Vergessen Sie SsangYong! Ab nächstem Jahr nennt sich die Nummer drei der südkoreanischen Autobauer KG Mobility (KGM). Damit einher geht eine Neuausrichtung des Unternehmens, das einstmals ein Technologiepartner von Mercedes-Benz war, zeitweise Daewoo gehörte – und Ende 2020 Insolvenz anmelden musste. Nach einer gescheiterten Übernahme des koreanischen Elektrobus-Herstellers Edison Motors gehört der 1954 gegründete Autobauer inzwischen einem koreanischen Stahl- und Chemieunternehmen.

Die Asiaten wollen ihre Geschicke in die eigene Hand nehmen und nach dem Neustart in Deutschland ein Prozent Marktanteil erreichen. Ambitionierte Ziele: Bislang flog der Autobauer in Deutschland eher unter dem Radar: 2022 verkaufte das Unternehmen noch unter dem Namen SsangYong gerade einmal 451 Autos. Damit die neuen ehrgeizigen Vorhaben erreicht werden können, hat der neue CEO Jae Sun Kwak die ganze Firma straffer aufgestellt und dank der Optimierungen 2023 den besten Umsatz seit 23 Jahren verzeichnet. „Wir haben eine schwarze Null geschrieben“, freut sich der Firmenlenker.

Mit Ecken und Wülsten 
SsangYong war  für ein extravagantes Design bekannt. Daran ändert sich unter dem neuen Namen KGM erst einmal nichts.
Mit Ecken und Wülsten
SsangYong war für ein extravagantes Design bekannt. Daran ändert sich unter dem neuen Namen KGM erst einmal nichts.

Damit ist es aber nicht getan. Kwak will sich auch um aktuelle die Modellpalette kümmern und bringt im Herbst ein zweites SUV heraus, im Frühjahr nächsten Jahres wird ein neuer Mildhybrid-Motor die Antriebsvielfalt bereichern. „Verschiedene Märkte haben verschiedene Anforderungen. Wir wollen alle bedienen“; erklärt Kwak die kundenorientierte Strategie.

Zwei Elektroautos zum Start

Allerdings weiß der Konzernlenker auch, dass der automobile Kampf hart ist. Er will deshalb Bündnisse mit den chinesischen Autobauern Chery und BYD eingehen. Die Batterien kommen von Samsung. Damit das Wachstum auch gelingt, stampft KGM eine zweite Fabrik mit einer Kapazität von 300.000 Einheiten pro Jahr aus dem Boden und erhöht damit das gesamte Produktionspotenzial auf 480.000 Vehikel pro Jahr.

Stattliche Erscheinung
Mit einer Länge von 4,71 Metern ist der E-Crossover schon nominell kein Gefährt, das klaustrophobische Angstzustände hervorruft. Sowohl vorne als auch im Fond haben bis zu fünf Insassen ausreichend Platz - und ihr Reisegepäck auch. Fotos: KGM
Stattliche Erscheinung
Mit einer Länge von 4,71 Metern ist der E-Crossover schon nominell kein Gefährt, das klaustrophobische Angstzustände hervorruft. Sowohl vorne als auch im Fond haben bis zu fünf Insassen ausreichend Platz – und ihr Reisegepäck auch. Fotos: KGM

Mit dem Torres EVX bedient KGM den Zeitgeist und schiebt jetzt also ein Elektromobil nach, das zweite nach dem kompakten SUV Korando e-Motion, das bereits 2022 auf den Markt kam und hierzulande zu Preisen ab 42.490 Euro verkauft wird. Am Design des Torres ändert sich im Vergleich zum Verbrenner bis auf die Ladeklappe vorne links im Grunde nichts. Die Front mit den zwei Griffen auf der Motorhaube kann sich sehen lassen. Das Heck empfinden wir als überzeichnet mit zu vielen Kanten und Wülsten.

Toores EVX lädt Akku mit 300 kW

Unter dem Blech tut sich deutlich mehr. Anstelle eines 1,5 Liter-Tubobenziners mit 120 kW (163PS) Leistung verrichtet ein innenliegender Permanentmagnet-Synchronmagnet seinen Dienst und schickt 152 kW oder 207 PS mit einem maximalen Drehmoment von 339 Newtonmetern an die Vorderräder. Damit erreicht der 1.915 Kilogramm schwere E-Crossover nach 8,1 Sekunden Landstraßentempo und ist bis zu 175 km/h schnell.

Damit ist der Torres EVX zwar kein Rennwagen, aber flott genug unterwegs, dass man auch schnellere Teilstücke entspannt absolvieren kann. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt, aber bei schnell aufeinanderfolgenden Querfugen erweist es sich nicht mehr ganz so souverän. Die Energie kommt von einer Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit einer Kapazität von 73,4 Kilowattstunden. Laut KGM reicht das für 462 Kilometer gemäß dem WLTP-Zyklus.

Im Stil der Zeit 
Der Innenraum des Torres EVX präsentiert sich aufgeräumt und macht optisch wie qualitativ einen guten Eindruck.
Im Stil der Zeit
Der Innenraum des Torres EVX präsentiert sich aufgeräumt und macht optisch wie qualitativ einen guten Eindruck.

Nach unserer Testfahrt, bei der wir auch auf Autobahnen mit mehr als 140 km/h unterwegs waren, meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 21,7 kWh/100 km, das sind drei kWh/100 km mehr als KGM angibt. Beim DC-Laden schlägt sich der Torres EVX ordentlich und saugt mit ansprechender Geschwindigkeit Energie, wie sich beim Einstöpseln an eine Schnellladesäule gezeigt hat. Dass KGM eine maximale Ladeleistung von 300 kW angibt, empfinden wir bei einer Bordspannung von 390,4 Volt als interessant: Normalerweise sind damit kaum mehr als 200 kW möglich. Jedenfalls sollen die Akkus so in 37 Minuten von zehn auf 80 Prozent gefüllt sein. Schafft die Stromtankstelle nur 100 kW, dauert dieser Prozess nur fünf Minuten länger. An einer AC-Wallbox sind dreiphasige 11 kW drin und die leeren Energiespeicher innerhalb von neun Stunden gefüllt.

Verkaufspreis von 40.000 Euro angepeilt

Das Interieur mit den beiden 12,3 Zoll großen Monitoren macht einen guten Eindruck. Allerdings sind die Menüs des Infotainments zu verschachtelt, was die Bedienung etwas umständlicher macht. Offenbar soll die Einbindung des Smartphones per Apple CarPlay und Android Auto möglich sein, allerdings funktionierte bei uns Apple CarPlay nicht. Obwohl das iPhone als solches erkannt wurde und die Verknüpfung auch angeboten wurde. Sobald man sich mit der Lenkrad-Fernbedienung angefreundet hat, kann man zumindest auf die grundlegenden Funktionen zugreifen.

Kleiner Bruder 
Der Korando e-Motion kam bereits 2022 auf den deutschen Markt - noch unter dem bekannten Markennamen SsangYong.
Kleiner Bruder
Der Korando e-Motion kam bereits 2022 auf den deutschen Markt – noch unter dem bekannten Markennamen SsangYong.

Mit einer Länge von 4,71 Metern ist der E-Crossover schon nominell kein Gefährt, das klaustrophobische Angstzustände hervorruft. Sowohl vorne als auch im Fond hat man genug Platz und der Kofferraum bietet mit einem Fassungsvermögen von maximal 1.662 Litern auch Raum genug, um seine Habseligkeiten von A nach B zu transportieren. Wenn alle Passagiere an Bord sind, bleiben immer noch 703 Liter übrig.

Der Preis steht noch nicht fest, nur dass der Torres EVX in der zweiten Jahreshälfte beim Händler steht. KGM-Deutschlandchef Ulrich Mehling wünscht sich einen Preis von rund 40.000 Euro. Der elektrische Torres läge damit im Bereich der Benziner-Version, die hierzulande zu Preisen ab 39.490 Euro angeboten wird. Dass dieses Ansinnen nicht ganz unrealistisch ist, zeigt die Tatsache, dass der Torres EVX in Großbritannien für circa 35.000 britische Pfund angeboten wird. Umgerechnet sind das rund 41.000 Euro.

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