Der Duke’s Pass, die rund elf Kilometer lange Passstraße durch die Hügel der Trossachs und den Queen Elizabeth Forest Park im Herzen Schottlands, ist für Autofahrer eine Herausforderung. Insbesondere für solche vom Kontinent – obendrein, wenn sie mit einem linksgelenkten Fahrzeug unterwegs sind. Gefühlt alle 20 Meter ändert die schmale Piste ihre Richtung und schrammt an Felsen vorbei, streckenweise schlägt sie Wellen, so dass sich das Fahrzeug erst aus den Federn hebt und dann die Dämpfer strapaziert.

Manche Beifahrer kommen da schnell an ihre persönliche Belastungsgrenze. Vor allem, wenn der Pilot gerade etwas flotter unterwegs, um die Qualitäten von Fahrwerk und Antrieb seines Testfahrzeugs zu erproben – in dem Fall des neuen, vollelektrischen Peugeot 208 GTI. Eines Kleinwagens mit einer Spitzenleistung von 207 kW oder 281 PS, der in 5,5 Sekunden auf Tempo 100 sprinten kann und von den Technikern auich von mit Spurverbreiterung, Torsen-Sperrdifferenzial, 355 Millimeter großen Bremsscheiben sowie einer veränderten Hinterachs-Geometrie für eine ambitionierte Fortbewung optimiert wurde.

Highlander 
Die kurvenreichen und wenig frequentierten Straßen nördlich des Loch Lomond sind das perfekte Revier für die erste Ausfahrt mit dem vollelektrischen Peugeot 208 GTI. An das Auto gewöhnen sich die Tester schneller als an den Linksverkehr. Fotos: Peugeot
Highlander
Die kurvenreichen und wenig frequentierten Straßen nördlich des Loch Lomond sind das perfekte Revier für die erste Ausfahrt mit dem vollelektrischen Peugeot 208 GTI. An das Auto gewöhnen sich die Tester schneller als an den Linksverkehr. Fotos: Peugeot

„Fährst Du Rallyes?“ ertönt es da vom Nachbarsitz, als sich die Straße vorübergehend zu einer Geraden öffnet und kurz ein wenig Ruhe im Fahrwerk einstellt. Nein, mit einem Timo Salmonen oder Bruno Saby würden wir uns nicht messen wollen – wir würden sicherlich den Kürzeren ziehen. Aber ja, ein wenig Rallye-Fieber stellt sich auf solch grandiosen Straßen und mit einer solchen „Rennsemmel“ wie dem Peugeot E-208 GTI schon ein. Ebenso wie etwa in dem Opel Corsa GSE oder dem Opel Mokka GSE, die beide über den gleichen Antrieb aus dem Stellantis-Konzern verfügen. Mit Letzterem hatten wir schon Ende vergangenen Jahres in Spanien das Vergnügen.

Löwe knurrt bei der Kurvenhatz

Dass der Mokka GSE vier Sekunden länger für den Sprint auf Tempo 100 braucht – geschenkt. Schwerer wiegen da schon die 137 Kilogramm mehr, die der Opel auf die Waage hievt: Der Peugeot wiegt nur 1535 Kilogramm, also noch einmal 19 Kilogramm weniger als der Corsa GSE, der noch am ehesten als Konkurrent für den E-208 GTI taugt. Neben dem (nur 116 kW starken) Alpine A290 GTS und dem Mini John Cooper Works E mit einer Spitzenleistung von immerhin 190 kW. Und natürlich dem Cupra Raval VZ (166 kW) und dem kommenden VW ID.Polo GTI, die sportlichen Konkurrenten aus dem Volkswagen-Konzern. Das schreit gerade nach einem großen Vergleichstest, idealerweise auf einer Rennstrecke.

Blaue Stunde
"Miramar Blau" heißt die neue Lackierung, mit der Peugeot für den E-208 GTI wirbt. Unserem Autor wussten Auto wie Farbe zu gefallen.
Blaue Stunde
„Miramar Blau“ heißt die neue Lackierung, mit der Peugeot für den E-208 GTI wirbt. Unserem Autor wussten Auto wie Farbe zu gefallen.

Aktuell dürfte da der Löweam lautesten brüllen, im übertragenen Sinne. Denn außer ein paar Windgeräuschen rund um das Glasdach ist beim Elektro-Peugeot natürlich nicht viel zu hören. Es sei denn, man schaltet den Soundgenerator ein, der bei steigenden Drehzahlen im Innenraum so etwas wie ein böses Knurren ertönen lässt. Auch dies kann die Freude am Fahren erhöhen – und vielleicht dem einen oder anderen Gußeisernen Vorbehalte gegen die Elektrotraktion nehmen. Ebenso wie das exzellente Fahrwerk, der kraftvolle Antrieb, die sportlich-direkte Lenkung – und das appetitliche Design des neuen GTI aus Frankreich.

Erfreulich niedriger Stromverbrauch

Die drei Buchstaben haben seit dem Peugeot 205 GTI von 1984 auch im Nachbarland einen hohen Stellenwert und Fankreis, der durch zahlreiche Erfolge im Rallyesport befeuert wurde. Und die Designer haben es verstanden, mit zahlreichen Details außen wie innen eine Brücke in die Frühzeit zu schlagen. Mit größeren Rädern und einer um 30 Millimeter tiefgegelegten Karosserie, mit ein wenig Spoilerwerk in glänzendem Schwarz sowie schwarz umrandeten und rot linierten Radhäusern, aber auch mit einem roten Bodenbelag sowie stark konturierten Sportsitzen mit roten Rallye-Streifen.

Ein Mann sieht rot 
Rote Bodenbeläge, eine rote Ambientebeleuchtung und rote Anzeigen sorgen für Motorsport-Feeling und locken den Rallye-Piloten.
Ein Mann sieht rot
Rote Bodenbeläge, eine rote Ambientebeleuchtung und rote Anzeigen sorgen für Motorsport-Feeling und locken den Rallye-Piloten.

Dazu passen das kleine Sportlenkrad, Sportsitze sowie digitale Anzeigen auf dem Multmediadisplay, die von G-Faktoren bei der Querbeschleunigung, Rundenzeiten und Energieverbräuchen künden. Letztere sind erwartungsgemäß nicht besonders niedrig, aber erfreulicherweise selbst bei Berg- und Talfahrten durch die Highlands nicht erschreckend hoch: Wir kamen auf unserer 132 Kilometer langen Testfahrt auf einen Schnitt von 2,9 Meilern pro Kilowattstunde – umgerechnet etwa 21,3 kWh/100 km. Andere kehrten von der Runde mit einem Schnitt von 18,8 kWh/100km zurück – sie waren wohl etwas gemütlicher unterwegs gewesen.

Opel Corsa GSE ist 5000 Euro günstiger – na und?

Mit dem Inhalt des 54 kWh fassenden Akkus (von denen 51 kWh für den Fahrbetrieb zur Verfügung stehen), wären wir bei frühherbstlichen Bedingungen also wenig mehr als 200 Kilometer weit gekommen, die Kollegen knapp 300 Kilometer. Peugeot selbst gibt eine maximale Reichweite von 374 Kilometern an – wenn man den Löwen nicht von der Leine lässt und sich überwiegend im Stadtverkehr bewegt. Was allerdings das völlig falsche Revier für den E-208 GTI ist – er braucht den Auslauf und lechzt nach der Kurvenhatz. Dafür lässt er es später an der Ladesäule deutlich geruhsamer angehen: Die maximale Ladeleistung beträgt gerademal 100 kW. Mehr gibt die Stellantis-Plattform leider nicht her.

Großvater trifft Enkel 
1984 kam die erste GTI-Version des Peugeot 205 auf den Markt. 42 Jahre später trifft er in Schottland seinen elektrischen Nachfolger.
Großvater trifft Enkel
1984 kam die erste GTI-Version des Peugeot 205 auf den Markt. 42 Jahre später trifft er in Schottland seinen elektrischen Nachfolger.

Weniger bescheiden ist Peugeot hingegen bei der Preisgestaltung: 44.900 Euro rufen die Franzosen für den kleinen Löwen auf. Das sind zwar 2900 Euro wenig als Opel für den Mokka GSE verlangt, aber dafür gibt es den identisch großen und kräftigen Corsa GSE schon für 39.900 Euro – und der ist kaum weniger agil. Er unterscheidet sich eigentlich nur in der Kalibrierung des ESP-Systems vom Peugeot, verrät einer der Techniker. Warum dann also der große Preisunterschied? Wir haben Marketingchef Phil York dazu befragt.

„Ich bin mir nicht sicher“, entgegnet der, „ob wir bei Opel und Peugeot exakt dieselben Kunden ansprechen. Wir verfügen über eine sehr starke Markenhistorie; wir haben viele Menschen, die die Marke Peugeot lieben und den 205 GTi von vor 40 Jahren geliebt haben. Ich denke also, es gibt Platz für jeden. Ob ein Preisunterschied gerechtfertigt ist, weiß ich nicht – darüber müssen Sie mit Opel sprechen. Aber wir fühlen uns sehr wohl und selbstbewusst mit dem 208 GTi und dem, was wir anbieten.“

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