Cool sieht es ja aus, das E-Bike von Beno Technologies aus Seattle, USA. Die Reifen laufen über die Felgen, die über spezielle Lager an Rahmen und Vorderradgabel aufgehängt sind. Radnaben und Speichen werden dadurch überflüssig, was nicht nur die Wartung erleichtert, sondern andere handfeste Vorteile bietet: Da der Radkranz fixiert ist, kann er nicht nur die Beleuchtungsanlage aufnehmen, sondern beispielsweise auch zur Befestigung einer Tasche.

„Reevo“ heißt bezeichnenderweise das E-Bike, das im März kommenden Jahres auf den Markt kommen soll – auch in Europa, wie CEO Alec Lim gegenüber EDISON erklärt. Ob das futuristische Fahrrad dort tatsächlich eine Revolution auslösen wird, bleibt allerdings abzuwarten – das ähnlich konzipierte „Cyclotron“-Bike kam nie auf größere Stückzahlen. Das in Kalifornien gegründete Unternehmen wurde daraufhin nach China verkauft.

Vom Reevo-Bike existiert bislang nur ein Prototyp, den das Startup entwickelt hat. Produziert werden soll das Serienmodell im malaysischen Penang, über eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo hat das Unternehmen dazu inzwischen über 1,1 Millionen Dollar eingesammelt. Aber bis zum offiziellen Verkaufsstart sind noch einige Hürden zu nehmen.

New kid in town
Das Reevo-Bike sieht auf den ersten Blick aus wie ein Mountainbike, ist aber für den Großstadt-Verkehr konzipiert. Eine Federung ist deshalb vorerst nicht vorgesehen. Foto: Beno

Immerhin gibt es bereits knapp 2000 Menschen, die das laut Lim „coolste und sicherste Fahrrad aller Zeiten“ zum Preis von knapp 2000 Dollar geordert haben. Gelockt wurden sie nicht nur durch das Design und den günstigen Frühbucher-Preis (später soll das Reevo-Bike 3349 Dollar kosten, also umgerechnet 2821 Euro). Das E-Bike, dessen Mittelmotor in der Europa-Version 250, in der US-Version 750 Watt stark ist, bietet noch ein paar andere interessante Features. Einen Fingerabdruck-Sensor beispielsweise, über den der Antrieb aktiviert und die Räder freigeschaltet werden. Oder eine Schaltautomatik, die mithilfe unter anderem des Trittsensors je nach Fahrsituation die Motorkraft dosiert. Oder eine integrierte Lichtanlage inklusive Bremsleuchte und Blinkern.

Ein ehemaliger Renningenieur des Formel-1-Teams von McLaren hat mit dem GoCycle das angeblich beste E-Bike der Welt erfunden. Begegnung mit einem Faltrad der besonderen Art. E-Bikes

Reichweite von 60 Kilometern auf Asphalt

Was kann Alec Lim sonst noch über sein Reevo-Bike erzählen, das er zusammen mit seinem Team in den zurückliegenden drei Jahren entwickelt hat, „weil wir das Gefühl hatten, dass alle Fahrräder mehr oder weniger gleich aussehen und es Zeit für einen Neuanfang ist“? Der Rahmen besteht aus Aluminium, die Anbauteile aus ABS-Kunststoffen. Das Gesamtgewicht liegt bei knapp 25 Kilo, was nicht schlecht, aber auch nicht rekordverdächtig ist – da bieten andere Hersteller inzwischen mehr.

Der Lithium-Ionen-Akku steckt im Oberrohr und lässt sich zum Laden leicht entnehmen. Mit einer Speicherkapazität von 504 Wattstunden bewegt er sich im handelsüblichen Rahmen, die Reichweite wird mit 37 Meilen oder 60 Kilometer angegeben – auf Asphalt.

Hoher Schwerpunkt
Der 504 Wattstunden große Akku steckt im Oberrohr des Alu-Rahmens und ist durch einen Deckel geschützt. So bleiben die Finger sauber, wenn er zum Laden entnommen wird.

Denn das Reevo-Bike ist primär für den Stadtverkehr konzipiert und verzichtet deshalb auch auf eine Federung – auch bei der Einarm-Schwinge vorne. Zumindest Stand heute. Eventuell, so deutet der CEO an, werde man dem Pedelec noch eine gefederte Sattelstütze spendieren.

In den USA wird das Reevo-Bike nicht nur einen stärkeren Motor bekommen, um eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Meilen pro Stunde, umgerechnet 40 km/h darstellen zu können – bei Bedarf auch ohne Trittunterstützung, allein über einen Drehgriff am Lenker. In Europa würde das Bike damit in die Kategorie Kleinkraftrad fallen und der Betrieb einen Führerschein erforderlich machen. Darum kriegen die Exemplaren für diesen Markt einen schwächeren Motor und auch keinen Drehgriff. Mehr als Tempo 25 ist also wie bei Pedelecs üblich auch mit dem Revoo-Bike nur bergab möglich. Dem Erfolg sollte es keinen Abbruch tun.

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5 Kommentare

  1. Avatar

    Ausfolgenden Gründen kommt für mich das Rad nicht in Frage:
    – Kein Gebäckträger, nachrüstbar? Vielleicht durch Befestigung an der Sattelstütze.
    – Keine Federung außer an der Sattelstütze möglich, wer Rückenprobleme hat weiß eine gute Federung zu schätzen, auch wenn es als City Rad konzipiert wurde!
    – Fehlende Kotflügel, nachrüstbar?
    – Höchstwahrscheinlich der Reifenwechsel sehr schwierig und nur mit Spezialwerkzeug möglich.
    – Keine Standardteile verbaut, dadurch ist man einer einzigen Firma bei der Ersatzteilversorgung ausgeliefert die somit die Preise auch diktieren kann. Geht die Firma Pleite sitzt man auf einem Haufen teuren Schrott.
    – Fraglich ob der Fingerabdrucksensor auch bei Kälte und Nässe funktioniert.
    – Wie das erste Posting schon angesprochen hat ist der Radlager schwer dicht zu bekommen und braucht sicher in regelmäßigen Abständen eine neue sehr teure Spezial Dichtung. Fährt man ungeschickt über einen Randstein und die Felge wird nur geringfügig verbogen ist Undichtheit angesagt, darauf wette ich. Außerdem entsteht durch die rundum Lagerung ein mehr an Gleitreibung was wiederum zu einem erhöhten Energieverbrauch führt. Unter Laborbedienung sieht vieles anders aus als in freier Wildbahn. Ingenieure sind halt meist keine Praktiker und somit fehlt den meisten auch das Verständnis für gute Wartbarkeit des Produktes.
    – Das Feature „Schaltautomatik“ bedeutet einen komplizierten Mechanismus. Je mehr Teile ein System hat desto fehleranfälliger ist es.
    – Beleuchtung entspricht zumindest am Bild noch nicht ganz den Vorschriften, wird aber sicher nachgebessert für den Europäischen Markt.
    – Zu hohes Eigengewicht.
    – Reichweite nicht gerade überzeugend.
    Grundsätzlich hat das gute Radl innovative Ansätze, jedoch ist für mich persönlich immer noch gute Wartbarkeit und Ersatzteil Versorgung wichtiger als futuristisches Design.

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    • Franz W. Rother

      Das Flicken der Reifen soll so einfach sein wie bei anderen Rädern auch – auch eine tubeless-Version ist geplant. Und Schaltautomatiken gibt es auch bei anderen Herstellern – das sollte kein Problem sein. Ist auch mehr City- als Trekking-Bike

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  2. Avatar

    So ärgerlich, dass ich meckern muss.

    Wir haben das Rad bei https://fahrrad.io besprochen. Und zwar als das, was es ist: Ein typisches Crowdfunding-Projekt, das durch ein besonders auffälliges Merkmal, gepaart mit einem supergünstigen Preis glänzt, und dadurch massenhaft Unterstützer anzieht.

    https://fahrradio.podigee.io/154-fahrradio-154#t=3023

    Ein bisschen mehr Kritik hätte ich hier erwartet.

    > Radnaben und Speichen werden dadurch überflüssig, was nicht nur die Wartung erleichtert, sondern andere handfeste Vorteile bietet: Da der Radkranz fixiert ist, kann er nicht nur die Beleuchtungsanlage aufnehmen, sondern beispielsweise auch zur Befestigung einer Tasche.

    Handfeste Vorteile. Super Idee. Eine Tasche in der ungefederten Masse im Rad aufzuhängen. Und das Licht erst. Ein Riesen-Vorteil gegenüber den hoffnungslos veralteten Leuchten, die aktuell an E-Bikes verbaut werden. Und was spricht eigentlich gegen Naben und Speichen?

    > Denn das Reevo-Bike ist primär für den Stadtverkehr konzipiert und verzichtet deshalb auch auf eine Federung – auch bei der Einarm-Schwinge vorne

    Ah, Stadtverkehr. Deshalb braucht es auch keine Schutzbleche.
    Aber noch schlimmer: Im Stadtverkehr, bei einem 25-Kilo-Rad, wären auch Bremsen ganz gut, oder? Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass dieses Rad Felgenbremsen hat?

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    • Franz W. Rother

      Dass ein Produkt noch nicht perfekt oder aus persönlicher Einschätzung nicht marktfähig ist, sollte kein Grund sein, um dieses zu irgnorieren oder gleich nieder zu machen. Wir fühlen uns da dem Ethos unseres Namensgebers verbunden, von dem das Zitat überliefert ist: „Wenn es einen Weg gibt, etwas besser zu machen: Finde ihn!“ Gerade Startups liefern immer wieder gute Ideen und wichtige Impulse, um die Eigenschaften von Produkten und Dienstleistungen zu hinterfragen und disruptiv zu verändern. Ansonsten: Das Ding sieht einfach geil aus.

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  3. Avatar

    Alle Jahre wieder…

    Spätestens bei der Aussage „die Wartung erleichtert“ sollte jedem mit halbwegs technischem Verständnis klar sein das hier Träumer am Werk sind. In Wasser und Dreck laufende riesige Radlager sind auf keinen Fall leicht zu Warten, geschweige denn vernünftig dicht zu bauen. Das riecht für mich mal wieder nach dem üblichen crowdfunding scam.

    Immer wieder das gleiche Muster. Würde die Presse nicht immer so blauäugig und unkritisch aufspringen hätte diese Betrugsmasche keine Chance so vielen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

    https://www.reddit.com/r/kickstarter/comments/727cn5/the_cyclotron_bike_scam/

    https://www.kickstarter.com/projects/1989795590/the-cyclotron-bike-revolutionary-spokeless-smart-c

    https://www.indiegogo.com/projects/the-cyclotron-bike-revolutionary-spokeless-bike#/

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