Der Straßengüterverkehr ist sowohl in Deutschland als auch weltweit die zweitgrößte Quelle für CO₂-Emissionen im Verkehrssektor. Nach wie vor wird die Branche stark von klassischen Dieselmotoren dominiert. Ein besonders großer Anteil dieser Emissionen stammt dabei von schweren Fernverkehrs-Lkw, die extrem hohe Laufleistungen aufweisen und viel Energie verbrauchen. Eines ist klar: Ohne den konsequenten Umbau des Straßengüterverkehrs wird die Verkehrswende scheitern.

Dass dieser Umbau in der Praxis bereits hervorragend funktioniert, belegt nun eine aktuelle Erhebung des Freiburger Öko-Instituts. Im Winter 2025/2026 befragte es 60 Transportunternehmen, die als „Early Adopter“ schwere Batterie-Lkw schon seit mindestens einem Jahr im täglichen Einsatz haben.

Hohe Zufriedenheit trotz Infrastruktur-Hürden

Die Ergebnisse sind ein starkes Signal für die Branche:

  • Überwältigende Akzeptanz: 93 Prozent der befragten Pioniere sind mit dem Einsatz ihrer Elektro-Lkw „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“.
  • Überzeugende Vorteile: Gelobt werden insbesondere die hohe Zuverlässigkeit der Fahrzeuge, spürbare Kosteneinsparungen sowie der hohe Fahrkomfort. Letzterer zeichnet sich vor allem durch die Geräuscharmut aus und führt zu einer sehr hohen Fahrerakzeptanz. Die Reichweite wurde von den befragten Unternehmen als ausreichend bewertet.
  • Wenig Kritik: Lediglich vereinzelt äußerten die Speditionen Kritik aufgrund von technischen Störungen an einzelnen Fahrzeugen.
Verteilertruck Scania 25P BEV an der Ladesäule 
Der vollelektrische 18-Tonner aus Schweden kommt mit einer Ladung seiner Akkus unter winterlichen Bedingungen rund 250 Kilometer weit. Geladen wird das Batteriepaket am Schnelllader mit bis zu 180 kW. Im Alltagsbetrieb reicht das vielen Speditionen. Foto: Scania
Verteilertruck Scania 25P BEV an der Ladesäule
Der vollelektrische 18-Tonner aus Schweden kommt mit einer Ladung seiner Akkus unter winterlichen Bedingungen rund 250 Kilometer weit. Geladen wird das Batteriepaket am Schnelllader mit bis zu 180 kW. Im Alltagsbetrieb reicht das vielen Speditionen. Foto: Scania

Die größten Hemmschuhe, auch das kam bei der Studie heraus, liegen derzeit nicht beim Fahrzeug, sondern in der Ladeinfrastruktur. Beim Aufbau eigener Depot-Ladeparks gelten hohe Investitionskosten und die Erweiterung der Netzanschlüsse als die relevantesten Herausforderungen. Auch das öffentliche Ladenetz steht in der Kritik: Fehlender Platz für Lkw, mangelnde Verfügbarkeit und defekte Ladesäulen sowie fehlende Buchungs- und Reservierungsmöglichkeiten erschwerten den Alltag. Zudem werden hohe und intransparente Strompreise an öffentlichen Ladesäulen bemängelt.

Dennoch blicken die Logistiker äußerst optimistisch in die Zukunft. Geringe Stromkosten im Depot und vor allem die aktuelle Mautbefreiung für emissionsfreie Fahrzeuge gelten als die wichtigsten Treiber für zukünftige Kaufentscheidungen. Bemerkenswerte 93 Prozent der E-Lkw-Pioniere gehen davon aus, dass batterieelektrische Lkw bis zum Jahr 2030 in ihren eigenen Flotten zum großen Teil oder gar als absoluter Standard im Einsatz sein werden.

Reichweiten und Ladeleistungen steigen

Diese hohe Investitionsbereitschaft der Logistiker trifft auf einen Markt, der im Jahr 2026 so dynamisch ist wie nie zuvor. Nicht nur die Vorreiter Daimler Truck (mit dem eActros 600) und MAN (mit dem e-Truck) treiben die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs voran. Aber auch die europäische Konkurrenz hat massiv aufgerüstet:

DAF XG Electric 
Die Spedition Hellmold & Plank aus Gießen setzt die emissionsfreie Zugmaschine im Fernverkehr ein. Der 350 kW (480 PS) starke Antriebsstrang mit einem maximalen Drehmoment von 2.400 Nm wird von bis zu fünf Lithium-Eisenphosphat-Akkus versorgt, die modular am Fahrgestell montiert sind und Reichweiten von über 500 Kilometer ermöglichen. Foto: DAF Deutschland.
DAF XG Electric
Die Spedition Hellmold & Plank aus Gießen setzt die emissionsfreie Zugmaschine im Fernverkehr ein. Der 350 kW (480 PS) starke Antriebsstrang mit einem maximalen Drehmoment von 2.400 Nm wird von bis zu fünf Lithium-Eisenphosphat-Akkus versorgt, die modular am Fahrgestell montiert sind und Reichweiten von über 500 Kilometer ermöglichen. Foto: DAF Deutschland.
  • Volvo Trucks: Die Schweden haben erst Mitte Mai 2026 ihren neuen Antriebsfahrplan vorgestellt. Noch in diesem Jahr soll die nächste Generation batterieelektrischer Heavy-Duty-Lkw in Produktion gehen, für die Volvo beeindruckende Reichweiten von bis zu 700 Kilometern in Aussicht stellt.
  • Scania: Die Volkswagen-Tochter baut ihr Elektro-Portfolio ebenfalls stark aus. Für 2026 bringt Scania E-Lkw auf den Markt, die erstmals mit dem neuen Megawatt Charging System (MCS) ausgestattet sind. Die extrem hohen Ladeleistungen sollen Lkw-Batterien in der gesetzlich vorgeschriebenen 45-Minuten-Pause wieder für die nächste 4,5-Stunden-Schicht füllen. Scanias jüngste Generation verspricht zudem Reichweiten von bis zu 600 Kilometern.
  • DAF Trucks: Auch der niederländische Hersteller DAF mischt nun voll im Fernverkehrs-Segment mit. Mit den neu vorgestellten Modellen XG Electric und XG+ Electric bringen die Niederländer schwere Zugmaschinen auf die Straße, die dank modularer Batteriepakete auf Reichweiten von über 500 Kilometern kommen und innerhalb von 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden können.

All das zeigt: Die Zeit der Prototypen und vorsichtigen Tests von Elektro-Lkw im Straßengüterverkehr ist vorbei. Batterieelektrische schwere Nutzfahrzeuge haben sich im harten Logistikalltag bewährt. Nun ist die Politik am Zug, durch einen massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur und unbürokratische Netzanschlüsse den Weg für den flächendeckenden Durchbruch zu ebnen.

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