mit über einer halben Million Dollar in der Preisliste von John Deere.

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