Twike 5 ist eine Neuentwicklung
Knapp acht Jahre später zeigt Martin Möscheid auf ein schwarzes Gefährt, das aussieht wie eine verwegene Mischung aus Batmobil, Stabilbaukasten und E-Bike. Der sogenannte Fahrerprobungsträger des Twike 5 ist fahrbereit, hat aber keine Karosserie, lediglich eine Frontscheibe schützt die Insassen. Neben letzten Feinarbeiten an der künftigen Position von Außenspiegel oder Sitzschale diene das Modell vor allem zum Testen, sagt Martin Möscheid.

Eine verwegene Mischung aus Batmobil, Stabilbaukasten und E-Bike: Martin Möscheid fährt den Fahrerprobungsträger des Twike 5.
„Da gibt es gewisse Fahrmanöver, die noch abgesichert werden müssen, um das Miteinander abzustimmen, in welcher Art und Weise das Drehmoment abgerufen wird. Wir haben immer noch die Wippe von damals, die hat jetzt Soft-Touch. Wenn man die betätigt, ist die Anforderung zum Beispiel, bei 50 Prozent des Hubs dieser Wippe sollen nur 25 Prozent des Drehmoments abgerufen werden. Erst auf den letzten 50 Prozent geht das dann hoch bis auf die 100 Prozent. So kann man mit hoher Sensibilität zum Beispiel über eine Bordsteinkante fahren.“
Mit ungeübtem Blick ist kaum zu erkennen, wie viele sorgsam erdachte Details in dem Modell stecken. Dabei sind sie durch die fehlende Außenhülle gut zu sehen – wenn man weiß, worauf man achten muss.
Zwei Lenkhebel als „Zügel“
Da wäre zunächst die gegenläufig funktionierende Lenkung: Zwei miteinander verbundene Lenkhebel steuern mechanisch die lenkende Vorderachse, ähnlich den Zügeln bei einer Pferdekutsche. Vorn befindet sich jetzt ein Pkw-Rad an einer Doppel-Längslenker-Schwinge. Den Antrieb des Leichtfahrzeugs der EU-Klasse L5e (für Geschwindigkeiten über 45 km/h) leistet ein 150 Kilowatt starker Synchronmotor mit 290 Newtonmeter Drehmoment unter dem Kofferraumboden. Zusätzlich können die Insassen per Pedale bis zu 15 Prozent Leistung liefern.
Die Software auf den Farbbildschirmen auf der Fahrerseite ist noch wenig funktional, aber die Rückfahrkamera zeigt schon mal ein Bild, auch die Geschwindigkeit und Fahrstufe sind erkennbar. Die motorisierten Fensterheber der finalen Version fehlen – ebenso wie die Fenster. Die Akkus werden sich hingegen auch später unsichtbar im Boden befinden. Sie verbessern durch ihr Gewicht den Gesamtschwerpunkt und damit die Straßenlage.

Der Fahrer lenkt das Twike mit zwei Steuerknüppeln – ähnlich wie früher der Kutscher die Pferde. Den Antrieb leistet ein 150 Kilowatt starker Synchronmotor mit 290 Newtonmeter Drehmoment. Per Pedale können die Insassen bis zu 15 Prozent Zusatzleistung liefern.
Und die ist extrem gut, wie wir bei einer kurzen Ausfahrt mit Martin Möscheid herausfinden. Zuvor hatten wir die gleiche Tour schon einmal mit einem Twike 3 zurückgelegt, um einen Maßstab zum Vergleich zu haben.
Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h
Twikefahren macht schon im 3er-Modell Spaß, aber als Martin Möscheid den Stromknopf des Joystick-Steuerknüppels unter seinem Zeigefinger durchdrückt, wird der Abstand zum 4er sehr schnell klar – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Modell schießt in Sekundenbruchteilen nach vorn, und der Tacho zeigt nach nur wenigen Metern 100 km/h an. „Wir sind auch hier in so einen Bereich reingerutscht, der regelrecht ins Unsinnige geht“, sagt Martin Möscheid. „So viel Beschleunigung braucht kein Mensch. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 190.“
Dass uns dabei nicht angst und bange wird, liegt auch daran, dass die Rosenthaler an der Balance gearbeitet haben. Das Twike hat kaum Seitenneigung, es liegt selbst bei extremen Manövern stabil auf der Straße, die in unserem Fall ein asphaltierter Feldweg mit engen Kurven ist. Die dickeren Reifen bieten mehr Federung als beim alten Modell. Überhaupt wirkt das neue Twike so viel mehr wie ein autoähnliches Gefährt als die Versionen davor.

Das Heck des Fahrerprobungsträgers, in dem sich die Batterie befindet. Die Lithium-Ionen-Batterien haben Speicherkapazitäten von 18 oder 36 kWh. Damit sollen Reichweiten von 250 und 500 Kilometer möglich sein. Mit Trittunterstützung auch mehr.
Auf richtige Straßen darf das Mobil noch nicht, erst der Prototyp wird dafür zugelassen sein. Den dürfen in voraussichtlich einem halben Jahr auch die Kunden von Twike vor Ort antesten. Allerdings fehlt noch die EU-Homologation. Das bedeutet etwas Papierkrieg, dem Martin Möscheid gelassen entgegensieht.
Einen TÜV braucht es später auch, alle zwei Jahre sollte das Twike überprüft werden. Am liebsten wäre es den Rosenthalern, wenn die Twiker bei ihnen direkt vorbeikämen – so hätten sie gleich einen guten Eindruck davon, wie sich das Gefährt über die Zeit verhält.
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