Ähnlich wie bei den Sport Utility Vehicles (SUV) im Autobereich steht die Abkürzung bei E‑Bikes für ein geländegängiges, sportliches Fahrrad mit elektrischer Trittunterstützung. SUV-E-Bikes, mittlerweile auch SUB genannt, stellen eine Mischung aus E‑Trekking- und E-Mountainbike dar. „Auf der einen Seite punkten die Räder durch eine komplette Ausstattung für Alltag und Touren. Auf der anderen durch breite Reifen und Federung, die auch Touren im leichten Gelände ermöglichen. Sie sind somit eine Art Alleskönner unter den Rädern“, erklärt Anja Knaus vom schweizerischen E‑Bike-Pionier Flyer.

Alltags-Plus für viele Nutzer

Der Hersteller setzt den Crossover-Trend beispielsweise beim „Goroc 2“ um: An einem E‑Trekkingrad-Rahmen werden breite Mountainbike-Reifen (29 x 2,6 Zoll) und eine Federgabel mit 120 Millimetern Federweg verbaut. „Der Fahrspaß und die Traktion im Gelände sind verbessert, ohne Komfortverlust bei der Alltagstauglichkeit zu haben“, so Knaus.

Alleskönner auf zwei Rädern 
Ein SUB - Sport Utility-Bike - verbindet hohe Fahrstabilität mit hohen Transportkapazitäten. Und das dank Elektroantrieb auch bei Wind und Wetter, auf nassen Straßen und in tiefem Gelände.
Alleskönner auf zwei Rädern
Ein SUB – Sport Utility-Bike – verbindet hohe Fahrstabilität mit hohen Transportkapazitäten. Und das dank Elektroantrieb auch bei Wind und Wetter, auf nassen Straßen und in tiefem Gelände.

Bei Velotraum, einem kleinen Hersteller von E-Bikes aus Baden-Württemberg, ist die Breitreifenoption bereits seit längerem Trumpf: „Im Reiseradbereich, in dem unsere Unternehmenswurzeln liegen, gehören breitere Reifen zum Standard, um auf vielen Belägen gute Traktion zu haben. Diese Idee haben wir von Beginn an auf unsere E‑Bikes übertragen, um sie für viele Nutzer interessant zu machen“, erklärt Geschäftsführer Stefan Stiener. Deshalb ist er nicht verwundert, dass sich nun auch andere Hersteller der Idee anschließen.

Alltagstaugliches E-Mountainbike oder …

Aber warum nicht ein E‑Mountainbike nehmen, das von Haus aus auf breiten Reifen rollt? E‑Mountainbikes sind als Sportgerät fürs Gelände konzipiert und haben deshalb Defizite bei der Alltagstauglichkeit. Feste Beleuchtung oder Schutzbleche können beispielsweise nicht einfach nachgerüstet werden.

„Wer alles von vornherein fest verbaut haben möchte, sodass das Rad auch im Herbst und Winter genutzt werden kann und dabei auch noch gut aussieht, der greift zum E‑SUV-Bike“, beschreibt Matthias Rückerl vom Hersteller Haibike, der sein breites Angebot an E‑MTBs um diese Gattung erweitert hat. Auch beim Hersteller Riese & Müller haben die Verantwortlichen den Trend schon vor längerem erkannt. Viele der Räder aus Darmstadt sind in der Ausstattungsoption GX mit grob profilierten Reifen erhältlich, die dadurch sowohl im Gelände als auch bei Regen und kälteren Temperaturen ihre Vorteile ausspielen. Selbst Räder, die für eine höhere Zuladung geeignet sind und als Lastenräder gelten, wie das „Multicharger“, sind mit breiten, profilierten Reifen erhältlich.

Gut aussehen soll es möglichst auch noch 
Die E-SUVs haben in der Regel eine höhere Zuladung, dafür dickere Reifen und eine ordentliche Federgabel. Das Design kommt darüber aber nicht zu kurz. So kann man sich damit auch im Stadtverkehr sehen lassen. Foto: pd-f
Gut aussehen soll es möglichst auch noch
Die E-SUVs haben in der Regel eine höhere Zuladung, dafür dickere Reifen und eine ordentliche Federgabel. Das Design kommt darüber aber nicht zu kurz. So kann man sich damit auch im Stadtverkehr sehen lassen. Foto: pd-f

Diese Modelle stehen aber auch sinnbildlich für die weiteren Vorteile des SUV-E-Bikes: große Akkus und leistungsstarke Motoren. „Das ermöglicht eine hohe Reichweite und somit auch im Gelände längere Touren. Zudem erhöht es den Fahrspaß, gerade wenn man eine Tour im Gelände mit längeren Anstiegen plant“, so Jörg Matheis von Riese & Müller.

… geländetaugliches E-Citybike?

Aber man darf die SUV-Bikes nicht nur als eine Spielart des Mountainbikes sehen, sondern muss sie noch aus der anderen Richtung denken: Die aus dem City-Bereich bekannten Tiefeinsteiger, also Räder mit niedrigem Durchstieg, werden dadurch geländetauglicher. Ein Beispiel ist das „Tesoro Neo X 1“ von Cannondale. „Die Bauart erleichtert das Aufsteigen ungemein. Allerdings waren diese Räder als Citybikes bislang nur im Alltagsverkehr zu finden und nicht für Ausflüge ins Gelände geeignet. Durch die breiteren Reifen sind auch Touren auf Waldwegen oder Schotterstraßen problemlos möglich, was den Einsatzbereich deutlich vergrößert“, erklärt Daniel Häberle von Cannondale.

Wer aktuell ein neues E‑Bike sucht, hat die Wahl sich zwischen diversen Antrieben mit unterschiedlichen Charakteristika. Wir erläutern, für welchen Fahrertyp sich welcher Antrieb eignet - und warum Drehmoment nicht alles ist. E-Bikes

Da der Akku zumeist in das Unterrohr integriert ist, ist es voluminöser konstruiert. „Das hat auch einen fahrtechnischen Vorteil: Die Stabilität des Rahmens wird verbessert, das Rad lässt sich auch im Gelände besser fahren“, erklärt Antje Geyer vom Antriebshersteller Brose. Als weiteren Grund für die wachsende Beliebtheit der Räder nennt sie die Optik. „Die Analogie ist hier ganz klar bei den Autos, die auch nach wie vor eine größer werdende Beliebtheit verzeichnen: Es sieht sportlich und abenteuerbereit aus und trifft den Zeitgeist“, so Geyer.

Einfach ein Alleskönner?

Hersteller Stevens hat sogar eine eigene Bike-Kategorie namens „E‑Crossover“ ins Leben gerufen. Der Bereich umfasst acht komplett unterschiedliche Modelle. „Darin stehen vollgefederte Mountainbikes neben City-Tiefeinsteigern. So unterschiedlich die Rahmenform ist, zwei Sachen sind dabei identisch: die breiten Reifen und die Vollausstattung mit Gepäckträger, Licht und Schutzblechen“, begründet Jacob von Hacht von Stevens die neue Kategorie.

Trekkingräder mit 29-Zoll-Reifen oder Fullys mit Lichtanlage und Gepäckträger sind also keine Ausnahme mehr, sondern mittlerweile im Trend. Damit auch kleinere Radhersteller von dem Trend profitieren, hat Markenimporteur Messingschlager für diese Saison seinen Fokus beispielsweise beim Konzeptrad auf den SUV-Bike-Bereich gelegt. „Wir haben für diese Saison unser Plattformkonzept um die Sparte SUV-E-Bike erweitert, weil die Räder stark im Kommen sind“, bekräftigt Dennis Schömburg von Messingschlager.

SUV mit drei Rädern 
HP Velotechnik hat inzwischen auch Trikes, also Liegedreiräder, mit einem erhöhten Sitz im Programm. Das bringt dem Fahrer einen besseren Überblick im Straßenverkehr und erleichtert das Ein- und Aussteigen. Foto: pd-f
SUV mit drei Rädern
HP Velotechnik hat inzwischen auch Trikes, also Liegedreiräder, mit einem erhöhten Sitz im Programm. Das bringt dem Fahrer einen besseren Überblick im Straßenverkehr und erleichtert das Ein- und Aussteigen. Foto: pd-f

Basierend auf der Rahmenbasis von Messingschlager können sich Fahrradhersteller mit kleinen Entwicklungsabteilungen ein eigenes SUV-E-Bike zusammenstellen. Es müssen nur noch die gewünschten Komponenten wie Lenker, Sattel, Griffe oder auch Reifen ausgesucht werden. Der Importeur bietet dafür mit dem Partfinder sogar ein eigenes Tool an, mit dessen Hilfe passendes Zubehör ausgesucht werden kann. Der Zubehörmarkt wird nämlich mit weiteren Optionen in diesem Bereich wachsen: Reifenhersteller Schwalbe z. B. bringt mit dem „Al Grounder“ für die Saison 2022 einen eigenen Reifen für E‑SUV-Bikes auf den Markt.

E-Trike mit höherem Einstieg

Den SUV-Gedanken aus einer weiteren Richtung verfolgte das Entwicklungsteam des Liegeradherstellers HP Velotechnik: Die Manufaktur aus Kriftel hat Trikes, also Liegedreiräder, im Angebot, die einen höheren Sitz haben. „So wird das SUV-Feeling mit einem besseren Überblick über den Straßenverkehr zum SUT-Feeling“, meint Pressesprecher Alexander Kraft schmunzelnd. „Außerdem fällt das Ein- und Aussteigen leichter, was die Räder auch für ältere Menschen oder Menschen mit Bewegungseinschränkung äußerst interessant macht.“ Da die Räder individuell konfiguriert werden können, ist auch eine geländetaugliche E‑Variante möglich.

So stark die Parallelen der E‑Bike-SUVs zum Autobereich auch scheinen, zwei generelle Unterschiede gibt es: Erstens sind die Ausflüge ins Gelände mit dem Zwei- oder Dreirad legal. Und zweitens lassen sich E‑Räder mit leerem Akku immer noch nach Haus pedalieren.

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