Was für Rolls-Royce gilt, ist bei anderen Luxusmarken nicht anders. Lamborghini, Aston Martin, Ferrari, Bentley oder Maybach – sie alle tun sich schwer mit einem Elektroantrieb und der entsprechenden Nachfrage. Nicht, dass deren Kunden nicht das eine oder auch andere Elektromobil in der eigenen Großgarage parken würden. Doch das vermeintliche Aushängeschild – egal, ob Limousine, Crossover, Coupé oder Sportwagen – soll weiter von einem Verbrenner mit acht oder zwölf Zylindern angetrieben werden.

Da macht Rolls-Royce keinen Unterschied. Denn auch bei den Briten aus Goodwood tut sich das Aushängeschild Spectre, ein Elektro-Coupé mit allem nur erdenklichen Luxus, bislang schwer. Im vergangenen Jahr konnte die britische BMW-Tochter weltweit nur rund 1000 Einheiten absetzen, 50 Prozent weniger als 2024. Die Folge: Der neue Firmen-CEO Chris Brownridge verkündete kürzlich die Abkehr von den mittelfristigen Planungen, ab 2030 das Angebot komplett auf Elektroantriebe umzustellen. „Für jeden Kunden, der ein Elektrofahrzeug liebt, gibt es einen, der es nicht mag“, sagte Brownridge. „Wir verstehen, dass einige Kunden einen V12-Motor bevorzugen. Der V12 ist Teil unserer Geschichte.“

Ein paar Extras mehr 
Der Rolls-Royce Spectre Black Label ist die kräftigste Variante der elektrischen Baureihe. Die Antriebsleistung steigt nun von 485 auf 500 kW, die Speicherkapazität des Akkus von 102 auf 11 1kWh. Damit sind Reichweiten von bis zu 630 Kilometer im Stadtverkehr drin.
Ein paar Extras mehr
Der Rolls-Royce Spectre Black Label ist die kräftigste Variante der elektrischen Baureihe. Die Antriebsleistung steigt nun von 485 auf 500 kW, die Speicherkapazität des Akkus von 102 auf 11 1kWh. Damit sind Reichweiten von bis zu 630 Kilometer im Stadtverkehr drin.

Immerhin verabreicht Rolls-Royce seinem ersten Serienmodell mit Elektroantrieb jetzt eine Überarbeitung. Doch diese fällt derart dezent aus, dass es kaum reichen wird, den Spectre Series II auf die betont kurze Einkaufsliste der potenziellen Kunden zu spülen. Denn optisch hat sich am eleganten Coupé nichts Grundlegendes getan. Und auch bei der Technik gibt es nur geringfügige Verbesserungen.

Weiterhin nur mit 400-Volt-Bordnetz

Der Grund liegt auf der Hand, denn der Antrieb des Rolls-Royce Spectre ist eng mit dem des BMW i7 verwoben. Der bekommt zwar gerade ebenfalls eine Modellpflege – die auch hier technisch hinter den Erwartungen zurückbleibt. So verharrt die elektrische Limousine aus München bei der 400-Volt-Technik anstatt die Bordspannung wie bei den meisten Konkurrenten aus Asien – und auch beim Mercedes EQS – auf 800 Volt zu springen. Das kostet Ladegeschwindigkeit und ist ein Dämpfer für jeden Hightech-Anspruch, der in dieser Preis-Liga selbstverständlich sein sollte.

Darunter hat auch der 5,47 Meter lange Rolls-Royce Spectre Series II zu leiden: Auch ihm bleibt ein 800-Volt-Bordnetz weiter vorenthalten. Immerhin vergrößert sich die Normreichweite durch das nunmehr 112 statt vorher 102 kWh große Akkupaket um über 20 Prozent von bisher 503 auf rund 630 Kilometer. Und auch die Ladezeit reduziert sich durch ein verbessertes Energiemanagement um ein paar Minuten. Zudem leistet der Antriebsstrang in der besonders exklusiven Black-Badge-Version statt 485 nunmehr 500 kW (680 PS nach alter Zählweise) bei einem maximalen Drehmoment von 1.100 Newtonmeter.

Alles vom Feinsten 
Duality Twill heißt der neue Viskosestoff aus natürlichem Bambus, der erstmals im Rolls-Royce Spectre erhältlich ist. Das Material soll von einem Bambushain im Jardin des Méditerranées an der Côte d’Azur inspiriert sein. Fotos: Rolls-Royce
Für die Ewigkeit
Duality Twill heißt der neue Viskosestoff aus natürlichem Bambus, der erstmals im Rolls-Royce Spectre erhältlich ist. Das Material soll von einem Bambushain im Jardin des Méditerranées an der Côte d’Azur inspiriert sein. Fotos: Rolls-Royce

Wichtiger dürfte den Kunden sein, dass die Detailliebe wie üblich in einem Rolls-Royce kaum Grenzen kennt. So erweitert die 2,9 Tonnen schwere Spectre Series II die Palette der Optionen für den Innenraum und bietet finanziell bestens ausgestatteten Kunden neue Materialien, einzigartige Oberflächenbehandlungen und handwerkliche Details. Ein Beispiel ist Duality Twill – ein Viskosestoff aus natürlichem Bambus, der erstmals im Spectre erhältlich ist. Und da Rolls-Royce für seine Kreationen zumeist eine bunte Geschichte aus der Vergangenheit ziert, soll das Material vom weitläufigen Bambushain im Jardin des Méditerranées an der Côte d’Azur inspiriert sein, der an Sir Henry Royces ehemaliges Winterdomizil Villa Mimosa angrenzt.

Da kann der nächste Winter getrost kommen. Wir warten derweil gespannt auf den Preisaufschlag, den Rolls-Royce für die Modellpflege veranschlagt. Denn bei den rund 390.000 Euro der Serie I wird es wohl nicht bleiben.

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