Der Volkswagen-Konzern steht weltweit massiv unter Druck, was sich schonungslos in den aktuellen Geschäftszahlen für 2025 (pdf) widerspiegelt. Zwar blieben die weltweiten Auslieferungen mit 9,0 Millionen Fahrzeugen auf dem Niveau des Vorjahres, doch beim Gewinn erlebte Wolfsburg einen dramatischen Einbruch. Das operative Ergebnis hat sich von 19,1 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf nur noch 8,9 Milliarden Euro im Jahr 2025 mehr als halbiert. Der weltweite Konzernumsatz sank leicht auf 321,9 Milliarden Euro.
Ein Hauptgrund für diese Talfahrt ist das schwächelnde Geschäft in China. Dort setzen lokale Hersteller wie BYD den deutschen Autobauer mit aggressiven Preiskämpfen und einer massiven Überlegenheit bei der Fahrzeug-Software unter Druck. Während in Deutschland zehntausende Stellen auf der Kippe stehen und Werke vor der Schließung gerettet werden müssen, versucht VW in Fernost das Ruder herumzureißen.
„China Speed“ als Befreiungsschlag
Um den Abwärtstrend zu stoppen, setzt der Konzern voll auf seine „In China, für China“-Strategie. Der ID.UNYX 08 ist das erste Modell einer neuen Generation von Elektroautos, die genau aus dieser Neuausrichtung hervorgehen. Die strategische Kooperation mit dem chinesischen E-Auto-Bauer XPENG ermöglichte es, das Fahrzeug in nur zwei Jahren zur Serienreife zu bringen. Ein Tempo, das VW-China-Chef Ralf Brandstätter stolz als „China Speed“ bezeichnet. Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung war die Volkswagen Group China Technology Company (VCTC) in Hefei, die als zentraler Partner lokale Innovationen und VW-Qualitätsstandards zusammenführte.

Der neue Elektro-SUV von VW nutzt die bewährte und fortschrittliche Plattform des XPENG G9, ist aber kein Klon. Fotos: VW
Der exakt fünf Meter lange ID.UNYX 08 mit einem Radstand von über drei Metern und entsprechend großzügigen Platzverhältnissen ist laut Konzernchef Oliver Blume voll auf die chinesischen Kundenbedürfnisse zugeschnitten und soll lokale Spitzentechnologie mit deutscher Ingenieurskunst verbinden. Zu den technischen Highlights des neuen Großraum-SUVs gehören:
- Antrieb: Das Fahrzeug wird wahlweise als Hecktriebler (RWD) mit 230 kW (313 PS) oder als Allradler (AWD) angeboten, bei dem ein 140 kW (190 PS) starker Frontmotor hinzukommt. Die Höchstgeschwindigkeit wird auf 200 km/h limitiert.
- Akku & Reichweite: LFP-Batterien kommen in zwei Größen zum Einsatz (82,4 kWh und 95 kWh). Damit sollen nach chinesischem CLTC-Standard Reichweiten zwischen 630 und 730 Kilometern möglich sein.
- Laden & Software: Dank der verbauten 800-Volt-Ultraschnellladetechnologie sind Ladeleistungen von über 300 kW möglich – der Hub von 10 auf 80 Prozent dauert nur etwa 20 Minuten.
Hinzu kommen ein hochmodernes L2 Fahrerassistenzsystem sowie die Möglichkeit zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Software durch Over-the-Air-Updates (OTA). Denn der ID.UNYX 08 bringt ein neues „Gehirn“ mit: Gemeinsam mit dem Konzern-Software-Haus CARIAD China und XPENG entwickelte VCTC die erste lokal konzipierte, zonale elektrische und elektronische Architektur – die China Electronic Architecture (CEA).
Auftakt einer massiven Modelloffensive
Die Markteinführung des ID.UNYX 08 ist für das erste Halbjahr dieses Jahres geplant. Für den Konzern ist dies jedoch nur der Auftakt: Im Rahmen seiner bislang größten Produktoffensive für Elektrofahrzeuge will VW in China allein in diesem Jahr 20 neue, lokal entwickelte Modelle auf den Markt bringen. Im Durchschnitt rollt damit alle zwei Wochen ein neues Fahrzeug für den chinesischen Markt vom Band.
Wer nun hofft, dass dieses rasante Entwicklungstempo auch rasch neue Modelle nach Europa bringt, wird beim ID.UNYX 08 allerdings enttäuscht: Das Fahrzeug soll in Deutschland nicht zum Verkauf angeboten werden, um den Absatz des VW ID.4, aber auch des Audi Q6 e-tron und anderer Modelle des Konzerns nicht zu gefährden. Einen Verkaufspreis hat VW zwar noch nicht genannt, er dürfte aber bei unter 40.000 Euro starten. Zur Einordnung: Der UNYX 07, das Schwestermodell des Cupra Tavascan, wird in China für 189.900 Euro angeboten, umgerechnet rund 24.000 Euro. In der Topversion werden knapp 32.000 Euro aufgerufen.