Der Beruf des Lokführers könnte schon bald der Vergangenheit angehören – und der mehrwöchige Streik der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) einer der letzten seiner Art gewesen sein. Denn die Deutsche Bahn beschleunigt nun ihr Programm zur Digitalisierung des Schienenverkehrs. Anlässlich des Mobilitätskongresses ITS für intelligente Transportsysteme in Hamburg nahm die Bahn jetzt in der Hansestadt die erste hochautomatisierte S-Bahn-Linie Deutschlands in Betrieb.

Ab sofort verkehren auf der 23 Kilometer langen Strecke zwischen dem Stadtteil Bergedorf und der Haltestelle Berliner Tor vier volldigitalisierte Züge. Anfahren, Beschleunigen, Bremsen und Halten erledigen die eigens für den automatischen Betrieb umgebauten Züge von selbst.

Viele Lokführer könnten arbeitslos werden

Bahnchef Richard Lutz kündigte bei der Jungfernfahrt am 11. Oktober an, die Technik in den kommenden Jahren schrittweise auf das gesamte S-Bahn-Netz Hamburgs auszudehnen. Und in den kommenden zehn Jahren soll ein Großteil der Züge und Strecken im Nah- und Fernverkehr so aufgerüstet werden, dass Lokführer dort überflüssig werden. Derzeit sind sie bei dem Modellversuch noch an Bord, um bei Störungen oder Unregelmäßigkeiten eingreifen zu können. 

Geisterzug durch Hamburg
Um eine S-Bahn vollautomatisch fahren lassen zu können, muss nicht nur der Zug digitalisiert werden. Auch Gleisnetz und Signalanlagen brauchen für den hochautomatisierten Verkehr Anpassungen. Grafik: Deutsche Bahn

Möglich machte die weitgehende Automatisierung des Betriebs das Zugsteuerungssystem „Automatic Train Operation“ (ATO) und das Europäische Zugsicherungssystem „European Train Control System“ (ETCS) – sowie die Digitalisierung der Signaltechnik und Züge. Die Kosten dafür in Höhe von rund 60 Millionen Euro teilte sich die Bahn mit Siemens Mobility und der Stadt Hamburg.

Mehr Züge zu deutlich niedrigeren Kosten

Das Projekt „Digitale S-Bahn Hamburg“ ist Teil des Großvorhabens „Digitale Schiene Deutschland“, von dem sich die Bahn bis 2030 deutlich geringere Betriebskosten verspricht – durch Einsparungen beim Personal und Energieverbrauch. Denn vollautomatisch gesteuert verbrauchen die Züge deutlich weniger Strom als handgesteuert. Zudem können auf einer volldigitalisieren Gleistrasse deutlich mehr Züge verkehren, da der Mindestzugfolgeabstand auf unter 90 Sekunden verkürzt werden kann. Davon soll auch die Pünktlichkeit der Züge profitieren.

„Wir machen den Bahnverkehr intelligenter. Züge fahren automatisiert den perfekten Fahrplan, auf die Sekunde genau und energieoptimiert“, sagt Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. „Damit unterstützen wir unseren Partner Deutsche Bahn bei seinem Ziel, das Zugfahren attraktiver zu machen und das Klima zu schonen. Denn mit unserer Technologie können unsere Kunden bis zu 30 Prozent mehr Fahrgäste transportieren, die Pünktlichkeit deutlich verbessern und mehr als 30 Prozent Energie sparen. 

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