11.600 Euro für zwei Fahrräder? Kaufsummen wie diese sind in diesem Sommer eher die Regel als die Ausnahme. Statt in Fernreisen oder Kreuzfahrten investieren die Deutschen ihre Ersparnisse lieber in ein Paar neue E-Bikes. Die Fahrräder, die mit einem Elektromotor für so etwas wie künstlichen Rückenwind sorgen. Das Geschäft mit den so genannten Pedelecs boomt wie noch nie. Selbst große Fahrradhändler haben inzwischen Probleme, sämtliche Wünsche zu bedienen, weil beispielsweise die Hersteller trotz einer Ausweitung der Produktion wichtige Komponenten in der benötigten Stückzahl zu bekommen.

Da greifen die Kaufinteressenten – der Sommer geht ja allmählich zu Ende – oft zu Fahrräder aus dem Lagerbeständen, die sich bei einer kurzen Probefahrt auf dem Parkplatz als „passend“ erwiesen haben. Nach den ersten längeren Touren stellen sich dann aber Frust oder körperliche Beschwerden ein, weil die Bikes nicht das hielten, was die Käufer erhofften oder die bunten Prospekte der Fahrradhersteller versprachen.

Einige Unternehmen in Deutschland bieten deshalb inzwischen so genannten Fahrrad-Abos an: Statt einer kurzen Probefahrt können Interessenten E-Bikes zunächst mehrere Monate lang mieten und im Alltagsbetrieb testen, ehe ein Kaufvertrag unterschrieben wird. Ist ein vollgefedertes e-Mountainbike die richtige Wahl? Oder würde ein Trekking-Bike eigentlich nicht viel besser passen? Für kleine Monatsbeträge lassen sich solche Fragen während der Miete von hochwertigen Markenrädern relativ einfach klären. Teure Fehlkäufe werden so vermieden.

In Deutschland gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Unternehmen, die Fahrrad-Abos anbieten. Für einige Wochen bis zu einem Jahr. e-Ride heißt der Mietservice beim ADAC (das auch Roller einschließt). Unter den Namen Grover, Smafo, Dance oder Ride.e sind in den vergangenen Monaten noch andere andere Anbieter auf den Plan getreten. Das Münchner Startup Rebike Mobility hat das Geschäftsmodell schon im Herbst vergangenen Jahres entdeckt – und mit einem E-Bike-Verleih im Allgäu kombiniert: In Garmisch Partenkirchen und Oberstdorf können topaktuelle E-Bikes tageweise ausgeliehen und auf Touren in die Berge getestet werden.

Geprüft auf Herz und Nieren
Bevor die gebrauchten Fahrräder aus Verleih und Abogeschäft in den Internethandel gehen, werden sie im „Refurbishing-Lager in Kempten sorgfältig geprüft. Auf Motor und Akku gibt es eine Garantie von zwei Jahren. Foto: Rebike

„Wir haben damit offenbar einen Nerv getroffen“, erzählt Sven Erger, einer der beiden Unternehmensgründer. Trotz Corona habe dieser Geschäftszweig in diesem Jahr so richtig Fahrt aufgenommen – neben dem Handel mit gebrauchten Marken-Elektrorädern. Nicht wenige Urlauber würden das Test-Bike nach der Probefahrt kaufen und ins Auto packen oder sich nach Hause nachschicken lassen. Die übrigen Räder werden nach einigen Wochen Testbetrieb generalüberholt und mit Preisnachlässen von bis zu 20 Prozent über das Internet zum Kauf angeboten – so bleibt der Bestand frisch. Auch die Modelle aus dem eBike-Abo landen hier.

Während die Kurzzeit-Miete derzeit nur in den Alpen angeboten wird, sind die E-Bikes im Monats-Abo bundesweit und seit kurzem auch in Österreiche erhältlich. Zu Preisen ab 99 Euro. Service und Wartung, Versicherung und ein solides Schloss sind inklusive. Rund 2000 Fahrräder haben Erger und sein Kompagnon Thomas Bernik inzwischen im Bestand. Damit sind sie für viele Fahrradhersteller ein interessanter Vertriebspartner. Bernik: „Die Hersteller finden es super.“ Kein Wunder, ergänzt Erger: „Mit Verleih, Abo und dem Verkauf von Gebrauchträdern haben wir so etwas wie einen Kreislauf geschaffen für alle Bedürfnisse des Markes.“

Sortiment wächst ständig

Ursprünglich boten sie über Re-Bike auch den Ankauf gebrauchter E-Bikes aus Privathand an. Doch von der Idee haben sich die beiden Gründer schnell wieder verabschiedet: Der Aufwand für die Wiederaufbereitung der Fahrräder und den Transport in die Firmenzentrale war zu groß.

Insgesamt 40 Mitarbeiter sind mittlerweile für das Unternehmen tätig, das nach eigenen Angaben über alle Geschäftsfelder hinweg bereits Umsätze in einer Größenordnung von sieben Millionen Euro erzielt.

Nachschubprobleme haben sie im Unterschied zu manchen Fachhändlern keine. Im Gegenteil: Das Angebot wächst. Mit Merida haben die beiden Gründer ihr Sortiment von Fahrrädern, die sie im Abo anbieten, kürzlich um eine weitere interessante Marke ergänzen können. Neben Bikes von Haibike und Flyer, Corratec und Orbea, Ghost, Hercules und Lapierre. Teuerstes Bike im Angebot ist derzeit ein „Fully“-Mountainbike vom Merida eONE-SIXTY 5000 E-Bike. Im Handel wird dieses zu Preisen von knapp 5400 Euro angeboten, im Abo kostet es 229 Euro bei einer Mietdauer von drei Monaten. Das ist nicht billig. Aber: Gefällt es nicht, kann es während der Mietzeit kostenlos gegen ein anderes Fahrrad ausgetauscht werden. „Passt“ es hingegen und möchte man es nach Ablauf des Abos übernehmen, macht Rebike „ein interessantes“ Kaufangebot.

Erst testen, dann kaufen – so wird das Risiko einer Fehlinvestition klein gehalten.

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