Wenn man in der Historie eines Automobils stöbert, findet man manchmal Interessantes. Das ist beim KGM Musso der Fall. Anfang der 1990er-Jahre trafen koreanische Ambitionen und schwäbische Ingenieurskunst aufeinander, als SsangYong mit Daimler-Benz zusammenarbeitete. Aus dieser Kooperation entstand ein kantiger SUV namens Musso, der mit von Mercedes entwickelten Benzin- und Dieselmotoren ausgestattet war.

Der Name war Programm: „Musso“ leitet sich vom koreanischen „무쏘“ ab – Nashorn. Robust, eigensinnig, nicht schön um jeden Preis. Erst als SUV, später als Pick-up und heute als Stromer unter dem neuen Markennamen KGM. Das Attribut „nicht schön um jeden Preis“ können wir beim koreanischen Pritschenstromer getrost streichen. Uns gefällt der Musso EV. Und die Goldlackierung macht den Pick-up definitiv flaniermeilentauglich.

Für Ross und Reiter
Mit Doppelkabine und Pritsche kommt der KGM Musso als Arbeitstier daher. Mit einer Anhängelast von 1800 Kilogramm und einer Zulademöglichkeit von bis zu 500 Kilogramm könnte der elektrische Fronttriebler auch Pferdehalter interessieren.
Goldener Reiter
Mit Doppelkabine und Pritsche kommt der KGM Musso als Arbeitstier daher. Mit einer Anhängelast von 1800 Kilogramm und einer Zulademöglichkeit von bis zu 500 Kilogramm könnte der elektrische Fronttriebler auch Pferdehalter interessieren.

Dazu passt der Frontantrieb unseres Testwagens. Pick-up-typischer wäre allerdings Allradantrieb. Dann sind es zweimal 152 kW oder 207 PS. So müssen wir uns mit einem Innenraum-Permanent-Synchronmotor (IPM) begnügen, bei dem die Permanentmagnete innerhalb des Rotors angeordnet sind. Diese Bauweise eignet sich unter anderem für hohe Drehzahlen und starke Belastungen – also wie gemacht für ein Elektro-Arbeitstier.

Blade-Batterie von BYD für 420 Kilometer Reichweite

Technisch baut der 5,16-Meter-Pick-up auf der EV-Architektur des Torres EVX auf, was sich unter anderem am geschlossenen Grill mit markantem LED-Tagfahrlicht erkennen lässt. Die LFP-Blade-Batterie (Cell-to-Pack) stammt von BYD. So ändern sich die Zeiten: Früher war es der Stern aus Untertürkheim, der Autos zum Glänzen bringt. Heute sind es Blade-Zellen aus Shenzhen mit einer Gesamtkapazität von 80,6 kWh. Das bringt den Musso EV auf eine WLTP-Reichweite von 420 Kilometern. An einer mit Gleichstrom betriebenen Ladestation dauert es circa 36 Minuten, bis die Akkus von 10 auf 80 Prozent gefüllt sind. Das ist nicht überragend. Gleiches gilt für die maximale Ladeleistung von 120 kW. Da sind im Jahr 2025 höhere Werte angesagt. An der Wallbox fließt der Wechselstrom immerhin mit 11 kW. Rund zehn Stunden dauert es hier, bis der entleerte Akku wieder zu 100 Prozent gefüllt ist.

Alles andere als rustikal
In der 48.990 Euro teuren Topversion „Lux“ gibt es unter anderem eine Sitzbelüftung vorn, eine Lenkradheizung, eine 360-Grad-Rundumsicht-Kamera, Ambiente-Licht sowie eine Wärmepumpe für das schnelle Aufheizen des Fahrgastraums in der Winterzeit.
Alles andere als rustikal
In der 48.990 Euro teuren Topversion „Lux“ gibt es unter anderem eine Sitzbelüftung vorn, eine Lenkradheizung, eine 360-Grad-Rundumsicht-Kamera, Ambiente-Licht sowie eine Wärmepumpe für das schnelle Aufheizen des Fahrgastraums in der Winterzeit.

Auf der Straße gibt der E-Pick-up ein ähnlich durchwachsenes Bild ab. Mit 152 kW und einem maximalen Drehmoment von 339 Newtonmetern reißt man zwar keine Bäume aus, ist aber flott genug unterwegs. Aus dem Stand dauert es 9,2 Sekunden, ehe Landstraßentempo erreicht ist. Und bei 162 km/h bremst die Elektronik das E-Nashorn ein. Damit ist das Fahrwerk, bestehend aus McPherson-Vorderachse und Mehrlenker-Hinterachse, auch ganz gut gefordert. Bei einem kräftigen Antritt ringen die angetriebenen Vorderräder um Traktion. Und bei Bodenunebenheiten reagiert die Federung mitunter etwas unwirsch. Aber das kann sich mit Beladung ändern.

Preisliste beginnt bei 41.900 Euro

Apropos: Auf die Pritsche passen bis zu 500 Kilogramm, und an die Anhängerkupplung dürfen bis zu 1.800 Kilogramm. Nett, aber keine Werte, die den Blaumannträger aus der Currywurstbude locken. Die Lenkung ist kein Musterbeispiel an Präzision und Mitteilungsfreude. Da ist bis zum nächsten Musso EV, der 2027 erscheinen soll, noch viel Raum für Verbesserungen. Zurück zu den Fakten: Wir kamen bei unserer Testfahrt auf einen Durchschnittsverbrauch von 25,1 kWh/100 km. Das sind 2,1 kWh/100 km mehr als im Datenblatt angegeben. Für ein Transporter mit einem Leergewicht von 2.165 Kilogramm und dem cW-Wert einer Schrankwand ist das jedoch in Ordnung.

Großstadttauglich 
Der KGM Musso EV hat den rustikalen Charme seines Vorgängers abgelegt. Die goldfarbene Lackierung lässt ihn recht edel erscheinen.
Großstadttauglich
Der KGM Musso EV hat den rustikalen Charme seines Vorgängers abgelegt. Die goldfarbene Lackierung lässt ihn recht edel erscheinen.

Auch der Preis von 41.900 Euro geht in Ordnung. Denn schon in der Basis „Core“ gehören eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine Rückfahrkamera samt Parksensoren vorn und hinten zum Serienumfang. Wir waren in der Topversion „Lux“ für 48.990 Euro unterwegs. Dafür gibt es unter anderem eine Sitzbelüftung vorn, eine Lenkradheizung, eine 360-Grad-Rundumsicht-Kamera, Ambiente-Licht sowie eine Wärmepumpe. Die Vorkonditionierung der Batterie vor dem Stromtanken muss allerdings manuell angestoßen werden. Die Verarbeitung ist solide, und die Materialien fühlen sich wertig an. Allerdings sollte man sich wegen des hohen Klavierlackanteils an der Mittelkonsole ein Mikrofasertuch in das Handschuhfach legen.

Ordentlich Platz auch in der zweiten Reihe

Das Infotainmentsystem nutzt zwei 12,3-Zoll-Displays. Allerdings muss man sich erst durch einige Menüs hangeln, bis man die gewünschte Funktion findet. Das lohnt sich. Vor allem, wenn man die ständig bimmelnden Assistenzsysteme abschalten will. Wer die gewohnte Smartphone-Umgebung vor Augen haben möchte, verbindet sein Gerät per Apple CarPlay oder Android Auto. Bleibt das Platzangebot. Bei einem 5,16 Meter langen Auto mit 3,15 Metern Radstand ist das naturgemäß kein großes Thema: Auch im Fond hat man im Musso EV genug Platz. Dass man in einem Pick-up sitzt, merkt man spätestens, wenn man die hinteren Fenster hoch- und runterkurbeln muss. Aber ein bisschen Nostalgie darf schon sein. Gerade beim KGM Musso.

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