Die Präsentation auf der IAA war eher leise, auch wenn Chefdesigner Giles Taylor, der vor seinem Engagement bei der staatlichen chinesischen FAW Group bei Rolls-Royce den Zeichenstift führte, von über einem Dutzend neuer Modelle in den kommenden Jahren sprach. Wichtig für den Erfolg in Europa sind neben blumigen Versprechungen vor allem gute Produkte. Und mit dem Hongqi EHS5 versuchen es die Chinesen direkt im wichtigsten Marksegment: Kompakte Elektro-SUV. Sie bleiben der Bestseller auf dem alten Kontinent und entsprechend wichtig ist hier der erste Aufschlag.

Die chinesische Interpretation der luxuriösen Alternative setzt in Form des EHS5 die richtigen Schwerpunkte. Das vollelektrische, 4,76 Meter lange SUV ist speziell auf europäische Familien zugeschnitten und setzt Schwerpunkte bei Sicherheit, Raum und Komfort. Mit 2.90 Metern Radstand und bis zu 1.611 Litern Kofferraumvolumen bietet der Hongqi EHS5 großzügige Platzverhältnisse und flexible Nutzungsmöglichkeiten.

Changchun-Style
Das Exterieur-Design des 4,76 Meter langen Hongqi EHS5 ist eher konventionell. Allein die Leuchten vorne wie hinten setzen Akzente.

Klar im Fokus steht die Sicherheit: 78 Prozent der Karosseriestruktur bestehen aus ultrahochfestem Stahl, dazu kommen ein aktives Notbremssystem, eine 360 Grad Kamera und Querverkehrswarner. Die Batterie ist IPX8 geschützt und damit bis zu 120 Stunden wasserdicht. Auch die Crashvorsorge ist sehr hoch und die Hochvoltbatterie ist nach ASIL D-Standard zertifiziert, kann im Crashfall entsprechend innerhalb von drei Millisekunden vom System getrennt werden.

Serienausstattung über dem Klassenstandard

Komfortdetails wie elektrisch verstellbare, beheizte und belüftete Massagesitze, Zweifach-Akustikverglasung, Mikrofaser-Dachhimmel und ein 2,16 Quadratmeter großes Panorama-Glasdach sorgen für ein hochwertiges Innenraumambiente und hieven den Hongqi EHS5 über den Klassenstandard – zumindest, wenn man von der Serienausstattung ausgeht. Im Fond bieten neigbare Rückenlehnen zusätzliche Entspannung. Das Dynaudio- Soundsystem mit 14 Lautsprechern und Soft-Touch-Oberflächen komplettieren das Oberklasse-Gefühl.

Von Tesla inspiriert 
Die wichtigsten Funktionen des Fahrzeugs werden über den zentralen Touchscreen gesteuert. Zusätzlich gibt es für den Fahrer als Informationsquelle noch ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Darstellung. Und auf allen Plätzen Massagesitze.
Von Tesla inspiriert
Die wichtigsten Funktionen des Fahrzeugs werden über den zentralen Touchscreen gesteuert. Zusätzlich gibt es für den Fahrer als Informationsquelle noch ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Darstellung. Und auf allen Plätzen Massagesitze.

Technisch setzt der EHS5 auf ein digitales Cockpit mit 15,6 Zoll Display und einem 65 Zoll „Augmented Reality“- Head-up-Display. Im Gegensatz zum aktuellen Trend bleibt die Touchscreen-Landschaft aber angenehm reduziert. Spannend ist indes die Ankündigung, dass man mit der Hardware-Architektur auf zwei 7-Nanometer Prozessoren baut: Chipsätze dieser Baugröße und Leistungsklasse bringt Hongqi damit erstmals in die automobile Umgebung und will damit die rechenstärksten Einheiten überhaupt an Bord haben.

85 kWh großer LFP-Akku für 550 Kilometer Reichweite

Möglich sind somit nicht nur besonders flüssige Darstellungen der Bedienung, sondern auch Feinheiten wie eine 4-Zonen-Sprachsteuerung, die auf jeden Sitzplatz einzeln reagieren kann. Apple CarPlay, Android Auto und die native Integration von Streaming Apps erscheint dagegen nahezu selbstverständlich. Features wie Vehicle-to-Load (V2L), kabelloses Laden für Smartphones und ein Haustier-Modus erweitern die Funktionalität des EHS5 im Alltag.

Gute Reise 
Vier Koffer passen bei voller Bestuhlung in den Kofferraum des Elektro-SUV. Und einen Frunk gibt es obendrein. Fotos: Hongqi
Gute Reise
Vier Koffer passen bei voller Bestuhlung in den Kofferraum des Elektro-SUV. Und einen Frunk gibt es obendrein. Fotos: Hongqi

Zum Marktstart gibt es den Hongqi EHS5 mit 85 kWh Batterie und Hinterradantrieb. Details zu den Fahrleistungen gibt  es ebenso wenig. Die Speicherkapazität der Batterie wird mit 85 kWh angegeben, die Reichweite mit 550 Kilometern nach der WLTP-Norm. Um den Ladestand der Batterie von 10 auf 80 Prozent zu heben, braucht es angeblich nur 20 Minuten, was auf eine Ladeleistung von 150 kW deutet. Die LFP-Chemie der Zellen läuft mit 400 Volt, in China gibt es allerdings eine 800-Volt-Variante mit einem noch größeren Batteriepaket. Zudem gibt es Allradoptionen und Leistungen bis über 600PS für den dortigen EHS5.

Man darf also gespannt sein, mit welchem Antriebsportfolio man im kommenden Jahr in Europa antreten wird. Der Aufschlag wirkt auf jeden Fall solide, zumal für den Einstiegspreis: In China steht der kompakte SUV für umgerechnet gut 25.000 Euro beim Händler. Doch solche Preise sind nicht zuletzt dank der EU-Importzölle von bis zu 40 Prozent für Europa Wunschdenken. Aber selbst für 45.000 Euro wäre es mit Blick auf Wettbewerber wie den Skoda Enyaq (ab 48.900 Euro mit 77-kWh-Akku) oder den Ford Explorer (ab 46.455 Euro) ein durchaus interessantes Angebot.

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