Der Witz ist: Wir passen da locker rein. Der Herr Redakteur mit seinen 1,94 Metern Körpergröße hat jedenfalls keinerlei Probleme, sich in der ersten Reihe des gerade mal 3,63 Meter langen Fiat 500 bequem einzusortieren. Wunderbar, das Lenkrad lässt sich in alle Richtungen erstaunlich weit verstellen. Alles bequem. Hinter uns wird es natürlich verdammt eng, aber das muss uns jetzt nicht interessieren. Es reduziert definitiv die Gefahr, falsche Leute mitnehmen zu müssen, um mindestens 200 Prozent. Mal ganz abgesehen davon, dass die hier verlangte Gelenkigkeit für das Entern der Rückbank ohnehin nur ein Fall für jugendliche Artisten ist. Überhaupt: Man kann da hinten sitzen, aber nicht unbedingt so lange.

Und dieser minimale Kofferraum des kugligen 500er, dessen Fassungsvermögen die Italiener offiziell mit schlanken 183 Litern angeben (bei umgelegten Rücksitzlehnen werden es immerhin 440 Liter) schärft unsere Überlegungen am Problem, vor jeder Reise zwischen lebens- und überlebenswichtigen Gepäck zu unterscheiden. Das Kleinste ist hier seine Öffnung, und wir können schwören: Was man hier durchbringt, das findet auch Platz drinnen. Reicht locker für einen netten Kurzurlaub. Versprochen. Der doppelte Ladeboden ist inklusive, und zum Schließen der Heckklappe muss eine kleine, etwas billige Stofflasche herhalten. Ja, ein Kritikpunkt. Aber: Dafür gibt es richtige, sehr solide Türgriffe. Ein Pluspunkt.

Und im Cockpit geht es durchaus zeitgemäß zu. In der von uns bewegten Top-Ausstattung „La Prima“ sorgt mittig ein großes 10,25-Zoll-Infotainmentsystem mit kabellosen Apple CarPlay und Android Auto für Komfort und Konnektivität. Ist von uns mit seinen eingängigen Icons nach wenigen Kilometern easy und intuitiv zu bedienen. Zumal sich eine Etage tiefer für Klimatisierung und ähnliches noch diverse praktikable Direktwahltasten finden. Der unterwegs immer wichtige Radiolautstärke-Regler? Wartet griffgünstig in der Mittelkonsole. Es gibt es außerdem ein automatisches Fernlicht, eine gestochen scharfe HD-Rückfahrkamera und selbstverständlich die gängigen Assistenzsysteme.

Cabrio-Version, aber besser kein Glasdach

Das große Glasdach können wir allerdings nicht empfehlen. Leute, Finger weg davon. Macht zwar optisch was her, bringt auch hübsch Licht in den Innenraum, aber nervt total bei voller Sonne von oben. Denn die verschiebbare Kunststoffgardine da oben hält sommerliche Hitze kaum ab. Also aus der Orderliste streichen oder besser gleich zur wirklich flotten Cabrio-Version des 500er (ab 22.990 Euro) greifen, die nicht nur viel frische Luft, sondern bei Bedarf auch die volle Deckung garantiert.

Das schick zweifarbige Lenkrad indes offeriert generell sinnige Tasten, also die für die Ansichten des Bordcomputers, fürs Telefon, die Sprachsteuerung und die Tempomat-Einstellungen. Noch was Positives? Ja, das Handschuhfach (dickes Lob) hat ein erstaunliches XXL-Format. Und unterm Cockpit gibt es eine passende Smartphone-Ablage (mit induktivem Ladedings), fein geschmückt mit einem Bildchen der Skyline von Turin. Was den Italienern beim Sambuca eben so einfällt. Und an dieser Stelle sollte auch unbedingt das historische Abbild eines Fiat 500 in der Türgriffmulde erwähnt werden.

Startpreis von knapp 25.000 Euro

Okay, der Einstiegspreis steigt mit der von uns bewegten La Prima-Version von 19.990 Euro (Basismodell Icon) auf stramme 24.990 Euro. Dabei ist diese Außenfarbe Ocean Green, die unseren Testwagen je nach Lichteinfall zwischen zwischen Grün und Blau changieren lässt, ne ziemlich coole Nummer. Obwohl sie 700 Euro extra kostet. Auch die krassen 17 Zoll großen Leichtmetallräder hauen optisch voll rein. Nachts freuen wir uns über das helle Voll-LED-Licht der rundlichen Frontscheinwerfer, an schattigen Tagen über das erwähnte Glasdach. Dazu dieser knackige Heckspoiler, der hinten stilvoll für einen sportlichen Abgang sorgt. Und vorn gibt es hier richtige Lufteinlässe, die dem kleinen Verbrenner (dazu kommen wir noch) die benötigte Frischluft bringen.

Fahrerisch gibt uns dieser kleine, in unserem Fall zweitürige Fronttriebler, den es, historisch gesehen, schon seit 1957 (Fiat Nuova 500 mit 13 PS!) gibt, keine Rätsel auf. Er reagiert so unaufdringlich wie ein sportlich ausgefeilter Großer. Handlich wie ein Tennisschläger, seine Lenkung gibt in scharfen Kurven eine hübsche Rückmeldung. Man weiß immer, wo die Vorderräder gerade hinwollen. Gutes Fahrer-Technik-Einvernehmen. Jenseits der 140 nimmt man jedoch keine Hand mehr vom Lenkrad des Kurzen, denn Autobahn-Spurrillen und Seitenwind verlangen erhöhte Aufmerksamkeit. Ach ja, dieses manuelle, fein präzise sechsstufige Getriebe flutscht nur so durch die Gänge. Und mit einem Wendekreis von nur 9,7 Metern ist der Italiener das ideale Stadtauto.

Hybridantrieb ohne Stecker

So, jetzt aber zum Mildhybrid-Antrieb des lieben Kleinen, dessen Firefly-Motor mit drei Zylindern und einem Liter Hubraum arbeitet. Das System kombiniert den Benziner mit einem kleinen Elektromotor, einem Riemen-Starter-Generator (RSG) mit bis zu 3,6 kW. Gespeist aus einer zusätzlichen 12-Volt-Lithium-Ionen-Batterie mit der Kapazität von 11 Ah, die sich unter dem Fahrersitz versteckt. Dank schlauer Energierückgewinnung lädt sich diese Batterie beim Dahinrollen oder Bremsen fix wieder auf, das können wir im Fahrerdisplay ständig beobachten.

Das Ganze summiert sich zu gerade mal 48 kW, also 65 PS. Peinlich wenig? Nö, denn das Autochen wiegt ja nur gut 1000 Kilo, und damit ist man im Stadtverkehr, wir haben es in Berlin oft genug getestet, wirklich kein Verkehrshindernis. Denn hier boostet beim Anfahren und Beschleunigen eben die kleine Elektrohilfe. Und dabei klingt der Kleine so herzallerliebst knurrig wie ein warnender Cocker Spaniel. Von Null auf Hundert geht es in 16,2 Sekunden. Ach ja, die Höchstgeschwindigkeit? Immerhin 155 km/h.

Reichweiten von bis zu 800 Kilometer

Nur böse lange Steigungen, wie sie doch hierzulande in Bayern oder so gern des öfteren vorkommen, mag dieser 500er nicht so gern. Da sinkt seine Spitze, und da können Sie schalten wie sie wollen, mal schnell auf peinliches Tempo 80, was dann unsere direkten Hinterleute stets ein wenig irritiert hat. Bergab haben wir ihnen dann natürlich die Hacken gezeigt.

So, der Verbrauch soll laut offizieller Werksangabe zwischen 5,2 und 5,3 Litern Superbenzin pro 100 Kilometer liegen. Bei uns waren es im Testschnitt lediglich so zwischen 5,3 und 5,6 Liter. Auf diversen Autobahnabschnitten, bei vielen spätsommerlichen Staueinlagen und Tempi zwischen 100 und 125 km/h, konnten wir sogar locker die Fünf-Liter-Marke unterbieten. Und weil der Tank des Kleinen immerhin 37 Liter fasst, ergibt sich bei gesitteter Fahrweise eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern. Ganz nebenbei: Das Top-Plus-Paket (500 Euro) bringt neben verchromten Einstiegsleisten auch das wohlklingende JBL-Premium-Audiosystem an Bord.

Italiener voller Leichtigkeit

Wie es sich für einen richtigen Italiener gehört, wird der 500er im traditionsreichen Turiner Werk Miafiori gebaut. Und wer ihn kauft, der tut nebenbei sogar was biologisch Gutes, denn Fiat will für jeden abgesetzten 500er Hybrid irgendwo fünf Bäume pflanzen. Summa summarum: Ein Italiener voller Leichtigkeit und Frohsinn, ideal für die City – aber auch durchaus tauglich für längere Touren.

Alles in allem ist der Fiat 500 Hybrid ein Auto, das zu gefallen versteht. Das zeigen auch die aktuellen Verkaufszahlen: Seit Jahresbeginn konnte Fiat von der Version des Cinquecento immerhin 3679 Exemplare an den Mann bzw. die Frau bringen. Noch populärer ist – bei den Benzinpreisen leicht verständlich – ist hierzulande allerdings die E-Version: Vom 500e setzt die Stellantis-Tochter doppelt so viele Exemplare ab. Trotz eines Aufpreises in Höhe von 6000 Euro. Aber den übernimmt unter Umständen ja auch der Staat.

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