In Deutschland versuchen Startups wie Lilium aus Bayern und Volocopter, Flugtaxis alltagstauglich zu machen. Dank vieler, elektrisch angetriebener Propeller sollen die Senkrechtstarter leise genug sein, um über Städte zu surren und auf Hausdächer zu landen – und das völlig abgasfrei. Alles ganz patent und praktisch.

Matt Pearson ist das alles viel zu langweilig. Der gebürtige Südafrikaner will lieber mit den VTOLs (Vertical Take-Off and Landing), wie sie die Szene nennt, durch die Lüfte rasen. Nicht allein, sondern in einer Rennserie namens Airspeeder. Eine Art Formel E des Himmels. Auch weil er glaubt, die Technik des elektrischen Fliegens so schneller voranbringen zu können.

Jetzt konnte der in Australien lebende Gründer des Startups Alauda, es soll die Flieger für die Wettbewerbe bauen, einen wichtigen Erfolg verbuchen: Zwei namhafte Wagniskapitalgeber – Saltwater Capital and Jelix Ventures – sind bereit, eine laut dem britischen Magazin Autocar siebenstellige Summe in die Firma zu stecken. Andrea Gardiner, Mitgründer von Jelix, ist überzeugt: „Es gibt ganz klar weltweit einen Markt für Airspeeder and Alauda“. Und zudem sei Pearson ein erfolgreicher Unternehmer. Bisher haben schon die Deutsche Post-Tochter DHL und der Finanzdienstleister Equals das Projekt unterstützt.

Zuschauer an der Rennstrecke sind eher nicht erwünscht

Das Konzept der Rennserie erinnert an die Formel E. Hier wie dort treten technisch weitgehend ähnliche Maschinen gegeneinander an. Allerdings sollen bei Airspeeder erst einmal nur zwei Flieger um den Sieg kämpfen – aber das bereits noch Ende diesen Jahres. Falls es die Corona bedingten Beschränkungen, die auch in Australien gelten, nicht verzögern.

Bis zu 200 Kilometer pro Stunde schnell sollen die Flugzeuge werden. Lidar-Sensoren, die ähnlich wie Radar-Systeme funktionieren, und leistungsfähige Bilderkennungssysteme sollen Kollisionen vermeiden helfen, die in der Luft schnell tötlich enden. Aber auch das Gebiet eingrenzen, in denen die Flieger herumdüsen dürfen – damit nicht die Zuschauer gefährdet werden. In der Vergangenheit haben sich bei Flugschauen zum Teil verheerende Unfäll ereignet. Etwa 1988 auf dem US-Flugplatz Rammstein nahe Kaiserslautern, bei dem durch den Absturz dreier Maschinen 70 Menschen getötet und etwa 1000 verletzt wurden.

Wohl auch deshalb will Pearson die Zahl der Zuschauer am Flugfeld auf wenige handverlesene Gäste beschränken. Stattdessen will er die Rennen per Streaming-Dienste weltweit übertragen, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Und verspricht vollmundig, Airspeeder werde der „spannendste und fortschrittlichste Motorsport des Planeten“. Kurze Ladestopps und schnelle Zweikämpfe sollen für Abwechslung sorgen.

Viel Leistung, wenig Gewicht

Die neuste Flieger-Generation namens MK4 mit acht Propellern soll startklar sein und in der Wüste in der Nähe des Firmensitzes im australischen Adelaide seinen Jungfernflug mit Piloten an Bord absolvieren, sobald die Corona-Krise das zulasse. 2019 hat die Maschine bereits erste Flugtests erfolgreich absolviert, allerdings ferngesteuert vom Boden aus. Ein weiteres Entwicklungszentrum befindet sich in Großbritannien, wo die Techniker vor allem den Antrieb entwickeln.

Die Akkus der Flieger lassen sich tauschen und leisten laut Website „500 Kilowatt“, fast für eine Flugzeit von 15 Minuten genügen soll. Die vier Motoren leisten jeweils 24 kW, bei einem Gewicht der Maschine von 250 Kilogramm und einer Zuladung von 100 kg. Die durchschnittliche Flughöhe bei den Rennen soll nur vier Meter betragen – was ein spektakulärer Anblick zu werden verspricht.

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