Honda wagt den großen Schritt: Ende 2025 startet der weltgrößte Motorradhersteller die Serienproduktion seines ersten „echten“ Performance-Motorrads mit Elektroantrieb. Das neue Modell hört auf den Namen Honda WN7 und soll ab Anfang 2026 auch in Europa erhältlich sein. Die Japaner wollen damit zeigen, dass Elektromobilität nicht nur auf zwei Rädern funktioniert, sondern auch emotional begeistern kann – etwas, das Harley-Davidson mit seiner Submarke LiveWire oder Marken wie Zero, Can-Am und Energica bislang nur in geringem Maße gelungen ist. Weil angeblich der „Sound“ fehlt, die Reichweite als zu gering erscheint – und die E-Motorräder schlicht zu teuer sind.
Vertrautes Design, neue Technik
Schon 2024 zeigte Honda auf der Motorradmesse Eicma in Mailand den Prototypen seiner neuen Elektro-Maschine – damals noch unter dem Namen „EV Fun Concept“. Jetzt steht fest: Die Serienversion mit dem Namen WN7 (das W steht für „Wind“, das N für „Naked“ und die 7 für die Leistungsklasse) bleibt dem schlanken Naked-Bike-Stil treu. Es erinnert an die bekannten Hornet-Modelle, hebt sich aber durch die übereinander angeordneten Scheinwerfer ab. Honda will mit dem konventionellen Design bewusst Vertrauen schaffen – ein wenig futuristisch, aber nicht zu weit weg von der gewohnten Motorrad-Ästhetik.

Der Lithium-Ionen-Akku der Elektro-Honda sitzt unter der Tank-Attrappe, der Ladestutzen dort, wo bei konventionell angetriebenen Motorräder der Tankstutzen sitzt. In einer halben Stunde soll sich der Ladestand des Akkus von 20 auf 80 Prozent anheben lassen.
Unter dem kantigen Tankgehäuse der WN7 sitzt eine fest eingebaute Lithium-Ionen-Batterie, die mindestens 130 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Die Speicherkapazität des Akkus bleibt vorerst noch geheim, dafür überzeugt die Ladeflexibilität: Dank CCS2-Anschluss lässt sich der Ladestand des Akkus an DC-Schnellladern in rund 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent anheben. An der heimischen AC-Wallbox dauert eine Vollladung weniger als drei Stunden. Die Werte sind nicht rekordverdächtig, aber durchaus alltagstauglich.
Zwei Leistungsvarianten – und ordentlich Punch
Honda bietet die WN7 in zwei Leistungsstufen an:
- 11 kW (15 PS) für die A1-Führerscheinklasse und B196-Aufsteiger,
- 18 kW (24 PS) für Besitzer eines Führerscheins der A2-Klasse.
Kurzfristig kann das Naked-Bike sogar 50 kW (68 PS) abrufen. Kombiniert mit einem Gewicht von 217 Kilo und 100 Nm Drehmoment verspricht das Fahrleistungen, die an eine 600er-Verbrenner erinnern – mit Durchzug wie eine 1000er.
Qualität nach Honda-Maßstäben
Getestet wurde die WN7 auch auf europäischen Straßen. Honda betont, dass das E-Bike ein „leises, sanftes, vibrationsfreies und emissionsfreies Fahrgefühl“ liefern soll – und dabei denselben Qualitätsmaßstäben folgt, die die Marke weltberühmt gemacht haben. Zur Ausstattung gehören ein fünf Zoll großes TFT-Display mit RoadSync-Konnektivität, spezielle EV-Menüs, rundum LED-Lichttechnik, transparente Seitencover sowie hochwertige Komponenten wie Nissin-Bremsen und Pirelli Diablo Rosso III-Reifen.

Die Kraft des Elektromotors mit einer Dauerleistung von 18 kW oder 24 PS wird über einen Riemen auf das Hinterrad übertragen.
Fotos: Honda
Der Preis ist bereits fix: 15.379 Euro soll die Honda WN7 kosten. Wer vor dem 4. November beim Händler bestellt, erhält eine kostenlose Soziussitztasche dazu.
Honda will den Funken überspringen lassen
Der Markt für Elektro-Motorräder wächst zwar langsam, doch wirklich durchgesetzt hat sich die Technologie bei der konservativen Biker-Community noch nicht. Harley-Davidsons Tochtermarke LiveWire blieb bisher hinter den Erwartungen zurück, Zero Motorcycles begeistert vor allem Technik-Fans in Kalifornien, und auch Can-Am konnte bislang nur kleine Nischen besetzen.
Mit der WN7 setzt Honda nun seine Marktmacht, sein Vertrauen in Qualität und seine jahrzehntelange Erfahrung ein, um den „Funken“ endlich auf die breite Motorrad-Community überspringen zu lassen. Auf der Eicma 2025 in Mailand (6. bis 9. November) will Honda alle technischen Details präsentieren – und die bislang zurückhaltenden Käufer elektrisieren.