Das ist auch unser Ideal. Und das wird auch kommen. Darüber hinaus müssen wir aber aufpassen, dass wir beim Betrieb und bei den Preis-modellen der Ladesäulen jetzt keine falschen Weichen stellen. Das gilt vor allem für die Idee, an jede Ladesäule einen Einheitspreis zu schreiben und mit einem Kreditkartenleser auszustatten.

Das ist doch eine gute Idee.

Beim Smartphone sehen wir, dass es bessere Modelle gibt. Dort werden alle Verbindungen über einen Vertrag geregelt, den ich mir je nach Bedarf raussuche. Der eine nutzt das Smartphone nur selten und nimmt deshalb einen günstigen Tarif mit wenig Datenvolumen. Der andere ist Heavy-User, für den lohnt sich der Tarif mit großem Volumen. Beim öffentlichen Laden von Elektroautos läuft es bislang anders: Da arbeiten wir mit Dutzenden von Einzelpreisen, Ladekarten und Vertragspartnern.

Je nach Ladesituation und Fahrprofil pickt man sich dann das günstige Angebot heraus. Dagegen ist doch prinzipiell nichts einzuwenden – ich binde mich ja auch als Besitzer eines Verbrenners nicht an nur eine Mineralölgesellschaft, sondern tanke dort, wo Benzin und Diesel entlang der Strecke aktuell am billigsten sind.   

Nach meiner Erfahrung machen das die allerwenigsten. Und selbst wenn: Sobald die erste Tankstelle in der Umgebung den Preis erhöht, ziehen ein paar Minuten später die anderen Tankstellen nach. Ich finde es immer etwas irritierend, wenn ausgerechnet der Spritpreis als Vorbild für das Laden herangezogen wird. Dieses System steht doch schon seit Jahrzehnten in der Kritik. Mit dem Wechsel aufs E-Auto haben wir jetzt die Möglichkeit, ein neues, besseres Preismodell zu etablieren. ‘The Beauty of Charging is the Power of Choice‘, sage ich dazu immer in meinen Vorträgen.

The Beauty of Charging…
..ist die Möglichkeit auszuwählen, wo und wie man sein Elektroauto lädt: Daheim an der Wallbox oder unterwegs am Schnelllader – wo immer es gerade passt. Bild: Franziska Gilli

Und meinen was damit?    

Dass wir den Wettbewerb befeuern müssen statt ihn auszubremsen. Bei den Telefontarifen herrscht ein intensiver Wettbewerb, wovon am Ende die Kunden profitieren. Genau den gleichen Wettbewerb braucht es auch zwischen den Ladekarten-Anbietern.

Die statt aus Tankstellen aus Stadtwerken bestehen? In Köln gibt es Strom fast nur von RheinEnergie, hier in Wolfsburg von der LSW.

Genau. Wir haben die einmalige und historische Chance, neue Modelle zu etablieren. ‚Fasse Dich kurz‘ stand früher in den Telefonzellen, das Gespräch wurde nach Minuten abgerechnet. Seitdem ist ein ungeheures Spektrum an Angeboten entstanden. Was ein Telefonat kostet, muss heute niemand mehr wissen, weil die meisten eine Flatrate haben. 

Autostrom auf Flatrate – ist das Ihre Vision?

Es ist zumindest eine denkbare Entwicklung. Wenn wir jetzt jede Ladesäule mit Kreditkartenlesern ausrüsten, dann fördern wir nur Monopole und Oligopole. Auf attraktive Angebote darf man dann nicht mehr hoffen. Ich bin für mehr Wettbewerb und Kreativität.

Aber die Strompreise sind schon eine wichtige Größe. Ich besitze keine Ladekarte von We Charge, müsste also an dieser Ladestation 79 Cent pro Kilowattstunde zahlen.

Mit We Charge sind es aktuell nur 29 Cent.

Bei einer monatlichen Grundgebühr von 9,99 Euro – und auch nur, wenn ich einen ID.3 kaufe.

(Lacht) Das können wir einrichten.

Danke, vielleicht später einmal. Lassen Sie uns erst einmal bei den Stromverträgen bleiben: Die Autohersteller wollen Fahrern von Elektroautos Abomodelle schmackhaft machen?

Was sagt Martin Roemheld dazu? Das erfahren Sie im dritten Teil des Interviews.

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