Der schwedische Batteriehersteller Northvolt AB hat sich Kredite in Höhe von 1,6 Milliarden Euro zum weiteren Aufbau seiner Zellproduktion gesichert. Das Geld stelle ein Konsortium aus Geschäftsbanken – darunter die Frankfurter KFW Ipex-Bank – Pensionsfonds und öffentlichen Finanzinstitutionen zur Verfügung, heißt es in Mitteilungen von Northvolt und der KFW Ipex-Bank übereinstimmend. Insgesamt hat Northvolt nach eigenen Angaben bis heute mehr als drei Milliarden Euro in seine beiden sogenannten Gigafabriken investiert. Während die eine im schwedischen Skelleftea entsteht, plant das Unternehmen die zweite im niedersächsischen Salzgitter – zusammen mit dem Volkswagen-Konzern.

Die Anlage in Schweden soll ab 2021 Zellen mit einer Kapazität von bis zu 40 Gigawattstunden (GWh) jährlich produzieren. Alle in Bau oder in Planung befindlichen Anlagen zusammen sollen bis 2030 pro Jahr 150 GWh herstellen, so das Ziel. Northvolt will in Europa einen Marktanteil von 25 Prozent erreichen.

„Starkes Momentum der Elektrifizierung“

Wie Northvolt weiter erklärt, investiere es außerdem erheblich
in die Batteriezelltechnologie selbst, die Prozessentwicklung und
das Recycling. Aus Sicht von Northvolt-CEO Peter Carlsson ist das
Momentum „der Elektrifizierung so stark wie nie. „Unsere Kunden
benötigen enorme Mengen hochwertiger Batterien mit geringem
CO2-Fußabdruck, und Europa muss eine vollständig regionalisierte
Wertschöpfungskette aufbauen, um sie zu unterstützen.“

Auch die Europäische Investitionsbank (EIB) ist mit einem Anteil von umgerechnet 300 Millionen Euro (350 Mio. US-Dollar) an der Finanzierung beteiligt, wie die EU-Kommission mitteilt. Das Geld kommt demnach aus dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI). EU-Kommissions-Vizepräsident Maros Sefcovic sagte, Northvolt gehöre zu Europas Vorreitern beim Bau der ersten europäischen Gigafabrik für Lithium-IonenBatteriezellen mit einem minimalen Kohlenstoff-Fußabdruck.

Sefcovic verwies in dem Zusammenhang auf die 2017 gegründete „Batterie-Allianz“, eine Initiative der Mitgliedsstaaten und der Industrie, die eine Wertschöpfungskette mit nachhaltigen Batteriezellen zum Ziel hat.

Staatsgelder für BMW-Zellfabrik

Der bayerische Autobauer BMW, der kürzlich mit Northvolt einen langjährigen Liefervertrag über Batteriezellen aus der geplanten Gigafabrik Skellevtea abgeschlossen hat, erhält derweil Fördermittel in Höhe von 60 Millionen Euro, um selbst konkurrenzfähige Batteriezellen entwickeln zu können. Das Geld stellen der Bund (70 Prozent) und das Land Bayern (30 Prozent) gemeinsam zur Verfügung. Damit unterstützen beide das Ziel von BMW, „eine neue und hochinnovative Generation von Lithium-Ionen-Zellen zu entwickeln, zu pilotieren und zu testen“, heißt es in einer Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums. Den Förderbescheid haben der parlamentarische Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Bareiß (CDU) und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Mittag des 29. Juli übergeben.

„Wir wollen die besten und leistungsfähigsten Batterien produzieren“, unterstrich Bareiß die Entscheidung. Angesichts des erwarteten Hochlaufs der E-Mobilität sei es wichtig, in Deutschland Know-how bei der Batterieherstellung aufzubauen: „Vom Rohstoff, den Fertigungsprozessen, über Maschinen- und Anlagenbau, zum Einsatz und Steuerung in den Fahrzeugen bis hin zur Wiederverwertung“, so Bareiß. Aiwanger verwies auch auf den möglichen Konjunktureffekt: „Nur wenn wir jetzt kraftvoll in die Nach-Coronazeit investieren, werden wir die notwendige schnelle Erholung unserer Wirtschaft erreichen.“

Produktion startet in Parsdorf Ende 2022

Laut BMW sollen die Zellen in einem neuen Pilotwerk entstehen. Darin will das Unternehmen neue Anlagentechnik testen und innovative Produktionsabläufe erproben. Ziel sei es, die „seriennahe Produktion“ von Batteriezellen hinsichtlich Qualität, Performance und Kosten zu optimieren. BMW werde damit der erste Automobilhersteller sein, der die gesamte Prozesskette des elektrischen Fahrens abdecke. Ein zentrales Anliegen sei dabei ein geschlossener und nachhaltiger Wertstoffkreislauf, erklärte das Unternehmen.

BMW Group Werk Spartanburg verdoppelt Kapazität der Batterieproduktion
Am Ende der Prozesskette
Batterien für Elektroautos produziert BMW schon seit längerem. Die Zellen muss der Autobauer bislang allerdings aus Asien zukaufen. Foto: BMW

Geplanter Standort des neuen Werks mit „ungefähr 50 Mitarbeitern“ ist Parsdorf bei München. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2022 vorgesehen. In Summe betrage das Projektvolumen knapp 110 Millionen Euro.

Die Batterieforschung von BMW ist Teil der „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI). Der Bund hat nach eigenen Angaben insgesamt 1,5 Milliarden Euro für IPCEI-Projekte verschiedener Unternehmen zum Aufbau der Batteriefertigung in Deutschland zur Verfügung gestellt. Vor knapp vier Wochen hatte der Batteriespezialist Varta einen solchen IPCEI-Förderbescheid in Höhe von 100 Millionen Euro erhalten. Damit will das Unternehmen eine neue Lithium-Ionen-Batteriefabrik errichten, um „dem Wettbewerb aus Asien entgegenzutreten“.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

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