In den nächsten Jahren wird die Bundesregierung die Förderung von Elektroautos deutlich zurückfahren. Für Batterieautos (BEVs) gibt es im kommenden Jahr statt 6000 Euro vom Bund nur noch einen Umweltbonus von maximal 4500 Euro, 2024 nur noch 3000 Euro. Und ab 2025 müssen Autokäufer die Anschaffung eines Stromers komplett aus der eigenen Tasche bestreiten. Da fragt sich mancher: Lohnt sich da der Kauf eines Stromers noch?

Auf jeden Fall, sagen die Autoexperten bei McKinsey – wenn man die Gesamtkosten eines Autos über drei Jahre hinweg betrachtet. Beim BEV steigen durch die Kürzungen des Umweltbonus die Kilometerpreise bis 2025 zwar um 16 Cent, doch da die Batteriepreise weiter sinken und die Restwerte steigen, wäre ein Stromer weiter günstiger als ein Verbrenner. Denn benzin- und dieselgetriebene Autos hätten in den kommenden Jahren nicht nur mit steigenden Spritpreisen zu kämpfen, sondern wegen der Euro-7-Abgasnorm der EU (die voraussichtlich 2025 in Kraft tritt) auch mit nochmals höheren Herstellungskosten, Gleichzeitig sinken nach der Prognose die Restwerten der Fahrzeuge mit dieser Anriebstechnik.

Die Betriebskosten entscheiden 
Fahrten mit einem Benziner oder Diesel werden in den kommenden Jahren immer teurer, die im Elektroauto eher sinken, prognostizieren die Branchenexperten bei der Unternehmensberatung McKinsey. Grafik: McKinsey.
Die Betriebskosten entscheiden
Fahrten mit einem Benziner oder Diesel werden in den kommenden Jahren immer teurer, die im Elektroauto eher sinken, prognostizieren die Branchenexperten bei der Unternehmensberatung McKinsey. Grafik: McKinsey.

2025 erwartet McKinsey bei einem kompakten Verbrenner Kilometerkosten zwischen 58 und 75 Cent. Bei einem E-Auto gleicher Größe und Leistung sollen die Gesamtkosten zwischen 36 und 61 Cent pro Kilometer liegen. Aktuell betragen sie nach der Analyse von McKinsey 46 Cent. Patrick Schaufuss, Partner bei McKinsey in Düsseldorf: „Trotz zurückgehender Förderung für Elektroautos – die Gesamtbetriebskosten für E-Autos werden in vielen Fällen weiterhin unter denen vergleichbarer Verbrenner liegen.“

Umweltbonus für Flottenkunden eher Nebensache

Ähnlich sieht es Alexander Timmer, Partner bei der auf die Autoindustrie spezialisierten Strategieberatung Berylls Group. „Der Wegfall des Umweltbonus in 2025 wird sicher einen Einfluss auf Kaufentscheidungen haben, wird aber nicht für einen massiven Absatzeinbruch sorgen“, prognostiziert er im Gespräch mit EDISON. Für die Nutzer von Firmenwagen – auf die heute etwa 60 Prozent der Neuzulassungen von Elektroautos entfallen – seien die steuerlichen Vorteile viel wichtiger als die geringeren Leasingkosten, die der Umweltbonus ermögliche.

Alexander Timmer
Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur berät seit 2012 Automobilhersteller in aller Welt. Spezialisiert hat er sich auf die Themenfelder Elektromobilität und Digitalisierung. Foto: Berylls

Der anhaltende Mangel an Halbleiter und der weiterhin schleppende Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos belastet nach Ansicht des Berylls-Managers die Entwicklung wesentlich stärker als eine sinkende staatliche Förderung von Neuzulassungen. Während in einem Benziner oder Diesel Computerchips im Wert von nur etwa 300 Euro verbaut seien, betrage der Wertbeitrag bei einem Stromer leicht 1200 Euro. „Die Wahrscheinlichkeit, dass da ein Chip fehlt und ein Auto nicht fertiggestellt werden kann, ist beim Elektroauto deutlich höher als bei einem Verbrenner. Das wird den Absatz noch eine ganze Weile einbremsen.“

Gedämpft wird die Nachfrage nach Batterieautos in Deutschland zusätzlich durch den schleppenden Ausbau des Ladenetzes. Seit 2019 seien die Neuzulassungen der Elektroautos um 137 Prozent im Jahr gestiegen, die Zahl der öffentlichen Schnell-Ladepunkte aber nur um 39 Prozent.

Timmer geht davon aus, dass das Interesse an Plug-in Hybriden mit dem Wegfall der Förderung ab kommendem Jahr spätestens 2025 stark nachlassen wird – und die Nachfrage nach reinen Batterieautos auch ohne staatliche Förderung nochmals steigen wird, weil die Herstellkosten für die Batterie nach der Prognose von Berylls in den kommenden Jahren stark sinken werden. Auf diese Weise könnte der Wegfall des Umweltbonus für Elektroautos anteilig kompensiert werden. Vorausgesetzt, es kommt zu keinen weiteren Preisanstiegen der eingesetzten Rohstoffe. „Und der Autohersteller gibt die Kostenvorteile an den Kunden weiter.“

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