Human Horizons bemüht sich, jegliche Vergleiche mit Tesla im Keim zu ersticken. Doch gerade der 123.000 Euro teure Luxus-SUV HiPhi X kann die Parallelen zum Tesla Model X kaum überspielen. Das liegt nicht nur an seinen Abmessungen, dem Modellnamen und der Fahrzeugklasse, in der das Elektroauto antritt. Dafür sorgt auch das Türkonzept, das beim Chinesen fast noch spektakulärer ist als bei seinem amerikanischen Konkurrenten.

Die mächtigen, elektrisch betriebenen „Falcon Wings“ genannten Flügeltüren hatten dem Tesla Model X beim Marktstart 2016 jede Menge Probleme bereitet und den Serienstart verzögert. Selbst Firmenchef Elon Musk musste später eingestehen, die Komplexität der nach oben öffnenden Fondeinstiege unterschätzt zu haben. Der HiPhi X geht noch einen Schritt weiter. Die gegenläufig elektrisch öffnenden Türen kennt man bereits vom sportlichen Limousinencoupé HiPhi Z. Doch beim neuen X öffnen sich nicht allein die Tore für die zweite Reihe entgegen der Fahrtrichtung. Es lässt sich noch jeweils eine Art Dachluke nach oben ausklappen.

Der Showeffekt ist groß, der praktische Nutzen allerdings für die meisten Menschen überschaubar. „So kann man viel einfacher einsteigen“, findet hingegen Mark Stanton, der Technikchef und Co-Gründer von Human Horizons. „Beispielsweise, wenn eine Frau mit Hut oder hohen Absätzen in den Fond möchte.“ Das könnte in der Tat den einen oder anderen Kunden überzeugen.

Spitzenleistung von 440 kW

Und die Chinesen haben viel vor mit ihrem Modell X, auch in Europa. Stanton: „Der HiPhi X ist das meistverkaufte Luxus-Elektroauto in China. Jetzt haben die europäischen Kunden die Gelegenheit herauszufinden, warum das Fahrzeug so einen phänomenalen Erfolg hat.“

Außer mit dem Türkonzept soll der HiPhi X auch mit seinem Antrieb punkten. Der Kunde hat bei dem 5,20 Meter langen SUV die Wahl zwischen Heck- und Allradantrieb, der entweder 220 kW (299 PS) oder 440 kW (598 PS) Leistung mobilisiert.

Der HiPhi X spurtet mit Allradantrieb und dank einem maximalen Drehmoment von 820 Newtonmeter in 3,9 Sekunden auf Tempo 100. Das ist schon einmal nicht schlecht. Abgeregelt wird der Vortrieb allerdings schon bei 205 km/h – dem Model X von Tesla mit Dual Motor geht erst bei Tempo 250 die Luft aus. Das Geräuschniveau ist im HiPhi auch dank des cW-Wertes von 0,27 sehr gering. Mit seinem 97 kWh großen Akkupaket sollen Reichweiten von 560 Kilometern drin sein – bei moderater Fahrweise, versteht sich, bei Verzicht auf Vollgassprints. In 20 Minuten soll danach am Schnelllader mit einer maximalen Ladeleistung von 100 kW Gleichstrom für weitere 200 Kilometer Fahrstrecke aufgenommen werden können. In der Disziplin wird der Chinese allerdings von seinem Konkurrenten aus Kalifornien (maximale Ladeleistung 250 kW) klar geschlagen.

Luxuriöse Einzelsitze und ein Kühlschrank

Die elektrischen Komfortsitze vorne wie hinten sind hingegen eine echte Schau. Mit solchen Stühlen waren bisher nur Konzeptstudien ausgestattet. Human Horizons hingegen hat die Komfortsessel der Zukunft in ein Serienmodell gebracht. Vor allem die Fondinsassen können diese aufgrund eines Radstands von 3,15 Metern voll und ganz genießen. Und nicht nur die: Zwischen den Ledersesseln gibt es auch einen kleinen Kühlschrank nebst Becherhalter. Wer lieber die Touchscreens in der Mitte zwischen den Fondsitzen nutzen will, kann dies ebenso tun wie der Fahrer, der die hinteren Sitzmöbel von vorne über den zentralen 16,9-Zoll-Bildschirm verstellen kann.

Vorne gibt es einen elektronischen Rückspiegel, ein 12,8 Zoll großes Head-Up-Display sowie einen 19,9 Zoll großen Bildschirm für den Beifahrer, auf dem dieser in Maximalauflösung Filme sehen oder im Web surfen kann. Denn der HiPhi X ist komplett vernetzt. Wem die vier Einzelsitze für Familienausflüge nicht reichen, der kann sich auch für eine Bestuhlung mit sechs Sitzen entscheiden. Für einen Basispreis von 109.000 Euro gibt es dann etwas weniger Business-Lounge-Atmosphäre im Fond. Und für den Kofferraum bleibt dann nur ein Volumen von 317 Litern. Hinzu kommen allerdings noch 29 Liter im „Frunk“ unter der Fronthaube.

Das Fahrwerk des knapp 2,7 Tonnen schweren HiPhi X ist komfortabel abgestimmt. Dafür sorgen elektronisch geregelte Dämpfer sowie eine Luftfederung, die sich über verschiedene Fahrprogramme an die persönlichen Vorlieben anpassen lässt. Die um bis zu fünf Grad einschlagenden Hinterräder der Allradlenkung sorgen dafür, dass der Koloss auch im Stadtverkehr seine Handlichkeit nicht verliert: Mit einem Wendekreis von 11,6 Metern schlagt er das Model X von Tesla (13 Meter) deutlich.

(Mit Ergänzungen von Franz Rother)

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