Volkswagen wird ab 2025 eine Flotte von vollelektrischen Kleinbusen auf Basis des ID.Buzz vollautonom durch Hamburg wuseln lassen, um Fahrgäste einzusammeln und so emissionsfrei wie sicher ans Ziel zu bringen. Das gab jetzt Christian Senger, ehemaliger Digitalvorstand des VW-Konzerns und heutiger Bereichsleiter Autonomes Fahren bei VW Nutzfahrzeuge, in einer virtuellen Pressekonferenz bekannt.

Schon ab diesem Sommer sollen erste (noch getarnte) Prototypen des ID.Buzz AD (Autonomous Driving) das vollautonome Fahren im Münchner Umland testen. Argo AI aus Pittsburgh, der Partner von Volkswagen und Ford bei der Entwicklung selbstfahrender Autos, hat kürzlich am Münchner Flughafen eine neun Hektar große Fläche erworben, die gerade zum europäischen Testcenter hergerichtet wird. Dort sollen die mit der fünften Generation des Argo-Systems hochgerüsteten vollelektrischen Kleinbusse zunächst die deutschen Verkehrsregeln und andere Besonderheiten des Straßenverkehrs in Europa erlernen, bevor sie auf den öffentlichen Straßenverkehr losgelassen werden – zunächst aus Sicherheitsgründen noch unter menschlicher Aufsicht.

Kommt wie gerufen
In Hamburg sammelt der Elektrobus seine Fahrgäste an virtuellen Haltestellen ein. Die App zeigt, wo sich der nächste Bus gerade befindet. Der Fahrtpreis setzt sich aus einem Grundpreis und einem Preis pro Kilometer zusammen. Die Bestandteile variieren jedoch je nach Wochentag, Uhrzeit und Auslastung der Fahrzeuge. Foto: Volkswagen

„Unser Ziel ist es, mit der autonomen Version des ID.Buzz ab 2025 kommerzielle Einsätze bei Fahr- und Zustelldiensten zu ermöglichen“, erklärte Senger. Welcher Fahrdienst als erster in den Genuss der neuen Technik kommt, steht allerdings auch schon fest. Es ist der VW-eigene Ridepooling-Anbieter Moia aus Berlin, der in Hamburg und Hannover seit 2019 bereits drei Millionen Fahrgäste mit 500 teilautonom fahrenden Elektrobussen auf Basis des VW T6 transportiert hat. Das Unternehmen hat für die Bestellung der Fahrzeuge über das Smartphone, für die Einsatzsteuerung und die zeitdynamische Abrechnung der Personentransporte bereits ein umfangreiches Softwaresystem hoher Reife entwickelt und ist somit für den Ersteinsatz des ID.Buzz AD prädestiniert.

500 Moia-Mitarbeiter verlieren den Job

Zudem verfügt das Unternehmen in Hamburg über einen Betriebshof mit einer ausreichenden Zahl an Lademöglichkeiten für Elektroautos. Moia kann zudem in der Einführungsphase der vollautonomen Busse noch aus einem Pool von geschulten Fahrern zugreifen: Das Unternehmen geht davon aus, das am Anfang des Großversuchs noch Begleitpersonal erforderlich sein wird.

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Langfristig, daraus machte Moia-Chef Robert Henrich in der Pressekonferenz klar, würden die Fahrer überflüssig. Der Personalabbau sei auch erforderlich, um den Dienst wirtschaftlich betreiben zu können: Rund 60 Prozent der Gesamtkosten entfallen auf die Personalkosten. Zudem könnten die voll autonomen, allein von Sensoren gelenkten und durch Computer gesteuerten Robo-Busse rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf Ruhezeiten, betrieben werden. Alles gute Argumente, die für den ersten kommerziellen Einsatz der vollautonomen Busse sprechen. Vielleicht finden die Moia-Mitarbeiter auch an anderer Stelle, bei einem Logistikunternehmen neue Verwendung: Im Paketdienst würden wohl auch im Zeitalter des autonomen Fahrens Menschen benötigt, um die Sendungen vom Fahrzeug an die Haustür oder zur Postbox zu bringen.

Neuer Lidar-Sensor mit Geiger-Modus

Technisch sei das vollautonome Fahren kein großes Problem mehr, ergänzte Reinhard Stolle, der Europachef von Argo AI. Wie der frühere BMW-Manager ausführte, habe das 2016 gegründete Unternehmen auch aufgrund der Investition von einer Milliarde Euro durch Volkswagen und Ford große Fortschritte bei der Entwicklung der erforderlichen Systeme gemacht.

Alles im Blick
Die neuen Lidar-Sensoren, die Argo AI entwickelt hat, erkennen selbst nachts zuverlässig alle Verkehrsteilnehmer – auch wenn diese tiefschwarz daher kommen. Foto: Argo AI

So werde der ID-Buzz AD unter anderem mit einer neuen Generation von Lidar-Sensoren mit einer Reichweite von 400 Metern bestückt, die auch bei höheren Geschwindigkeiten und schwierigen Wetterverhältnisse zuverlässig Daten liefern. Sein patentierter Geiger-Modus sei in der Lage, selbst kleinste Partikel zu erfassen, so dass selbst Autos in tiefschwarzer Lackierung und Menschen in pechschwarzer Kleidung in der Nacht sicher erkannt würden.

Bereits über 10 Millionen Testkilometer

Auch die Betriebssoftware, die die Daten der im Auto verbauten Kameras, Radar- und Lidarsensoren auswertet, sei nach über 10 Millionen Kilometern am Rechner und auf den Straßen von sechs US-Großstädten auf einem hohen Stand. Erforderlich sei nun nur noch eine Anpassung an europäische Verkehrsverhältnisse – mit Links- wie mit Rechtsverkehr.

Weitere Details des geplanten Testbetriebs in Hamburg will Volkswagen am 11. Oktober auf dem ITS World Congress, der weltgrößten Messe für intelligente Transportsysteme bekannt geben. Dieser findet in diesem Jahr passenderweise in der Hansestadt statt.

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1 Kommentar

  1. Avatar

    Das ist doch witzig, dass diese irren Visionen (Präsentationen, Irritationen) von VW gar nicht aufhören.
    Deutschland kann seine Kinder nicht digital beschulen, aber autonom fahren.
    Hört doch endlich auf mit diesen Witzen.
    Es ist doch schon beschlossen, dass daraus nichts wird.
    Der ID.3 fuhr schon nicht fehlerfrei auf meinen Testfahrten, kann noch nicht mal ein Air-Update. ID.3 ist alles nur zusammengebastelter China-Kram mit europäischen Zeitarbeitern, die nur Minimum in Kranken- und Rentenkasse einzahlen.
    Wo bleibt denn hier die Wertschöpfung?
    Nicht in Deutschland.

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