Die Zoe wurde lange und wird noch immer mit Mietbatterie angeboten. Bei dem Sondermodell Riviera ist das nicht mehr vorgesehen. Kauft man die Zoe in Zukunft immer zusammen mit der Antriebsbatterie?

Wir merken, dass die ursprüngliche Intention, die wir mit dem Mietmodell verfolgt haben, nicht mehr so wichtig für den Kunden ist. Am Anfang hatten die Kunden die Sorge, dass die Batterie nicht lange hält. Deshalb haben wir mit dem Mietmodell die Garantie abgegeben, dass er jederzeit die Batterie umtauschen kann, falls es Probleme etwa aufgrund einer schnellen Alterung geben sollte. Diese Flexibilität war auch sicher ein Teil unseres Erfolgs. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Batterien lange haltbar und leistungsfähig sind – länger, als wir am Anfang selbst gedacht haben. Wir stellen deshalb nach und nach vom Miet- auf das Kaufmodell um. Ob das Mietmodell komplett eingestellt wird, lassen wir uns noch ein paar Wochen und Monate offen.

Im Handel mit gebrauchten Zoes wird das sicher für eine gewisse Erleichterung sorgen.

Am Anfang warf das ein paar Probleme auf, verlief es etwas holprig. Aber auch daran haben sich die Händler inzwischen gewöhnt. Aber richtig ist, dass der administrative Aufwand bei dem Mietmodell schon größer ist.

Wie hoch ist der Mietanteil aktuell?

Im bisherigen Jahresverlauf haben sich etwa 70 Prozent für das Mietmodell entschieden. Aber wir sehen, dass sich das gerade stark dreht. Gerade bei höherpreisigen Fahrzeugen wie zum Beispiel dem genannten Sondermodell ist das Interesse am Kauf der Batterie groß.

Stadt-Stromer nur mit Batterie inklusive
Der neue heckgetriebene Twingo Electric wird zunächst nur in der Topausstattung angeboten – mit 21 kWh großer Batterie zum Preis von 24.165 Euro. Eine Batteriemiete ist bei dem Modell nicht vorgesehen, preiswertere Ausführungen folgen im kommenden Jahr.
Foto: Angelika Emmerling für Renault.

Beim neuen Twingo Electric kann man die Batterie nicht mehr mieten?

Nein, die gibt es nur im Kauf. Das Mietmodell brauchen wir bei dem Modell nicht. Elektromobilität ist bei uns lange eingeführt, und für uns nichts Neues mehr. Eine Initialzündung wie seinerzeit beim Zoe braucht es deshalb bei dem Twingo nicht mehr. Wir werden auch preislich so hinkommen, dass man die Batterie nicht mehr herausrechnen muss, um das Auto zu attraktiven Konditionen anbieten zu können.

Was wird denn der Kleine überhaupt kosten? Auf der Website von Renault Deutschland steht aktuell nur ein Preis von 25.666 Euro für die Topausstattung Vibes. Die günstige Variante des Zoe steht da mit 21.347 Euro – also noch darunter. Das könnte den Eindruck erwecken, die Modelle konkurrieren direkt miteinander.

Man muss schon genau hinschauen. Der Twingo Vibes ist ein Modell in Topausstattung inklusive Batterie. Der genannte Zoe Preis ist mit gemieteter Batterie. Bei einem vergleichbar ausgestatteten Zoe mit gekaufter Batterie reden wir über Summen um die 35.000 Euro. Der Zoe ist höher positioniert und das teurere Modell, es ist größer und kompletter. Und bei Reichweite und Antriebsleistung spielt das Modell in einer anderen Klasse.

Je attraktiver die Elektroautos werden, desto geringer wird der Anteil der Verbrenner werden.

Uwe Hochgeschurtz, Vorstandsvorsitzender von Renault Deutschland

Was wird denn der Basispreis für den Twingo Electric sein?

Die Preise für die verschiedenen Versionen unterhalb des Sondermodells Vibes kommunizieren wir in einigen Wochen. Die Ausstattungsumfänge stehen auch noch nicht alle fest. Wir haben beim Zoe festgestellt, dass die höherwertigen Ausstattungen gefragter sind als die einfacheren. Warum sollen wir da beim Twingo jetzt nach dem untersten Preispunkt suchen, wo der Kunde möglicherweise daran nur ein geringes Interesse hat? Wenn ich mich im Wettbewerbsumfeld umsehe, dann ist Renault mit seinen Elektroautos schon extrem gut positioniert.

Ob der Twingo auch als Life zu einem Preis knapp unter 20.000 Euro angeboten wird, steht also noch nicht fest?

Wichtig ist, das anzubieten, was der Kunde will. Da geht es nicht um Knaller- oder Schnäppchenpreise. Denn die Freude über einen niedrigen Preis währt meist nur kurze Zeit. Wenn aber wichtige Komfortelemente fehlen, hat der Käufer eines Tages ein Problem mit Restwert und Verkäuflichkeit.

Wendiger Einkaufswagen
Mit einem Wendekreis von nur 8,6 Metern und einem Laderaum von bis zu 980 Litern ist der kleine Renault Twingo Electric das perfekte Stadtauto. Der 60 kW (82PS) starke Heckmotor hat mit dem 1168 Kilo schweren Stromer keine Probleme. Foto: Angelika Emmerling.

Heißt: Für unter 20.000 Euro wird es den Twingo Electric  nicht geben?

Jeder Hersteller arbeitet mit Einführungspreisen. Wir werden uns das sehr genau anschauen und ein Angebot machen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.

Wann wird das sein?

Spätestens im Januar werden wir mehr wissen.

Den Twingo gibt es also zunächst nur als Spitzenmodell Vibes?

Richtig. Den kann man ab Mitte November Probe fahren und kaufen. Danach werden wir weitere Versionen bringen. Wir haben uns bei der Produktionsplanung für das hochwertige Modell zur Einführung entschieden, weil wir wissen, dass wir das in Deutschland gut verkaufen können.

Um auch einen Gewinn mit dem Auto machen zu können. Bei einem Basispreis um die 20.000 Euro ist das sicher schwieriger.

Es geht immer auch um Rentabilität, klar. Das Automobilgeschäft ist darauf ausgerichtet, Gewinne zu erzielen. Die braucht man, weil in den nächsten Jahren große Investitionen nötig sind. Aber entscheidend ist für uns die Kundenzufriedenheit: Man muss dem Kunden etwas anbieten, mit dem er einige Jahre glücklich ist.

Und die Elektro-Offensive von Renault geht weiter. Im kommenden Jahr startet der kleine Dacia Spring. Er ist Thema im nächsten Teil.

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1 Kommentar

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    Nettes Werbe-Interview,

    was der Vorstandschef von Renault Deutschland hier aber scheinbar außen vor lässt ist die Tatsache, dass die Bestellungen der jetzigen Neuzulassungen ca. 3-4 Monate zurück liegen.

    Als ich im Frühjahr unseren ZOE bestellte war die Liste der Anbieter für Elektrofahrzeuge noch sehr überschaubar. Mittlerweile sind auch die dt. Hersteller nachgezogen und auch aus Fernost sind echt attraktive Angebote dabei.

    Hier wird sich Renault künftig schwer(er) tun. Nicht nur weil die Franzosen keine Autos bauen Können sondern vor allem weil der ZOE einfach unglaublich überteuert ist. Ohne Batterie haben wir 31T€ für ein Auto ohne Batterie bezahlt. Da gibt es JETZT auch richtig gute Autos dafür!
    Beinahe hätten wir einen Gerichtsstreit mit meinen Händler begonnen, weil nicht nur wir der Meinung waren, ein Unfallauto erhalten zu haben, dabei ist das Renault-Qualität!
    Abgesehen von den über 10 Lackfehlern legt man bei Renault überhaupt keinen Wert auf z.B. Spaltmaße. Die Innenausstattung, gerade im Kofferraum erinnert an einen DACIA, wobei ich solch ein Statussymbol noch nie näher als auf 20m gesehen habe.
    Die Arroganz zumindest des Verkäufers, scheinbar aufgrund der aktuellen hohen Nachfrage, ist einfach unglaublich. Geringe Wertschätzung wäre hier völlig falsch ausgedrückt, da das Wort ‚Wert‘ hier mit vorhanden ist.
    Auch war ich im Frühjahr noch bereit, mir einen weiteren Renault zuzulegen aber aufgrund der bisherigen 6 monatigen Erfahrungen hatte ich mich am vergangenen Freitag für den Skoda Enyaq iV80 entschieden.

    Ich kann nur hoffen, dass mein Kommentar den ein oder anderen Leser von der Entscheidung abhielten wird, sich für einen Renault, gleich welchen Medells zu entscheiden.

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