Der Lancia Y ist eine fahrende Legende. Obschon der Norditaliener mächtig in die Jahre gekommen ist (der Kleinwagen kam bereits 1995 auf den Markt) und die Marke lange auf dem Abstellgleis gelandet schien, wurde er im vergangenen Jahr mit 45.000 verkauften Modellen nochmals zum drittmeistverkauften Fahrzeug Italiens. Ab Spätsommer rollt endlich ein Nachfolger an – auch, aber nicht ausschließlich mit Elektroantrieb.

Angeboten werden soll der kleine Stromer zunächst nur im Heimatland Italien. „Danach folgen Belgien und die Niederlande sowie Spanien und Frankreich“, erläutert Lancia-CEO Luca Napolitano. Deutschland soll erst 2025 bedient werden.

Ein Hauch Stratos 
Die Heckleuchten des Lancia Y sind dem legendären Lancia-Rallyefahrzeug aus den 1970er Jahren nachempfunden.
Ein Hauch Stratos
Die Heckleuchten des Lancia Y sind dem legendären Lancia-Rallyefahrzeug aus den 1970er Jahren nachempfunden.

Die längst überfällige Neuauflage kommt mit einem schicken Kleid, aber altbekannter Technik aus dem Regal des Stellantis-Konzerns daher: Den gleichen Antrieb kann man unter anderem im Opel Corsa Electric und dem Peugeot e-208 erleben. Kurze Übergänge, eine polarisierende Front mit leicht stierem Blick aus den weit nach außen positionierten LED-Augen sorgen für einen modernen Chic, während die LED-Leuchten am Heck mit etwas Fantasie einen Hauch Stratos-Charme verbreiten.

Gleicher Antrieb wie im Opel Corsa

Ernüchtern ist der Blick auf die technischen Daten des Stromers. Und nur der interessiert uns hier. Innovationen hat der Ypsilon keine zu bieten. Kein Wunder: Die e-CMP-Plattform von Stellantis lässt nicht viel Spielraum. Für den Vortrieb sorgt der bekannte, 115 kW (156 PS) starke Frontmotor mit einem maximalen Drehmoment von 260 Newtonmeter. Ein 54 kWh großes Akkupaket zwischen den Achsen soll für eine Reichweite von 400 Kilometern sorgen. Damit kann man leben – der Y dürfte überwiegend im Stadtverkehr bewegt werden. Dafür geht auch die maximale Ladegeschwindigkeit von 100 kW in Ordnung. Denn geladen werden dürfte der Zwerg überwiegend nachts.

Genug fürs Handgepäck 
Der Ypsilon ist ein Kleinwagen - und bleibt ein Zwerg. Auch in der neuen Version mit Elektroantrieb. Fotos: Lancia
Genug fürs Handgepäck
Der Ypsilon ist ein Kleinwagen – und bleibt ein Zwerg. Auch in der neuen Version mit Elektroantrieb. Fotos: Lancia

Alternativen dazu gibt es vorerst nicht. 2025 folgt die sportliche Topversion Lancia Y HF mit 177 kW oder 240 PS Leistung, der den Fronttriebler aus dem Stand in 5,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen soll. Die Daten kommen ihnen bekannt vor? Stimmt: Der Antrieb ist identisch mit dem des neuen Fiat 600e Abarth.

Lancia Gamma und Delta folgen später

Immerhin: Mit dem Ypsilon will Stellantis die Marke Lancia nach Jahren des Dahinsiechens nun neu aufleben lassen. Bis 2028 sollen noch zwei weitere Elektroautos folgen, mit denen sich Lancia dann wieder ins ertragreiche Premiumsegment emporarbeiten will. Im Gegensatz zum Y, der speziell mit Blick auf den Heimatmarkt auch als 74 kW (100 PS) starker Benziner mit Mildhybridtechnik angeboten wird, werden die größeren Modelle Gamma und Delta ausschließlich elektrisch rollen.

Der Lancia Gamma wird 2026 eine rund 4,70 Meter lange Schräghecklimousine, die betont luxuriös ausgestattet auch als Allradler angeboten wird. „50 Prozent der Kunden werden aus Italien kommen; die andere Hälfte soll in anderen Nationen verkauft werden“, hat Napolitano kalkuliert. Und 2028 rollt dann der Lancia Delta an. Um die Fahrzeuge stilecht im Premiumsegment zu vermarkten, sind in Europa 70 Lancia-Center geplant, um die neue frohe Italo-Botschaft zu verkünden.

Edel-Cockpit mit "Tavolino" 
In der exklusiven, ausschließlich in Blau erhältlichen Sonderedition "Cassina" bekommt das Ablagefach in der Mittelkonsole einen lederbezogenen Deckel. Das macht den Kleinwagen edel - und teuer: Für knapp 40.000 Euro wird er angeboten.
Edel-Cockpit mit „Tavolino“
In der exklusiven, ausschließlich in Blau erhältlichen Sonderedition „Cassina“ bekommt das Ablagefach in der Mittelkonsole einen lederbezogenen Deckel. Das macht den Kleinwagen edel – und teuer: Für knapp 40.000 Euro wird er angeboten.

Aber jetzt ist erst einmal der Ypsilon dran. Für die erste Serie des 4,08 Meter langen Wägelchen haben sich die Strategen der 1906 gegründeten Automobilmarke etwas Besonders einfallen lassen: eine auf 1.906 Einheiten limitierte Sonderedition in Blau, die in Kooperation mit dem Luxusmöbelhersteller Cassina entstand. „Cassina hat eine sehr weitreichende Vision von Design“, erläutert Firmenchef Luca Fuso. „Mit Lancia teilen wir Werte wie Innovation und die Liebe zu italienischem Design. Die Kooperation beim neuen Lancia Ypsilon Cassina ermöglicht uns, unsere Expertise auf den Automobilsektor auszuweiten.“

Sonderedition für 39.500 Euro

Die Sitze des Lancia Y Cassina – beheizbar und mit einer Massagefunktion ausgestattet – sind mit einem weichen Samt bezogen, das mit einem Rippenmuster nebst Doppelnähten lockt. Ein nettes Detail ist der von Cassina entwickelte Tavolino: eine von einem Couchtisch inspirierte Mittelkonsole, die mit Leder bezogen ist. Neu sind die beiden 10,25-Zoll-Displays für Fahrinformationen, Infotainment und Navigation. Das alles schlägt sich im Preis nieder – und zwar heftig: Für die Sonderedition ruft Lancia auf dem Heimatmarkt 39.500 Euro. Besser und günstiger fährt man den elektrischen Ypsilon zur Miete: Die beträgt inklusive Wallbox nur 200 Euro im Monat. Und wer vom Verbrenner nicht lassen kann: Mit einem 70 PS-starken Benziner gibt es das Modell schon für 17.650 Euro.

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