Die Entwickler des Lightyear One haben sich ein ehrgeizige Ziel gesetzt. Aus dem Stand heraus wollen sie das effizienteste Elektroauto der Welt schaffen. Und das Startup aus den Niederlanden, das aus einem Studentenprojekt der TU Eindhoven hervorging, ist auf einem guten Weg. Vergangenes Jahr schon kam der Stromer mit einer Akkukapazität von 60 Kilowattstunden (kWh) auf eine Reichweite von 725 Kilometern – auf dem Rollenprüfstand und unter den Bedingungen der Verbrauchsnorm WLTP. In freier Natur, bei sommerlichen Temperaturen und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 85 km/h, rollte der Lightyear One später auf dem Aldenhoven Testing Center 710 Kilometer weit, ehe der Strom ausging.

Sonnenkönig auf Reisen
Die Karosserie des Lightyear One ist mit über 1000 Solarmodulen überzogen. Pro Quadratmeter sollen damit unter idealen Bedingungen bis zu 215 Watt Strom produziert werden können, um die Reichweite des Stromers zu vergrößern. Foto: Lightyear
Sonnenkönig auf Reisen
Die Karosserie des Lightyear One ist mit über 1000 Solarmodulen überzogen. Pro Quadratmeter sollen damit unter idealen Bedingungen bis zu 215 Watt Strom produziert werden können, um die Reichweite des Stromers zu vergrößern. Foto: Lightyear

Aber das Solarauto, dessen Außenhaut ähnlich wie beim Sion von Sono Motors mit über 1000 kleinen Solarmodulen überzogen ist, schlägt sich auch unter winterlichen Bedingungen und bei höheren Fahrgeschwindigkeiten gut. Das zeigte sich jetzt bei Testfahrten auf dem Gelände des European Proving Ground von Bridgestone in Aprilia nahe Rom. Vergangene Woche waren die Niederländer auf dem Testgelände ihres Technologiepartners, um zu schauen, wie sparsam das Elektroauto mit der Energie haushält, wenn der Himmel bedeckt ist – und die Fahrgeschwindigkeit auf 130 km/h steigt.

Sparsam auch bei Tempo 130

Das Ergebnis ließ das Unternehmen jubeln: „Unsere Ingenieure haben einen Energieverbrauch von nur 141 Wattstunden pro Kilometer ermittelt. Diese Zahl macht das Lightyear One zum effizientesten Auto auf dem aktuellen Markt, das mit seiner relativ kleinen Batterie (60 kWh) 1,5 Mal weiter fahren kann als das bislang effizienteste Fahrzeug,“ teilte Lightyear auf seiner Website mit. Welches Elektroauto als Maßstab diente, ließ der Unternehmenssprecher allerdings offen.

Sono Motors hat erste Bilder vom Innenraum seines "Sonnenwagen" veröffentlicht. Ein Highlight ist ein kleiner, breSono genannter Luftfilter, der mit Island Moos arbeitet und einfach cool aussieht. Elektroauto

Der Durchschnittsverbrauch von 14,1 KWh/100 km war unter den „suboptimalen“ Bedingungen zwar höher als unter den Idealbedingungen im Labor (8,3 kWh/100km). Eine Rolle spielte dabei sicher die niedrige Außentemperatur von nur 10 Grad Celsius. Auch konnte die fünf Quadratmeter große Solar-„haut“ in Italien nur wenig zum Energiehaushalt beitragen. Trotzdem kam der Lightyear One unter den Alltagsbedingungen mit einer Akkuladung immer noch über 400 Kilometer weit.

Lightyear One in der "Pioneer"-Edition 
Über fünf Meter lang, aber nur 1,42 Meter hoch ist der Elektro-Fünfsitzer. Im Fahrzeugboden sitzt ein Akku mit nur 60 kWh Kapazität, der Antrieb erfolgt über vier Elektromotoren in den Radnaben mit 100 kW (136 PS) Leistung.
Lightyear One in der „Pioneer“-Edition
Über fünf Meter lang, aber nur 1,42 Meter hoch ist der Elektro-Fünfsitzer. Im Fahrzeugboden sitzt ein Akku mit nur 60 kWh Kapazität, der Antrieb erfolgt über vier Elektromotoren in den Radnaben mit 100 kW (136 PS) Leistung.

Zum Vergleich: Das Tesla Model S 60 mit ähnlicher Akkukapazität kam seinerzeit (das Modell wird nicht mehr angeboten) nur auf 330 Kilometer Reichweite. Und der WLTP-Verbrauch eines Tesla Model 3 in der Long Range-Version beträgt 14,8 kWh/100 km. Allerdings ist der Tesla mit einem Leergewicht von 1919 Kilogramm auch deutlich schwerer als der Prototyp aus den Niederlanden. Das Unternehmen peilt hier für seinen Allradler einen Wert von 1300 Kilogramm an – und ist nach eigenen Angaben schon fast am Ziel.

Das gilt auch für das Projekt insgesamt. Schon in Kürze sollen bei Valmet in Finnland die ersten Serienfahrzeuge vom Band rollen. Die Auslieferungen der 946 Exemplare der exklusiven „Pioneer Edition“ sollen im Sommer beginnen – zu Preisen von 150.000 Euro das Stück.

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