Die wachsende Zahl von Elektroautos in Europa hinterlässt Spuren: Die Zahl der Ladevorgänge an Autobahnen ist gegenüber dem Sommer des Vorjahres stark gestiegen. Im Juni dieses Jahres verzeichnete der Raststättenbetreiber Tank & Rast mehr als 61.000 Ladungen von E-Autos. Dreimal so viele wie noch im Vorjahreszeitraum, teilte das Unternehmen jetzt mit. Tank & Rast führt den Anstieg auf den Start der Sommerferien in einigen Bundesländern und den Niederlanden zurück. Das Unternehmen betreibt mit den Partnern Eon, EnBW, Mer (vormals E-Wald) und Ionity nach eigenen Angaben knapp 1.400 Schnellladepunkte an deutschlandweit 367 Standorten.

Seit Jahresbeginn haben Elektromobilisten bislang annähernd 258.000-mal Strom an einem der Schnellladepunkte bei Tank & Rast geladen – im gesamten Vorjahr waren es rund 324.000 Ladevorgänge. Die Auslastung der Ladepunkte sei darüber deutlich gestiegen – trotz Corona. Und für Anfang August erwartet Tank & Rast einen neuen Nutzerrekord: Ganz Deutschland befindet sich dann in den Sommerferien. 

Fünf Cent mehr pro Kilowattstunde

Sicher rein zufällig verteuert zum 1. August nun auch der Ladestromanbieter EWE Go das Laden von E-Autos an Ladestationen seiner Roaming-Partner um fünf Cent pro Kilowattstunde. Bereits zuvor hatte EnBW die Autostrom-Preise im Schnitt um 7,7 Cent/kWh angehoben – auf 45 Cent an Gleichstrom (AC)-Ladesäulen und auf 55 Cent an DC-Schnelllader im Standardtarif ohne Vertragsbindung.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

EWE Go, in der Vergangenheit einer der günstigsten Anbieter von Autostrom in Deutschland, geht nun in eine ähnliche Richtung: An den AC-Ladepunkten von Partnerunternehmen zahlen EWE Go-Kunden ab dem 1. August somit 44 Cent/kWh, an DC-Ladepunkten 54 Cent. 6. Juli 2021 im Schnitt um 7,7 Cent pro Kilowattstunde an. An den rund 1000 eigenen Ladepunkten kann der Strom weiterhin für 39 (AC) bzw. 49 (DC) Cent/kWh gezapft werden.

Als Grund für die Preiserhöhung an den Säulen der Roaming-Partner nannte die Mobilitätstochter des Energieversorgers EWE aus Oldenburg gestiegene Einkaufspreise. Jonas Klingmüller, Leiter Service, Betrieb & IT-Backend bei EWE Go, führt es im Gespräch mit dem EDISON-Partner „energate“ weiter aus.

„Wichtig ist es, Verständnis zu schaffen“

Herr Klingmüller, EWE Go hat angekündigt, die Preise im Roaming-Netzwerk anzuheben. Wie kam es zu diesem Schritt?

Ausschlaggebend sind steigende Einkaufskonditionen bei Partnern im Roaming. Wir haben unser Netzwerk deutlich ausgebaut und auch die Partner investieren ihrerseits in Infrastruktur, die mittlerweile deutlich leistungsfähiger ist als vor einigen Jahren.

Der Markt für Ladestrom steht immer wieder in der Kritik. Ein Vorwurf lautet etwa, die Tarife seien zu unübersichtlich und das Laden an Säulen fremder Anbieter zu teuer. Wie würden Sie die gegenwärtige Lage bewerten?

Wichtig ist es, Verständnis zu schaffen: Zu den Kosten einer öffentlichen Ladesäule gehören nicht nur die Strombelieferung inklusive Abgaben und Umlagen, sondern auch ein Netzanschluss, Tiefbau, regelmäßige Wartung, Updates bei der Hard- und Software und eine 24/7-Hotline. Sofern sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert, bleibt Ladestrom an öffentlichen Säulen teurer als zu Hause oder auf der Arbeit. Es gibt viele Ladestromanbieter, um an öffentlichen Ladesäulen zu bezahlen. Die Kunden können den Ladestromanbieter frei wählen und das ist gut so. Es führt allerdings dazu, dass es unübersichtlich wird, wenn man bei jeder Gelegenheit sicherstellen möchte, den günstigsten Tarif zu wählen. Wir als EWE Go stellen dem einen möglichst einfachen und attraktiven Ladetarif entgegen, der für das gesamte Ladenetz mit über 85.000 Ladepunkten ein einheitliches Preismodell in Euro/kWh mit nur vier Preiskomponenten beinhaltet: AC oder DC und EWE Go oder Partnersäule.

Welche Ziele haben Sie sich mittelfristig in puncto öffentlicher und privater Ladeinfrastruktur gesetzt, um den nun beginnenden Hochlauf der E-Mobilität zu adressieren?

Wir freuen uns über die aktuellen Zulassungszahlen und den Markthochlauf. Im öffentlichen Bereich planen wir deutschlandweit bis 2025 mindestens 200 neue Standorte pro Jahr mit Schnellladeinfrastruktur in Betrieb zu nehmen. Das ist nur der Anfang. Auch das Laden auf der Arbeit und zu Hause machen wir attraktiver. Dabei stellen wir nicht nur Wallboxen zur Verfügung, sondern bieten auch selbst entwickelte, intelligente Abrechnungslösungen an.

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