Großfamilien sind selten geworden in den fortschrittlichen Ländern des Westen und Fernen Ostens. Geplant werden sie so gut wie nie, wenn sie sich trotzdem bilden, dann stehen dahinter meist Schicksalsschläge wie Scheidungen oder Todesfälle. Vier Sitzplätze im Auto reichen deshalb meist völlig aus. Trotzdem wächst gerade das Angebot an Siebensitzern. Früher kamen diese in Gestalt von Vans und Großraumlimousinen, inzwischen offeriert die Autoindustrie für derlei Transportbedürfnisse vorzugsweise großgewachsene SUVs. Gerne und in wachsender Anzahl auch mit Elektroantrieb.

Der Stellantis-Konzern hat mit dem Opel Grandland, dem Citroën ë-C5 Aircross, dem Jeep Compass und dem Peugeot E-5008 gleich vier Stromer dieses Großkalibers im Lieferprogramm. Gemeinsam ist ihnen eine Antriebsleistung von 157 kW oder 213 PS sowie ein 73 kWh großer Akku in der Basisversion. Bei der Modellversion darüber steigt die Antriebsleistung bis auf 170 kW (231 PS), die Batteriekapazität auf knapp 97 kWh. Bis zu 669 Kilometer sollen damit ohne Ladepause möglich sein, verspricht der Hersteller – sofern sich der Fahrer zügelt.

Länge läuft
4,79 Meter ist der Peugeot E-5008 lang, der Radabstand beträgt 2,90 Meter. Das sorgt für ein gutes Raumgefühl und Platzangebot.
Länge läuft
4,79 Meter ist der Peugeot E-5008 lang, der Radabstand beträgt 2,90 Meter. Das sorgt für ein gutes Raumgefühl und Platzangebot.

Unser Testwagen von Peugeot kommt als GT 230 Long Range daher, zählt also zur Spitze nicht nur der Modellreihe, sondern des Konzernangebots – auch preislich. Zum Basispreis von 59.550 Euro gesellten sich Aufpreise für eine Metallic-Lackierung in Ingaro-Blau, Winter- und Air-Paket (das unter anderem ein zu öffnendes Panorama-Glasdach beinhaltet) sowie für Sitzbezüge in Alcantara und Kunstleder sowie diverse Assistenzsysteme. Alles in allem summierte sich der Preis so auf 68.450 Euro. Eine Menge Holz, wie man hier im Rheinland sagt. In anderen Landesteilen wird man das sicher ähnlich sehen und vielleicht „mega“ nennen. Die E-Auto-Prämie von bis zu 6000 Euro (bei zwei minderjährigen Kindern und einem Haushaltseinkommen von 45.000 Euro) zwar ein wenig erträglicher. Aber das Grundkapital muss erst einmal zur Verfügung stehen.

Nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit

Und was bekommt man dafür? Nun, nach den Erfahrungen unseres Tests ein überaus komfortables Langstreckenfahrzeug. 662 Kilometer Reichweite scheinen demnach zwar illusorisch, aber um die 500 Kilometer ohne Ladepause sind bei maximal Tempo 130 auf der Autobahn durchaus drin. Daheim und unterwegs lässt sich Wechselstrom mit bis zu 22 kW laden und über einen Adapter und eine entsprechende Wallbox (gegen Aufpreis von 800 Euro) auch wieder ausspeisen. An einem HighPower-Charger fließt Gleichstrom allerdings nur mit maximal 160 kW. Und der Wert wird auch nur eher selten und auch nur kurz erreicht, so dass man Ladepausen von wenigstens einer halben Stunde einplanen sollte, soll der Akku für den nächsten Streckenabschnitt wenigstens zu 80 Prozent wieder gefüllt sein.

Das kann dauern 
Das 400-Volt-Bordsystem des Peugeot E-5008 erlaubt nur eine maximale Ladeleistung von 160 kW. Das ist für ein Topmodel zu wenig.
Das kann dauern
Das 400-Volt-Bordsystem des Peugeot E-5008 erlaubt nur eine maximale Ladeleistung von 160 kW. Das ist für ein Topmodel zu wenig.

Das hatten wir schon bei unserer ersten kurzen Begegnung mit dem knapp 4,80 Meter großen Löwen moniert – im zweiwöchigen Langzeittest fiel es uns umso störender auf. Vor allem im direkten Vergleich mit einem Porsche Cayenne Electric. Ja, ja, der kostet wenigstens dreimal so viel wie der Peugeot, aber auch in der gleichen Preisklasse wie der E-5008 gibt es bereits große Stromer mit 800-Volt-Bordnetz und deutlich höheren Ladeleistungen. Ich empfehle einen Blick auf den Xpeng G9 oder auch den neuen Mercedes GLC. Da sollte Stellantis möglichst bald nachlegen und die Spannung erhöhen.

Head-up-Display der speziellen Sorte

Ansonsten bietet der Peugeot aber eine solide Vorstellung, was Fahrleistungen und Fahrkomfort anbetrifft. Er tritt kraftvoll an, begnügt sich im Schnitt mit knapp 20 kWh Strom auf 100 Kilometer und trägt seine Insassen samt ihr Gepäck entspannt ans Ziel. Straßenschäden, von denen es in unserem Land inzwischen mehr als reichlich gibt, bügelt der E-5008 ordentlich aus, die Räder folgen brav den Lenkbefehlen und die Bremsen tun, was sie sollen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das analoge Head-up-Display – das sich automatisch einstellt, sobald man das relativ kleine Lenkrad so tief nach unten zieht, dass am oberen Rand das Instrumentendisplay auftaucht. Das hat dann etwas von einem Kampfjet. Ebenso wie der 53 Zentimeter breite Panorama-Bildschirm, der sich um den Fahrer herumzieht. Oder die Kopfstütze, die dem Schädel wenig Bewegungsfreiheit lässt.

Wer holt mich hier raus?
Die beiden Sitze in der dritten Reihe sind einigermaßen komfortabel, aber Zugänglichkeit, Knie- und Kopffreiheit nur suboptimal.

Ein Schleudertrauma muss man bei Beschleunigungsvorgängen eh nicht befürchten. So etwas wie einen katapultartigen Start wie im Porsche (Stichwort: „Launch Control“) muss man hier nicht befürchten. Die Beschleunigung ist gut, aber nicht raketengleich. Lediglich 170 km/h beträgt die Spitzengeschwindigkeit, für den Sprint auf Tempo 100 braucht es knapp neun Sekunden.

Ideal für Reisen mit großem Gepäck

Aber für Rennen ist der E5008 ja nicht gebaut, sondern als Familienkutsche. Mit reichlich Platz vorne und hoher Variabilität hinten. Die Sitze in der zweiten Reihe lassen sich verschieben und umklappen – je nachdem, wie viel Luft man der Schwiegermutter oder den Kleinkindern in der dritten Reihe gönnt. Oder doch lieber dem Gepäck: Längere Strecken möchte man auf den beiden Einzelsitzen ganz hinten ohnehin keinem zumuten. Im Alltag dürften sie die meiste Zeit im Untergrund verbringen, um dem Kofferraum mehr Platz zu lassen: 748 Liter sind in der Klasse ein Wort. Lässt man die Familie daheim und klappt sämtliche Rücksitze um (was leicht von der Hand geht) stehen sogar 1815 Liter für den Hausrat zur Verfügung. Um eine mögliche Verwendung des Wagens bei einem der genannten Schicksalsschläge anzudeuten. Dann ist der Wagen hoffentlich bereits abbezahlt.

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