Mit seiner Länge von 4,45 Metern ist der EV4 kein Crossover wie das Erfolgsmodell Kia EV3, mit dem er sich Plattform, Innenausstattung und Motorisierung teilt. Er positioniert sich vielmehr als klassisches fünftüriges Kompaktauto und somit als direkter Konkurrent von Modellen wie dem Opel Astra Electric und dem Peugeot e-308, aber auch zum VW ID.3. Auch preislich: Der Einstiegspreis für den EV4 mit der 58-kWh-Batterie beträgt knapp 37.590 Euro. Zum Vergleich: Der fünftürige und 115 kW starke Astra Electric mit 54 kWh-Akku kostet 37.990 Euro, der ID.3 Pro in der Ausführung 170 kW mit 59 kWh großem Akku 38.290 Euro.

Der EV4 ist das erste in Europa produzierte Elektroauto von Kia – ein Werk in der Slowakei wurde dafür umgerüstet. Dort wird das Schrägheckmodell montiert. Es gibt auch einen 30 Zentimeter längeren Fastback, der sich aber eher an Kunden auf asiatischen Märkten richtet und in Südkorea gebaut wird. Was ihn hierzulande auch um rund 5000 Euro teurer (ab 42.840 Euro) macht.

Stromer der gemütlichen Art
Der 150 kW starke Kia EV4 beschleunigt in 7,8 Sekunden auf 100 km/h, bei 170 km/h wird abgeregelt. Eine GT-Version folgt später.
Stromer der gemütlichen Art
Der 150 kW starke Kia EV4 beschleunigt in 7,8 Sekunden auf 100 km/h, bei 170 km/h wird abgeregelt. Eine GT-Version folgt später.

Der Kia EV4 wird zunächst nur mit Frontantrieb und in zwei Batteriegrößen erhältlich sein: 58,3 und 81,4 kWh. Die Leistung des Fließheckmodells beträgt so oder so 150 kW oder 204 PS. Im kommenden Jahr wird die Modellpalette um zwei Allradversionen mit Spitzenleistungen von 197 und 218 kW PS erweitert – jeweils kombiniert mit der großen Batterie.

Große Reichweite, geringe Ladeleistung

Anders als die großen Elektrobrüder EV6 und EV9, die mit 800-Volt-Technik glänzen, sieht es beim Kia EV4 wie schon beim Kompakt-SUV EV3 deutlich schmaler in Sachen Ladeleistung aus. Diese beträgt überraschend geringe 128 kW in der Topversion mit großem Akku. Die Version mit dem 58-kWh-Akku muss gar mit maximal 102 kW am mit Gleichstrom betriebenen Schnelllader auskommen. Das ist für ein Fahrzeug des Modelljahres 2026 zu wenig für Nutzer, die nicht allein zu Hause nachtanken wollen, sondern es auch für Fernfahrten nutzen wollen.

Allerdings ist der Stromverbrauch des Kia EV4 erfreulich gering, so dass unterwegs nicht allzu häufig nachgeladen werden muss. Mit der größeren Batterie kamen wir auf unseren Testfahrten auf einen Realverbrauch von 15 sowie 17,4 kWh/100 km (je nach 17- oder 19-Zoll-Bereifung), was für Reichweiten im Alltagsverkehr von 470 bis 540 Kilometern spricht.

Voll familientauglich
Das Kofferraumvolumen des EV4 ist mit 435 Litern das größte seiner Klasse. Bei umgeklappter Rücksitzbank gehen 1.415 Liter rein.

Schon auf den ersten Kilometern ist zu spüren, dass der Südkoreaner trotz überschaubarer Motorleistung und über 1,9 Tonnen Leergewicht sowohl auf der Landstraße als auch in der Stadt agil beschleunigt. Auf der Autobahn hält er mit einer Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h mit konventionell angetriebenen Pkw locker mit. Allemal lobenswert ist die Geräuschdämmung im Innern, die für ein Auto dieses Segments bemerkenswert ist. Dank doppelten Frontscheiben und besonderer Dämmelemente an Motorhaube gelangen kaum Störgeräusche ins Innere.

Üppiges Platzangebot dank großem Radstand

Wer zwischen den vier Fahrmodi wechselt, spürt deutlich die Veränderung beim Ansprechen des Elektromotors, während kaum ein Unterschied in der Lenkung zu bemerken ist. Die Lenkung fühlt sich in allen Modi sehr leichtgängig und zu künstlich an, während der Komfort der Fahrwerksabstimmung auch durch das Plus an Radstand passt. Die optimal Wahl scheinen Räder im 17-Zoll-Format zu sein, da die Federung hier stärkere Stöße deutlich besser abfedert als bei den optionalen 19-Zöllern, die viel Unruhe in den Fahrgastraum bringen. Selbst auf trockener Fahrbahn spürt der Fahrer dabei die Antriebskräfte, denn die maximal 283 Nm Drehmoment zerren gerade in Kurven spürbar am Lenkrad. Gefallen können die Bremse und die Rückmeldung des linken Pedals, das sich sehr gut dosieren lässt. Die Rekuperation lässt sich manuell in mehreren Stufen einstellen, auch ein Automatik-Modus ist verfügbar – klasse.

Typisch Kia 
Das Cockpit besteht aus insgesamt drei Displays - zwei 12,3-Zoll- und einem Fünf-Zoll-Bildschirm für die Steuerung der Klimaanlage.
Typisch Kia
Das Cockpit besteht aus insgesamt drei Displays – zwei 12,3-Zoll- und einem Fünf-Zoll-Bildschirm für die Steuerung der Klimaanlage.

Angenehm aufgeräumt präsentiert sich der Innenraum des 4,43 Meter langen Kia EV4. Das Cockpit besteht aus drei Displays – zwei 12,3-Zoll- und einem Fünf-Zoll-Bildschirm, der leider partiell durch das Lenkrad verdeckt ist. Hier befinden sich die Einstellungen der Klimaanlage, wobei sich die übrigen Bedienelemente in dem zentralen Bereich unterhalb des Bildschirms befinden und über physische Bedienelemente bedient werden. Kia ist stolz darauf, dass die meisten Verkleidungen und Sitzelemente nachhaltig und recyclebar sind; doch die Oberflächen sind zumeist hart und könnten wertiger aussehen.

Großer Kofferraum – aber kein Frunk

Besser gefällt das informative Head-Up-Display, das zusammen mit anderen Fahrerassistenzsystemen 1.690 Euro kostet. Dazu klimatisierte Sitze vorn und beheizte Sitze hinten – genau so stellt man sich in der Klasse einen komfortablen Innenraum vor. Zwischen den beiden bequemen Vordersitzen befindet sich ein sehr geräumiges offenes Fach mit Anschlüssen zum Aufladen von Mobilgeräten und einer Ablage für ein Smartphone.

Erfreulich auch: Türen mit einem Öffnungswinkel von fast 90 Grad hinten sorgen für ein bequemes Ein- sowie Aussteigen auch der Fondpassagiere. Das Platzangebot ist vorne wie hinten geradezu üppig. Hier macht sich im Vergleich zum kleineren Kia EV3 der um 7,5 Zentimeter größere Radstand positiv bemerkbar. Das Kofferraumvolumen ist mit 435 Litern das größte seiner Klasse und kann durch Umklappen der Rücksitze zu einer komplett flachen Ebene mit bis zu 1.415 Litern Stauvolumen erweitert werden. Seltsamerweise gibt es im Unterschied zum Schwestermodell EV3 beim EV4 keinen Frunk, in dem man nützliche Details wie ein Ladekabel unterbringen könnte.

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