Sie bauen zwar mehr Autos als jeder andere Hersteller auf der Welt. Doch schon Toyota selbst hat mit der Elektromobilität bislang arg gefremdelt und Lexus noch mehr. Doch jetzt steigt die vornehme Tochter des Weltmeisters buchstäblich groß ein und schickt dafür gegen Modelle wie den Volvo EX90, den Kia EV9 oder den Lucid Gravity Touring im nächsten Jahr den neuen TZ ins Rennen. Noch einmal 20 Zentimeter länger als der RX, der bislang an der Spitze der SUV-Flotte stand. Der Neue streckt sich auf stolze 5,10 Meter und bietet bei 3,05 Metern Radstand reichlich Platz für sechs Personen – zu einem Preis, der wahrscheinlich nur noch knapp fünfstellig sein wird, wenn er im kommenden Jahr auch zu uns kommt.

Allerdings geht es den Japanern nicht um maximale Raumausnutzung, sondern um ein möglichst nobles Reisen. „Omotenashi“ lautet das Motto. Diese Kultur der perfekten Gastlichkeit soll sich in jedem Detail wiederfinden – von den durchleuchteten Bambusvertäfelungen in den Türen und in den versteckten Tasten auf der Armaturentafel, die sich erst bei Annäherung mit einem dezenten Leuchten zu erkennen geben. Auch in den Infrarotstrahlern für kuschelig warme Füße in der ersten Reihe und den klimatisierten Captain-Chairs dahinter, die mit einer elektrisch ausfahrbaren Beinauflage Business-Class-Komfort auf Flughöhe Null bieten wollen.

„Omotenashi“ 
Die japanische Kultur der perfekten Gastlichkeit soll sich in jedem Detail des Lexus wiederfinden, auch in den Sitzen der zweiten Reihe.
„Omotenashi“
Die japanische Kultur der perfekten Gastlichkeit soll sich in jedem Detail des Lexus wiederfinden, auch in den Sitzen der zweiten Reihe.

Selbst die dritte Reihe – zumindest im europäischen Lexus-Programm eine Neuerung für ein SUV – will mehr Komfort bieten als in dieser Klasse üblich. Auch deshalb haben sich die Japaner für eine reine Elektroplattform entschieden. Denn ohne Benzintank im Boden steigt die Kopffreiheit und kommt man auch ohne gymnastische Übungen nach hinten. Auch mehr Platz fürs Gepäck gibt es dann: Wenn alle Passagiersitze flach liegen, schluckt der TZ mühelos zwei Fahrräder. Aber auch bei voller Bestuhlung passen noch vier Kabinen-Koffer hinter die elektrische Heckklappe.

Elefant im Smoking

Während der TZ innen schick sein will wie eine „Driving Lounge“, macht er außen den Dicken. Nicht nur wegen seiner Abmessungen, sondern auch wegen seinen Auftritts: Bullig und fast so kantig wie ein Land Cruiser verschafft er sich im Straßenverkehr Beachtung und lässt die chinesische Konkurrenz mit ihrem gesichtslosen Raumschiff-Design in der „Sea of Seamless“ versinken.

Zwiegespalten
Bullig und fast so kantig wie ein Toyota Land Cruiser verschafft sich der Lexus TZ im Straßenverkehr sicher Beachtung. Unseren Autor beeindruckte bei der Präsentation dass Platzangebot. Der Verzicht auf ein 800-Volt-Netz enttäuschte ihn aber. Fotos: Lexus
Zwiegespalten
Bullig und fast so kantig wie ein Toyota Land Cruiser verschafft sich der Lexus TZ im Straßenverkehr sicher Beachtung. Unseren Autor beeindruckte bei der Präsentation dass Platzangebot. Der Verzicht auf ein 800-Volt-Netz enttäuschte ihn aber. Fotos: Lexus

Das Marktsegment, das der neue Lexus bedient, mag in Europa eher klein sein. Und für die USA fehlt dem TZ in der aktuellen Stimmungslage ein Verbrenner. Doch für viele asiatische Märkte und allen voran China passt der elektrische Elefant im Smoking perfekt. Zumal Lexus tatsächlich bei Auftritt und Ambiente eine attraktive Alternative zu den bislang verfügbaren Modellen bietet.

400 Volt Spannung müssen genügen

Doch beim Blick unters Blech droht eine gewisse Ernüchterung. Ja, die Akkus sind mit 77 und 96 kWh Speicherkapazität für Reichweiten zwischen 450 und 540 Kilometern durchaus in Ordnung. Doch für ein Auto, das erst 2027 in den Markt kommt, sind eine 400-Volt-Architektur und Ladeleistungen von maximal 150 kW fast schon peinlich, erst recht in der Oberklasse. Und dass der 22 kW-Lader dafür Standard ist, tröstet über die ewigen Standzeiten am Schnelllader kaum hinweg.

Zum Angeben zu wenig 
Die Antriebsleistung des vollelektrischen SUV im XXL-Format ist mit maximal 385 kW vergleichsweise bescheiden - andere bieten deutlich mehr in dieser Klasse. Auch die Reichweite des Topmodells Lexus TZ550e ist mit 540 Kilometern nicht gerade berauschend.
Zum Angeben zu wenig
Die Antriebsleistung des vollelektrischen SUV im XXL-Format ist mit maximal 385 kW vergleichsweise bescheiden – andere bieten deutlich mehr in dieser Klasse. Auch die Reichweite des Topmodells Lexus TZ550e ist mit 540 Kilometern nicht gerade berauschend.

Zumal der Elektro-Lexus auch nicht gerade dafür gemacht ist, verlorene Zeit auf der Straße wieder gut zu machen: 230 kW oder 313 PS für das Basismodell TZ450e und 300 kW (408 PS) für die Topversion TZ550e jedenfalls sind eher bescheiden, wenn Volvo beim EX90 bis zu 385 kW (517 PS) bietet, Kia einen EV9 GT mit 379 kW im Programm hat und der Lucid gar mit bis zu 617 kW lockt. Und so vielversprechend ein Sprintwert von 5,2 Sekunden auf 100 km/h ist – bei 180 Sachen zieht die Elektronik schon wieder den Stecker. Für den Alltag allemal genug, zum Angeben aber zu wenig.

Virtuelle Schaltung mit acht Gängen

Und das ist in dieser Klasse eben Teil des Spiels.  Immerhin macht Chief Engineer Takeshi Miyaura das Beste draus und verspricht, dass er den Fahrer nicht vergessen hat. Ja, es gibt unter den Fahrprofilen auch einen „Rear Comfort“-Mode, der sich vor allem dem Wohlergehen der Hinterbänkler widmet. Aber zugleich soll eine Hinterachslenkung den Koloss von 2,7 Tonnen und mehr als fünf Metern Länge halbwegs handlich machen und eine virtuelle Schaltung mit acht simulierten Gängen den Puls beschleunigen. Zumindest so lange, bis einen die Massagesitze wieder in die Wohlfühlzone zurück holen – oder man bei der Ladepause lange durchatmen kann. 

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