Einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt für das Auto mag niemand. Schon gar nicht, wenn das Fahrzeug über 100.000 Euro gekostet hat. Trotzdem werden all die Menschen, die einen Porsche Taycan des Modelljahres 2020 besitzen, sicher die Einladung nicht ausschlagen, die ihnen der Hersteller des Elektroautos in diesen Tagen schickt. Denn Porsche bietet ihnen ein kostenloses Software-Update an, das den vollelektrischen Tayan 4S, Turbo und Turbo S wieder auf die Höhe der Zeit bringt – und obendrein die Fahrdynamik des Autos verbessert. Einziger Wermutstropfen: Das Software-Paket ist so groß, dass es nicht „Over the Air“, also über eine Funkverbindung, aufgespielt werden kann. Für das Update muss der Taycan also für ein paar Stunden in die Werkstatt. Tesla ist da weiter: Ein ähnlich umfangreiches Software-Update für das Model S – Version 11 – soll in Kürze über eine Online-Verbindung ins Fahrzeug überspielt werden.

Aber der außerplanmäßige, völlig freiwillige „Boxenstopp“ lohne sich wirklich, versicherte Porsche-Baureihenleiter Robert Meier in einem Pressegespräch. Nicht nur, weil bei der Gelegenheit die Funktionen des so genannten „Charging Planner“ erweitert werden: Während eines Ladevorgangs mit aktiver Zielführung erhält der Fahrer im Fahrzeug und über die App nun eine Info, wenn so viel Strom gespeichert ist, dass es bis zum Ziel reicht. Obendrein gibt es nun eine Möglichkeit, die Ladeleistung von 270 auf 200 kW zu reduzieren, wenn man den Lithium-Ionen-Akku im Fahrzeug schonen möchte. Porsche reagiert damit angeblich auf Anfragen von Kunden, die auf diese Weise die Lebensdauer der Batterie verlängern wollen.

Porsche Taycan an der Ladestation
Starkstrom im Schongang
Mit der Funktion „Batterieschonendes Laden“ lässt sich bei längeren Aufenthalten am HighPowerCharger nun die Ladeleistung von 270 auf 200 Kilowatt reduzieren. Foto: Porsche

Ein Feintuning gibt es auch für die Navigation , die nach dem Update Online-Informationen direkt in die Karte einspielt. Auch Apple Car Play wird besser ins System integriert.

Interessanter sind allerdings die Auswirkungen des Updates auf das Fahrzeug selbst. Modelle mit Luftfederung erhalten beispielsweise eine so genannte Smart-Lift-Funktion: Fahrbahnschwellen und Garagenauffahrten, die regelmäßig angefahren werden, lassen sich darüber ins System speichern, so dass der Taycan jedes Mal automatisch die Bodenfreiheit erhöht, sobald er sich den Hindernissen nähert. Hässliche Lackschäden lassen sich so vermeiden.

Schneller auf Tempo 200

Und auch das Zusammenspiel der Leistungselektronik mit dem Akku wird optimiert, wie Meier verriet. So liefert der Akku etwa bei einem Katapultstart mit der so genannten „Launch Control“ nun schneller mehr Strom. Das Ergebnis: Ein Taycan Tubo S ist statt in 9,8 schon nach 9,6 Sekunden auf Tempo 200. Wie Meier erklärte,

Keine Verbesserungen bringt das Update allerdings auf die Ladeperformance – die sei jetzt schon gut, so dass eine Anpassung der Kennfelder keinen Sinn mache. Wie die Nutzerdaten zeigen, fahren viele Taycan-Fahrzeuge regelmäßig und häufig HighPower-Charger an, um Gleichsttrom mit bis zu 270 kW zu laden. Meier: „Für viele unserer Kunden ist die hohe Ladegeschwindigkeit ein echter Kaufgrund.“

Insofern sei die Entscheidung von Porsche für ein 800 Volt-Bordnetz absolut richtig gewesen: „Es bringt Vorteile bei den Ladezeiten und beim Gewicht.“ Meier erwartet, dass sich der Ladestandard mittelfristig durchsetzen wird. Er versteht deshalb auch nicht, warum Wettbewerber „Ladezeiten liegen lassen“ und sich mit einem 400 Volt-Bordnetz begnügen. Einzige Ausnahme ist derzeit der Hyundai-Konzern, der bei seiner neuen Plattform ebenfalls auf die 800 Volt-Architektur setzt.

Taycan-Fahrer, die auch daheim oder am Arbeitsplatz schneller laden mögen, können den Werkstatt-Aufenthalt übrigens auch nutzen, um ein Onboard-Wechselstrom-Ladegerät mit bis zu 22 kW nachzurüsten. Das gibt es allerdings nicht kostenlos. Und die Montagezeit kommt auch noch obendrauf. So rechnet sich das dann wieder für Porsche.

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