Auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf (28.8. bis 6. 9.2026) sind sie demnächst wieder zu bestaunen: Luxus-Wohnwagen im XXL-Format wie der neue Adria Alpina. Zweiachsig, fast elf Meter lang, mit Dusche, Fußbodenheizung und Queensbett, das tagsüber elektrisch einfährt, damit es nicht zu viel Platz wegnimmt. Für 85.000 Euro mit Markise und Klimaanlage. Oder der Tabbert Puccini 750. Auch ein Tandemachser. Zehn Meter lang und mit Lederpolsterung und Topausstattung knapp 92.000 Euro teuer. Ein Ferienbungalow auf Rädern.

Der Kaufpreis ist für zahlungskräftige Fahrer von Elektroautos aber weniger eine Herausforderung als das Gewicht der Wohnanhänger. Der Adria Alpina wiegt 2,8 Tonnen im fahrbereiten Zustand, der Tabbert Puccini mit allem Zipp und Zapp auch locker über zwei Tonnen. Um solche Kawenzmänner an den Haken nehmen zu können, braucht es schon einen allradgetriebenen Elektro-SUV mit großen Akkus wie einen Kia EV9 (2500 Kilogramm Anhängelast) oder einen Porsche Cayenne Turbo (3000 Kilogramm). Auch um nicht alle 100 Kilometer einen Schnellladesäule aufsuchen zu müssen: Große Wohnanhänger treiben den Stromverbrauch. Nicht nur mit ihrem hohen Gewicht und ihrer schlechten Aerodynamik, sondern weil sie der Zugmaschine kaum Gelegenheit zum Rekuperieren lassen.

Das große Krabbeln
Der Platzbedarf des „Baboo“ („Käfer“) auf dem Campingplatz ist minimal. Für einen Kaffee am Morgen braucht es nur noch eine Kochbox. Die Campingstühle und der Klapptisch hingegen sind eigentlich überflüssig: Im Vorraum gibt es bereits vier Sitzplätze.

Den „Baboo One“ des Start-ups Urbanoid aus Kaiserslautern hingegen kann auch ein Elektro-Kleinwagen vom Kaliber eines Fiat 500e an den Haken nehmen. Denn dieser Wohnanhänger wiegt im fahrbereiten Zustand nur 280 Kilogramm und macht sich während der Fahrt so klein, dass die Aerodynamik nicht groß leidet. Bei Selbstversuchen der Entwickler mit dem Prototypen stieg der Energieverbrauch demzufolge nur um 15 Prozent. Am Haken eines Kia EV9 sollten sich damit Reichweiten von knapp 400 Kilometer mit einer Akkuladung darstellen lassen. Und auf dem Campingplatz dürfte das Gespann größere und freundlichere Aufmerksamkeit finden als die eingangs genannte Luxus-Version.

Baboo One in „Klappfix“-Tradition

Erfunden und entwickelt wurde der nur 1,90 Meter lange Baboo One von den beiden Industriedesignern Martin Paul Hoffmann aus Kaiserslautern und Stascha Thomas Offenbeck aus München – zwei begeisterten Campern. „Es gibt Wohnwagen, es gibt Zelte – und dazwischen lange eine große Lücke“, beschreibt Hoffmann im Gespräch mit EDISON das Motiv zur Entwicklung des Anhängers, der die Brücke zwischen beiden Kategorien schließen soll.

„Booba“ ist ein Kunstwort, welches aus dem kroatischen „Buba“ entstanden ist – zu deutsch: Käfer. „Unser Camper“, findet Hoffmann, „hat in Erscheinung und Größe etwas von einem Käfer. Diese sind wendig, schnell, brauchen wenig Platz und haben etwas freundliches.“ Etwa zehn Jahre spukte die Idee in ihren Köpfen, drei Jahre lang dauerte dann die Entwicklung und Erprobung eines Prototypen, der auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf seine Weltpremiere erleben soll.

Da kommt man sich schnell näher
2,35 Meter lang und 1,35 Meter breit ist die Liegefläche im Baboo One groß. Bild von Urbanoid, Personen mit KI bearbeitet.
Da kommt man sich schnell näher
2,35 Meter lang und 1,35 Meter breit ist die Liegefläche im Baboo One groß. Bild von Urbanoid, Personen mit KI bearbeitet.

Einige Patente stecken in dem Baboo One, der das Konzept des in der DDR produzierten Faltcaravans „Klappfix“, der sogar von einem Trabbi an die Ostsee gezogen werden konnte. Ähnlich wie bei dem historischen Modell (die Produktion wurde 1990 eingestellt) wird auch bei dem Nachfolger bei der Ankunft am Ziel das feste Oberteil über die Deichsel nach vorne geklappt, so dass ein feste (aber dank Matratze nicht harte) Liegefläche von 2,35 Metern Länge für zwei Personen entsteht. Eine patentierte Höhennivellierung sorgt dafür, dass das Paar während der Nacht nicht in Schieflage gerät.

Zeltdach wird elektrisch aufgeblasen

Das Dach über dem Schlafabteil und der davor liegenden Sitzgruppe mit Tisch wird anschließend von einem elektrisch angetriebenen Gebläse in zwei Minuten aufgepumpt. Und schon kann das Quartier bezogen werden. Für das Bettzeug, die Kleidung und die Wertsachen gibt es große Staufächer. Sogar ein 45 Liter fassender Wassertank mit Pumpe und Duschkopf sowie eine mobile Stromversorgung (über einen 245 Wattstunden großen Akku) sind vorhanden. Wem das Raumangebot nicht reichen sollte, kann ab Jahreswechsel ein ebenfalls aufblasbares Vorzelt ordern, das die Wohnfläche dann auf 6,5 Quadratmeter vergrößert.

Preisgekröntes Designstück
Auf der Deichsel des Klappcaravans können Fahrräder oder auch eine Kochbox mitgeführt werden, der Body besteht aus GFK.

Zugegeben: Mit Luxus hat das nicht viel zu tun. Aber besser und komfortabler als in einem Zelt schlafe es sich in jedem Fall, versichert Entwickler Hoffmann. „Und mehr braucht es eigentlich nicht“, findet er – auf Reisen zu zweit.

Preise starten bei 15.900 Euro

Vor allem ist der Baboo One langlebiger als ein Zelt: Die Karosserie ist komplett aus GFK gefertigt. Und der Platzbedarf für die Lagerung im Winter kaum größer: Der Hänger kann mithilfe eines zusätzlichen Ständers hochkant in der Garage abgestellt werden. Produziert wird die Außenhaut von einem Spezialbetrieb in Polen, das Fahrwerk kommt aus Rumänien, das aufblasbare Ripstop-Außenzelt von einem Unternehmen aus Fernost, das mit aufblasbaren SUP-Bords für Stand-up-Paddler bereits große Erfahrungen hat. Lediglich die Innenausstattung und die Polsterung der Liegefläche sind „made in Germany“. Anders hätte der Baboo One nicht so günstig angeboten werden können: Der Einführungspreis beträgt 15.900 Euro.

Auch etwas Geduld brauchen Kaufinteressenten: In diesem Jahr werden voraussichtlich nur etwa zehn Baboos fertig. Für 2027 wird eine Produktion von rund 50 Exemplaren angepeilt. Im Camperland Holand hat das Gründer-Duo bereits einen Vertriebspartner gefunden, Anrufe von Interessenten sogar aus Australien, Tansania und den USA erhalten – es scheint, als hätte Urbanoid da wirklich eine Marktlücke gefunden.

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