Dieses Mal hat es geklappt: Das Tierbeobachtungssystem Icarus ist in den Testbetrieb gegangen. Der erste Versuch, das System zu starten, war im Juli vergangenen Jahres an einem Computerdefekt gescheitert. Der Rechner, der sich auf der Internationalen Raumstation (International Space Station, ISS) befindet, musste ausgetauscht werden.

Die International Cooperation for Animal Research Using Space (Icarus) ist ein Gemeinschaftsprojekt der Max-Planck-Gesellschaft, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. Ziel des Projekts ist es, Tierbewegungen auf der ganzen Welt zu erfassen. Dabei fungiert die ISS als Relaisstation, die Daten von den Tieren auffängt und an die Forscher auf der Erde weiterleitet.

Dafür wurde am russischen Swesda-Modul der Station eine Antenne angebracht. Ein Computer, der Daten speichert und dafür sorgt, dass sie zur Erde gelangen, wurde eigens auf die Station gebracht. Im vergangenen Sommer verhinderte ein Defekt, dass der Computer – und damit Icarus – in Betrieb genommen werden konnte. Er wurde zur Erde zurückgebracht, ein neuer Computer flog im Dezember mit dem russischen Frachter Progress MS-13 auf die ISS. Dort wurde er vorsichtshalber schon einmal kurz eingeschaltet, um sicherzustellen, dass er funktioniert.

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Tierischer Jetset

Das Zug-Verhalten von Störchen hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Mithilfe kleiner Sender können Forscher erfassen, wie viele der Tiere aus Europa noch nach Afrika fliegen. Foto: MPG/MaxCine/C. Ziegler

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Leichtes Gepäck

Die kleinen Sender – sie wiegen weniger als fünf Gramm – erfassen die Position der Tiere mithilfe von GPS-Satelliten. Sie messen aber auch Temperatur und Luftdruck. Foto: MPG/MaxCine/J. Stierle

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Frisch aufgerüstet

Martin Wikelski leitet das Icarus-Projekt und am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie die Abteilung Tierwanderungen. Hier stattet er einen Hellroten Ara mit einem der nur wenigen Gramm wiegenden Sender aus. Foto: MPG/S. Izquierdo

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Hochposten im All

Diese Antenne befindet sich mittlerweile an der Außenseite des russischen Swesda-Moduls auf der Internationalen Raumstation. Sie kann die Daten von mehr als 15 Millionen Icarus-Sendern empfangen, die wiederum ihre Messwerte nur senden, wenn sich die ISS in Funkreichweite befindet – um Energie zu sparen. Von dort senden die Rechner sie dann zu Bodenstation in Moskau. Foto: Max-Planck-Institut für Ornithologie /MaxCine

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Fortschrittlicher Transporter

Dieser russische Progress-MS-13-Frachter brachte den Ersatzrechner für das Icarus-Projekt auf die Internationale Raumstation. Foto: Oleg Skripotschka/Roscosmos

Beobachtung im globalen Maßstab

Um Tiere beobachten zu können, werden sie mit einem kleinen Sender ausgestattet, dem sogenannten Tag. In dem etwa zwei Kubikzentimeter großen und fünf Gramm schweren Kästchen befindet sich eine Reihe von Sensoren: GPS für die Positionsbestimmung, ein Beschleunigungsmesser, um das Verhalten eines Tieres zu beobachten, ein Magnetometer, um die Ausrichtung relativ zum Magnetfeld der Erde zu erfassen, Sensoren, die den Luftdruck, die Feuchtigkeit und die Temperatur messen. Hinzu kommen eine Kommunikationseinheit sowie eine Solarzelle und ein Akku für die Energieversorgung.

Die Sensoren sammeln Daten über die Wanderung der getaggten Tiere sowie Umgebungsdaten. Wenn eine Sichtverbindung zur ISS besteht, werden die Daten zur Station übertragen. Über den normalen Kommunikationskanal kommen sie dann zu den Bodenstationen in Russland und über das Kontrollzentrum in Moskau zu den Forschern. Die Daten aus dem Projekt werden in einer zentralen Datenbank, der Movebank, gespeichert. Nach drei Jahren, in denen sie gesperrt sind, damit die Forscher sie auswerten und ihre Ergebnisse publizieren können, werden sie frei verfügbar – mit Einschränkungen: Es werden keine GPS-Daten von gefährdeten Tierarten veröffentlicht, wie Projektkoordinatorin Uschi Müller im Gespräch mit Golem.de betont hat.

Mit Icarus können Wissenschaftler erstmals im globalen Maßstab Tiere auf ihren Wegen beobachten. Sie wollen beispielsweise herausfinden, welche Tiere überhaupt wandern, welche Routen sie nehmen und wie sie sich dabei orientieren. Unter anderem wollen die Forscher dem Rätsel auf die Spur kommen, wie Vögel zielsicher ihren Weg nach Süden und im folgenden Frühjahr wieder zurück finden.

Video der Max-Planck-Gesellschaft zu Icarus

Ausbreitung von Seuchen lässt sich verfolgen

Aus den Daten sollen auch weitergehende Erkenntnisse abgeleitet werden können. So soll es möglich sein, ökologische Veränderungen vorherzusagen oder die Ausbreitung von Krankheiten wie der Vogelgrippe zumindest einzudämmen. Schließlich sollen die Erkenntnisse dazu beitragen, bedrohte Arten zu schützen.

Das System wird zunächst mehrere Monate lang getestet. Im Herbst dieses Jahres soll laut den Projektpartnern der wissenschaftliche Betrieb starten.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei golem.de.

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