Die Antriebswende schwächelt gerade ein wenig. Die Neuzulassungen von Batterieauto in Deutschland sanken im Februar um über 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, vermeldet gerade das Kraftfahrtbundesamt. Unter Berücksichtigung des zusätzlichen Arbeitstages im Schaltjahr betrug der Rückgang sogar fast 19 Prozent. Zu den Leidtragenden der Absatzflaute zählt auch Volkswagen. Trotz einer Modellaufwertung im Herbst vergangenen Jahres und trotz attraktiven Aktionspaketen mit Preisnachlässen von bis zu 7753 Euro nach dem Ende des staatlichen Umweltbonus bleibt der Absatz des „neuen“ ID.3 hinter den Erwartungen zurück: Im Februar wurden von dem kompakten Stromer hierzulande gerade einmal 872 Exemplare neu zugelassen. Seit Jahresbeginn waren es nur 1379 Fahrzeuge. Der für Sommer geplante Start einer Produktion im Wolfsburger Stammwerk wurde deshalb kürzlich abgesagt – die Montage des ID.3 in Zwickau und Dresden muss erst einmal genügen.

Aber vielleicht wendet sich das Blatt im Laufe des Jahres ja noch einmal. Denn Volkswagen hat sich entschlossen, dem ID.3 ebenso wie dem nagelneuen ID.7 Tourer einen Sportanzug zu verpassen, der die Modelle nicht nur optisch kräftig aufwertet, sondern auch deutlich dynamischer daherkommen lässt. Gewissermaßen als GTi. Aber weil bei Stromern bekanntlich nichts mehr eingespritzt wird, gehen die neuen Elektro-Sportler unter dem Label GTX an den Start. „Mit dem ID.3 GTX transferiert Volkswagen die fast 50-jährige Tradition seiner kompakten GT-Modelle in die Welt der E-Mobilität“, erklärt VW-Technikvorstand Kai Grünitz die Strategie.

Fahrspaß soll nach seinen Worten garantiert sein – im ID.3 GTX ebenso wie im allradgetriebenen ID.7 GTX Tourer am oberen Ende der vollelektrischen Modellpalette von VW. Wie viel, bleibt einer späteren Testfahrt überlassen. Für den Augenblick müssen hier die technischen Daten genügen: Der derzeit sportlichste (und vorerst nur heckgetriebene) ID.3 bringt in der Standard-Version 210 kW oder 286 PS auf die Hinterräder, die Performance-Version sogar 240 kW oder 326 PS – da hat der Golf GTI (195 kW) Mühe, mitzukommen. Zumindest auf dem ersten Kilometer: Der „einfache“ GTX ist – wie der Golf GTI – in sechs Sekunden auf Tempo 100, der Performance in 5,4 Sekunden. Nur bei der Höchstgeschwindigkeit müssen die Fahrer der kompakten Elektro-Sportler Abstriche machen: Während ein GTI erst bei 250 km/h abgeregelt wird, wird der GTX Performance spätestens bei 200 km/h ausgebremst, sein kleiner Bruder sogar schon bei 180 km/h.

ID.7 Tourer auch schon in Sportversion

Das geschieht natürlich der Batterie zuliebe und der Reichweite, um die sich zumindest Neulinge am Volant eines E-Autos oft sorgen. Der ID.3 GTX hat eine netto 77 kWh große Batterie an Bord, die dank des neuen, sparsamen Elektromotors der Baureihe APP 550 bei zurückhaltender, sozialverträglicher Fahrweise mit maximal 130 km/h auf der Autobahn für knapp 600 Kilometer gut sein soll. Beim GTX Performance dürften es 20 oder 30 Kilometer weniger sein – die genauen Werte hat VW noch nicht ermittelt. Auch die maximale Ladeleistung wird noch nicht kommuniziert, sie dürfte aber wie bei der „zahmen“ Version Pro S bei 175 kW liegen.

Wem das nicht genügt, hat im neuen ID.7 GTX Tourer eine veritable Alternative. Und sogar eine mit Allradantrieb, der 250 kW oder 340 PS aufbringt. Das reicht zwar nicht an die Leistung des vergleichbar großen ET5 Touring des chinesischen Wettbewerbers Nio heran (360 kW oder 490 PS), dafür bietet der ID.7 Tourer aber ein deutlich größeres Gepäckraumvolumen (605 zu 415 Liter bzw. 1714 zu 1430 Liter) zu einem vermutlich günstigeren Preis: Erwartet wird ein Einführungspreis im Sommer von knapp über 60.000 Euro für den elektrischen Lademeister aus Emden in der Sportversion. Die hat einen Akku mit 86 kWh Kapazität für über 600 Kilometer Reichweite an Bord und nimmt Gleichstrom am Schnelllader mit bis zu 200 kW auf – mehr geht in der 400-Volt-Klasse kaum.

Software auf Level 5.0

Was aber vielleicht noch wichtiger ist: Die neuen GTX-Modelle werden, wenn sie im Sommer zu den VW-Händlern kommen, nicht nur die dekorative Sonderlackierung in Kings Red Metallic tragen, serienmäßig LED-Scheinwerfer, ein adaptives Sportfahrwerk sowie mit viel Liebe zum Detail gestaltete Zierelemente. An Bord ist dann auch die neueste ID-Software auf Stufe 5.0. Mit ChatGPT-Integration, einer nochmals verbesserten Sprachsteuerung, einer vereinfachten und leichter individualisierbaren Bedienlogik, auch kürzeren Reaktionszeiten. Ob damit auch schon das teilautomatisierte Fahrern auf Level 2 plus (bis 130 km/h und auf der Autobahn auch längere Zeit) möglich sein wird, steht noch nicht fest. Möglicherweise wird man damit aber auch noch bis zur Version 6.0 warten, die voraussichtlich zum Jahresende aufgespielt wird, hieß es am Rande der Präsentation der GTX-Neuheiten.

Aber damit hat es auch keine Eile: Wer Fahrspaß im Elektroauto erleben will, lenkt das Auto selbst und lässt sich nicht von einem Computer steuern. Schon gar nicht, wenn es als GTX daherkommt.

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