Vor ein paar Jahren war das Angebot an gebrauchten Elektroautos noch überschaubar. Inzwischen sieht das ganz anders aus. Viele Stromer kommen aus Leasingverträgen zurück und sind dann oft erst zwei bis vier Jahre alt. Gleichzeitig sind die Preise aufgrund der kurzen Innovationszyklen sowie des wachsenden Angebots an günstigen Einstiegsmodellen spürbar gefallen. Deshalb ist der Kauf eines gebrauchtes Elektroautos für viele Menschen attraktiver als früher. Trotzdem bleiben Fragen rund um Akku, Reichweite und Ladeleistung entscheidend. Wer sich vor dem Kauf etwas Zeit nimmt und die wichtigsten Punkte prüft, kann böse Überraschungen später deutlich besser vermeiden.
Lohnt der Kauf eines gebrauchten Elektroautos überhaupt?
Ob sich ein gebrauchtes Elektroauto rechnet, hängt nicht zuletzt vom eigenen Fahrprofil ab. Wer hauptsächlich in der Stadt unterwegs ist oder täglich nur kurze Strecken fährt, kommt oft schon mit einem Stromer zurecht, der eine kleinere Batterie mit einer Speicherkapazität um die 40 kWh an Bord hat und nur über eine Reichweite von 250 Kilometern verfügt. Auch als Zweitwagen für Familien kann ein solcher Gebrauchtwagen im Alltag sehr praktisch sein. Anders sieht es aus, wenn häufiger Autobahnfahrten anstehen oder lange Pendelstrecken der Alltag sind. Dann spielen Reichweite und Ladegeschwindigkeit eine deutlich größere Rolle.
Ein genauer Blick auf die laufenden Kosten bleibt ebenfalls wichtig. Die Wartung ist bei reinen Elektroautos in aller Regel günstiger aus als bei Fahrzeugen mit einem konventionellen Antrieb. Fahrzeuge, die bis zum 31. Dezember 2030 erstmals zugelassen werden, bleiben in Deutschland zudem bis zu zehn Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit, maximal jedoch bis Ende 2035. Allerdings können hohe Strompreise beim öffentlichen Schnellladen sowie die Kosten der Kfz-Versicherung Einsparungen bei den Betriebskosten teilweise kompensieren. Insbesondere dann, wenn keine Lademöglichkeit zu Hause besteht.
Akku prüfen und Batteriezertifikat verlangen
Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos dreht sich fast alles um die Batterie, das Herzstück des Elektroautos. Kein anderes Bauteil ist so wichtig für Reichweite, Alltag und Fahrzeugwert. Genau deshalb fragen heute viele Käufer gezielt nach einem Batteriezertifikat oder einem aktuellen Prüfbericht. Nur so lässt sich besser einschätzen, in welchem Gesundheitszustand sich die Batterie befindet.
Darüber Auskunft gibt der sogenannte SoH-Wert. Die Abkürzung steht für „State of Health“. Der Wert zeigt, wie viel Leistung der Akku im Vergleich zum Neuzustand noch hat. Liegt der SoH bei 90 Prozent, stehen also noch etwa 90 Prozent der ursprünglichen Kapazität zur Verfügung.

Fachwerkstätten der Hersteller können diese Daten direkt aus dem Fahrzeug auslesen. Noch besser sind die Prüfverfahren, die Sachverständigenorganisationen wie der TÜV, die DEKRA und der ADAC anbieten. Sie sammeln auch Daten im Fahrbetrieb und sind deshalb präziser. Käufer von gebrauchten Elektroautos sollten deshalb immer nach einem Batteriezertifikat, einem Werkstattprotokoll oder einem unabhängigen Test fragen.
Die gute Nachricht ist: Hochvolt-Akkus altern langsamer als noch vor Jahren befürchtet worden war. Die Richtwerte des ADAC helfen bei der Einschätzung. Nach etwa 50.000 Kilometern sollte die Batterie noch rund 92 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität haben. Bei ungefähr 100.000 Kilometern gelten etwa 88 Prozent noch als normal. Liegt der Wert deutlich darunter, lohnt sich ein genauerer Blick.
Auf einen Batteriecheck zu verzichten, kann später teuer werden. Ein neuer Akku kostet je nach Modell schnell mehrere tausend Euro, teilweise sogar einen fünfstelligen Betrag. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob noch eine Garantie auf die Batterie besteht. Viele Hersteller geben in aller Regel acht Jahre Garantie oder eine Laufleistung von 160.000 Kilometern. Die Bedingungen unterscheiden sich aber je nach Marke und Modell.
Reichweite, Ladeleistung und Ladealltag realistisch prüfen
Die Reichweite eines Elektroautos wird in der Werbung oft besser dargestellt als später im Alltag erzielt werden. Denn die Werte werden im Labor bei frühsommerlichen Temperaturen nach einem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren ermittelt, bei dem etwa längere Autobahnfahrten mit höheren Geschwindigkeiten nicht vorgesehen sind. Im Winter oder auf der Autobahn merkt man dann schnell, dass der Verbrauch deutlich steigt. Genau deshalb sollte man vor dem Kauf überlegen, wie das Auto wirklich genutzt wird. Auch das Laden zuhause oder unterwegs macht später einen großen Unterschied. Vor dem Kauf sollte man besonders auf diese Punkte achten:
- Reichweite im Alltag;
- Schnellladefunktion;
- Zustand der Batterie;
- Ladeanschluss – Typ 2 oder CHadeMo;
- Vorhandene Ladekabel;
- Wallbox zuhause;
- Möglichkeit, am Arbeitsplatz zu laden.
Wer zuhause laden kann, hat es im Alltag meistens deutlich einfacher. Ohne private Lademöglichkeit wird das Laden unterwegs oft schnell mühsam. Auch ein Blick auf Ladekabel und Anschlüsse lohnt sich. Daran erkennt man oft ziemlich gut, wie sorgfältig das Auto vorher behandelt wurde.
Kein Kauf ohne Probefahrt
Auch bei einem Elektroauto bleiben die klassischen Gebrauchtwagenregeln wichtig. Serviceheft, Rechnungen und frühere Reparaturen sollten sauber dokumentiert sein. Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Zahl der Vorbesitzer und die Haltedauer sowie mögliche Unfallschäden. Eine Probefahrt gehört ebenfalls unbedingt dazu.
Bei Elektroautos gebraucht kommen allerdings ein paar Besonderheiten hinzu. Weil viele Fahrzeuge stark über Rekuperation bremsen, um Energie zurückzugewinnen, werden die hydraulischen Bremsen oft seltener genutzt. Dadurch kann sich schneller Rost bilden. Käufer sollten deshalb Bremsscheiben und Bremsbeläge genau ansehen.
Auch Fahrwerk und Reifen verdienen Aufmerksamkeit. Das zusätzliche Batteriegewicht belastet manche Bauteile stärker als bei klassischen Verbrennern. Während der Probefahrt helfen schon kleine Dinge weiter. Ungewöhnliche Geräusche, ein unruhiges Fahrgefühl oder Probleme beim Laden können erste Hinweise auf anstehende Reparaturen sein.
Garantie, laufende Kosten und Kaufpreis richtig einordnen
Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos lohnt es sich also, nicht nur auf den Preis zu schauen. Auch Dinge wie Akkuzustand, Ladegeschwindigkeit oder Versicherung machen später im Alltag einen großen Unterschied. Manche Fahrzeuge haben noch mehrere Jahre Akkugarantie, andere nicht mehr. Deshalb sollte man die Unterlagen vorher genau prüfen und darauf achten:
- Akkugarantie: Kann später viel Geld sparen. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Hersteller.
- Ladeleistung: Wichtig für längere Strecken und schnelles Laden unterwegs.
- Versicherung: Elektroautos sind mintunter teurer in der Versicherung als Verbrenner.
- Batteriezustand: Beeinflusst Reichweite und Fahrzeugwert besonders stark.
Unterlagen, Übernahme und Heimfahrt organisieren
Bei der Übergabe sollten alle wichtigen Unterlagen zum Fahrzeug vollständig vorhanden sein. Dazu gehören Fahrzeugbrief, Serviceheft, Rechnungen und das Ladezubehör. Auch der Zulassungsstatus spielt eine wichtige Rolle, denn viele gebrauchte Elektroautos sind bereits abgemeldet.
Ist das Elektroauto bereits abgemeldet, sollten Käufer vor der Abholung klären, ob sie für die Heimfahrt ein Überführungskennzeichen benötigen. Gerade nach dem Kauf wird dieser Punkt oft vergessen.
Alles in allem kann ein gebrauchtes Elektroauto eine sehr gute Alternative zum klassischen Verbrenner sein. Wer sich vor dem Kauf gut informiert und die Technik ehrlich mit dem eigenen Fahrprofil vergleicht, kann langfristig eine Menge Geld sparen – fossile Kraftstoffe werden nicht mehr günstiger.