Optisch hat sich beim „neuen“ Lexus RZ im Zuge der Modellpflege nicht allzu viel getan. Doch bei der Technik sieht es ganz anders aus. Denn neben Steer-by-Wire – einer elektronischen Lenkung – verfügt das Elektroauto über ein ungewöhnliches Getriebe, das Verbrenner-Fans locken soll. In Europa wird der elektrische Mittelklasse-SUV in drei Versionen angeboten – bislang allerdings ohne großen Verkaufserfolg. Neben dem 167 kW (227 PS) starken Basismodell mit Frontantrieb dürften sich insbesondere die stärkeren Allradler Chancen bei den Premiumunden ausrechnen. Während der Lexus RZ 500e 280 kW (381 PS) leistet, legt die neue F-Sportversion des RZ 550e mit 300 kW (408 PS) noch eins obendrauf.

Zudem stiegen die Norm-Reichweiten im Vergleich zum Vorgänger durch effizientere E-Maschinen, eines neuen Wechselrichters sowie einer Erhöhung der Akku-Kapazität von 71,4 auf 77 kWh je nach Antrieb auf bis zu 568 Kilometer. Viele Kunden in Europa werden auch zu schätzen wissen, dass der Elektro-Lexus nunmehr an einer mit Wechselstrom betriebenen Ladestation statt mit 11 mit bis zu 22 Kilowatt Energie aufnehmen kann. An der Schnellladestation bleibt es jedoch bei einer eher enttäuschenden Ladeleistung von maximal 150 kW.

Bespoilert 
Die sportliche F-Version des Lexus RZ 550 e trägt aus aerodynamischen Gründen nun einen zweigeteilten Spoiler auf der Heckklappe.
Bespoilert
Die sportliche F-Version des Lexus RZ 550 e trägt aus aerodynamischen Gründen nun einen zweigeteilten Spoiler auf der Heckklappe. Fotos: Lexus

Im Innenraum herrscht im 4,80 Meter langen RZ das typische Lexus-Ambiente. Es gibt bequeme Sitze mit gutem Seitenhalt und ein Head-up-Display, so dass der Fahrer unterwegs kaum den Blick von der Straße nehmen muss, um sich über Fahrgeschwindigkeit und Wegweisung zu informieren. Die Instrumentierung ist sehr schlicht, grafisch etwas altbacken und zudem mit zu kleinen, schwer erkennbaren Zeichen bestückt. Da hätte eine Modellpflege gut getan. Zudem ist das Tastenfeld am Lenkrad alles andere als intuitiv zu bedienen.

Steer-by-Wire mit Verspätung

Aufgrund der elektrischen Heizung im Armaturenbrett fehlt vorne ein Handschuhfach und so ist die einzig geschlossene Ablage zwischen den Vordersitzen mit der Bedienungsanleitung, den Warnwesten sowie den Fahrzeugpapieren belegt. Besser sieht es mit dem Platzangebot aus: Wenn es sein muss, können im Fond sogar bis zu drei Personen sitzen. Das Ladevolumen entspricht mit 522 bis 1.451 Litern ungefähr dem von Wettbewerbern wie dem Audi Q4 Etron oder BMW iX3.

Bequem 
Wenn es sein muss, können im Fond sogar bis zu drei Personen sitzen. Kopf- und Kniefreiheit sind gut, zeigt die Sitzprobe des Autors.
Bequem
Wenn es sein muss, können im Fond sogar bis zu drei Personen sitzen. Kopf- und Kniefreiheit sind gut, zeigt die Sitzprobe des Autors.

Stolz sind sie bei Lexus aber vor allem auf die neue Steer-by-Wire-Lenkung, mit der die Vorderräder ohne mechanische Lenkstange bewegt werden. Das System sollte eigentlich schon vor zwei Jahren eingeführt werden. Aber „es war notwendig, die Bedienung zu verbessern und das Ansprechverhalten weniger direkt zu gestalten“, erklärt Chefingenieur Yasuyuki Terama die Verzögerung.

Lenkrad im Raumschiff-Design

Einst benötigte man 150 Grad, um das Lenkrad im viereckigen Raumschiff-Design von der Mittellage komplett zu drehen oder 300 Grad, um von einer Seite zur anderen zu gelangen. Jetzt wurde es auf 200 und 400 Grad umprogrammiert. Bedeutet für den gleichen Drehbereich etwas mehr als eine halbe bzw. 1,2 Umdrehungen, während die normale Lenkradübersetzung 2 bis 3,5 vollständige Umdrehungen beträgt, um von einem Stopp zum anderen zu gelangen. Vereinfacht ausgedrückt, gibt es bei Steer-by-Wire im Gegensatz zu einer herkömmlichen Lenkung zwei elektronische Steuereinheiten – eine hinter dem Lenkrad und die andere auf der Zahnstange – die miteinander kommunizieren, um die Drehung des Lenkrads ohne physische Verbindung zu den Rädern zu übertragen.

Behände 
Der viereckige Lenkrad im Raumschiff-Design ist ebenso gewöhnungsbedürftig wie die Reaktion der Räder auf die Lenkbefehle.
Behände
Der viereckige Lenkrad im Raumschiff-Design ist ebenso gewöhnungsbedürftig wie die Reaktion der Räder auf die Lenkbefehle.

Dadurch entfallen störende Vibrationen, die von den Rädern auf das Lenkrad übertragen werden. Und die Hände des Fahrers können selbst in engen Kehren am Lenkrad bleiben. Es bedarf allerdings einer gewissen Eingewöhnungszeit, um zu vermeiden, dass man übersteuert und dann mit dem Stromer den Bordstein überfährt. Doch man gewöhnt sich an das rein elektrische System überraschend schnell. Und gerade in einem sportlichen Elektro-Crossover wie dem RZ 550e gefällt die direkte Steuerung.

M-Taste simuliert Achtgang-Getriebe

Abgesehen von der ungewöhnlichen Steuereinheit weiß der sportliche Elektro-Lexus auf der Probefahrt auch sonst überzeugen. Insbesondere der stärkere Elektromotor an der Hinterachse macht sich positiv bemerkbar, weil der Lexus seine Leistung nun souveräner auf die Fahrbahn bringt als vorher. Die Federung ist unaufgeregt und der Fahrkomfort geht allemal in Ordnung. Doch nicht nur wegen der Räder im 20-Zoll-Format sollte sich komfortbewusste Fahrer eher für den RZ 500e als für die F-Version entscheiden.

Bescheiden 
An der Ladeleistung haben die Lexus-Ingenieure bei der Modellpflege nur wenig "geschraubt". Immerhin kann jetzt am mit "Schnarchlader" der Wechselstrom mit bis zu 22 kW. Die maximale Ladeleistung am Schnelllader bleibt jedoch bei 150 kW.
Bescheiden
An der Ladeleistung haben die Lexus-Ingenieure bei der Modellpflege nur wenig „geschraubt“. Immerhin kann jetzt am mit „Schnarchlader“ der Wechselstrom mit bis zu 22 kW. Die maximale Ladeleistung am Schnelllader bleibt jedoch bei 150 kW.

Neben der Lenkung bietet der rund 60.000 Euro teure Lexus RZ 550e eine weitere Innovation, die direkten Einfluss auf das sportliche Fahrverhalten hat. Das so genannte „manuelle interaktive Fahren“, das durch Drücken einer M-Taste zwischen den Vordersitzen aktiviert wird, sorgt für ein Erlebnis, das dem eines Verbrenners mit Achtgang-Getriebe ähnelt. Gasannahme, synthetischer Sound, Beschleunigung und ein Display, das die virtuelle Motordrehzahl anzeigt, sorgen für ein Fahrerlebnis, das auf dem Markt für Elektroautos bislang einzigartig ist.

Die Spielerei könnte helfen, Elektro-Skeptiker für die Antriebswende zu gewinnen – und die Verkaufszahlen zumindest ein wenig in die Höhe zu treiben: Mit nur knapp 300 Neuzulassungen in Deutschland im ersten Halbjahr kann Andre Schmidt, der Geschäftsführer von Lexus Europa, nicht zufrieden sein.

(Mit Ergänzungen von Franz Rother)

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