Es gibt mittlerweile Zuschüsse zum Kauf eines Elektroautos von bis zu 10.000 Euro, auch die Anschaffung einer privaten Wallbox wird inzwischen gefördert. Das Modellangebot wächst ebenso wie die Ladeinfrastruktur. Trotzdem fremdelt die Mehrheit der Deutschen immer noch mit dem Elektroantrieb: 59 Prozent können sich die Anschaffung eines Stromers zumindest in naher Zukunft nicht vorstellen, ergab eine Umfrage, die das Sozialforschungsinstitut Infas zum Jahreswechsel für die Continental-Mobilitätsstudie durchführte.

Befragt wurden dazu mehrere Tausend Menschen in Deutschland, aber auch in Frankreich, Japan, China und den USA. In China ist demnach die Akzeptanz des Elektroautos am höchsten: Rund 85 Prozent können sich hier vorstellen, ein E-Mobil zu erwerben. Auch in den USA gibt es durchaus noch Vorbehalte gegen die Technologie. Trotzdem stehen Elektroautos hier laut Umfrage bei über 40 Prozent der Menschen – in den Großstädten, so steht zu vermuten – auf der Einkaufsliste.

In Deutschland, Frankreich und Japan hingegen haben die Skeptiker noch die Oberhand. Ihre Zurückhaltung erklärt sich aus ganz unterschiedlichen Gründen, wie die Studie zeigt. In Deutschland ist die Reichweitenangst – die Sorge mit leerem Akku auf einsamer Straße liegen zu bleiben – am stärksten ausgeprägt: 61 Prozent der Befragten beklagten einen Mangel an öffentlichen Lademöglichkeiten, 57 eine angeblich eingeschränkte Reichweite von Elektroautos. Allerdings führten hierzulande nur noch 46 Prozent die hohen Fahrzeugpreise ins Feld – Umweltbonus und Innovationsprämie scheinen inzwischen in den Köpfen der Menschen präsent zu sein.

In Frankreich sind die Fördermaßnahmen für Elektroautos zum Jahreswechsel ausgelaufen. Dort beklagen prompt wieder 55 Prozent zu hohe Fahrzeugpreise. Interessanterweise aber spielt die Reichweite der Fahrzeuge hier offenbar keine große Rolle: Nur 28 Prozent der Befragten sehen darin ein Handicap. Kritisiert wurde gleichwohl in allen Ländern von etwa der Hälfte der Befragten, dass auf längeren Strecken Ladepausen notwendig sind und die Fahrten sorgfältig geplant sein wollen.

Gegen das Elektroauto wurden darüber hinaus von den E-Skeptikern noch andere Argumente ins Feld geführt. So gab in Deutschland ein Drittel der Befragten an, dass sie an der Umweltfreundlichkeit des Elektroantriebs generell zweifeln. In Frankreich wurde dieses Argument von immerhin noch 25 Prozent der Befragten angeführt. Ganz anders als in USA und Japan: In den Vereinigten Staaten führten Umweltaspekte nur elf Prozent, in Japan nur ein Prozent der Befragten als Argument gegen das Elektroauto an.

Infas führt die internationalen Befragungen für die Continal-Mobilitätsstudie bereits seit 2011 durch, die aktuelle ist die bereits sechste Auflage. Interessant sind die Veränderungen in den Einstellungen der Menschen über die Jahre hinweg. So ist in den USA die Zahl der Menschen, die sich die Anschaffung eines Elektroautos vorstellen können, in den zurückliegenden zehn Jahren um 28 Prozent, in China um 27 Prozent gestiegen. Auch in Deutschland ist die Akzeptanz deutlich – nämlich um 18 Prozentpunkte – gestiegen. Nur geringe Veränderungen gab es hingegen in Frankreich (plus drei Prozentpunkte) und Japan (plus ein Prozentpunkt).

Für Helmut Matschi, im Vorstand von Continental zuständig für die Bereiche Vehicle Networking und Information, zeigen die Studienergebnisse, dass der Autozulieferer mit seinem Angebot für die Elektromobilität – Leichtlaufreifen, Hochvolt-Antriebe und Energie-Management-Systeme – „auf die richtige Zukunftskarte setzt.“ Allerdings sieht er auch die Notwendigkeit, die Vorbehalte vieler Menschen gegen die neue Antriebstechnik ernst zu nehmen und weiter zu entkräften. Nur dann könne die Technik den breiten Durchbruch am Markt schaffen.

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