Seit dem 24. November, bezuschusst die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Rahmen des Programms 440 den Kauf und die Installation einer privaten Wallbox zum Laden von Elektroautos.  Und das Programm, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) stark beworben wird, kommt sehr gut an: Knapp vier Wochen nach dem Start liegen der Förderbank in Frankfurt bereits knapp 122.000 Anträge für die Errichtung von insgesamt 150.000 Ladepunkte im nicht-öffentlichen Raum vor, berichtet KfW-Sprecher Wolfram Schweikhardt.

Damit ist das Förderprogramm bereits zu mehr als der Hälfte ausgeschöpft: Das BMWi hat insgesamt 200 Millionen Euro Fördergeld budgetiert – bei einer maximalen Fördersumme von pauschal 900 Euro pro Ladepunkt reicht das für etwas mehr als 222.000 Ladeplätze. Rein rechnerisch sind Stand heute also schon 135 Millionen Euro verplant, die von der KfW im kommenden Jahr auf dem Kreditmarkt aufgenommen werden müssen. Wer sich jetzt eine Förderung sichert, hat immerhin bis August 2021 Zeit, die Wallbox in Betrieb zu nehmen. Vorausgesetzt, er findet bis dahin einen Handwerker, der noch Zeit hat für die Prüfung des Hausnetzes und die Installation der Wallbox: Viele Betriebe haben jetzt schon Terminnöte.

Auch bei der KfW hatte der Ansturm auf das Förderprogramm zunächst für Probleme gesorgt: Der Internet-Server war einen Tag nach dem offiziellen Start zusammengebrochen, die Website vorübergehend nicht mehr erreichbar. Inzwischen sei die Serverkapazität aufgestockt worden, laufe das Antragsverfahren problemlos, versichert der KfW-Sprecher. Und während Anträge auf Umweltbonus und Innovationsprämie für die Anschaffung eines Elektroautos schon einmal vier Monate dauern können, soll der Bewilligungsbescheid der KfW für eine private Ladestation deutlich schneller erteilt werden, sichert Schweikhardt zu: „Das dauert nicht lange.“ Das Verfahren sei weitgehend automatisiert. 

Die KfW zahlt den Pauschalbetrag von 900 Euro zu den Kosten der Beschaffung und Installlation einer Wallbox allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen. Der Ladeplatz muss nachweislich mit Ökostrom betrieben werden. Zudem darf die Wallbox nur über eine Ladeleistung von maximal elf Kilowatt verfügen und muss vom Netzbetreiber geregelt werden können, also „netzdienlich“ arbeiten. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die Stromversorgung in einer Stadt oder in einem Wohngebiet zusammenbricht, wenn eine Vielzahl von Elektroautos gleichzeitig Strom zapfen sollten, zum Beispiel in den Abendstunden.

Kaum Wissen über Wallboxen

Allerdings: Die meisten Verbraucher haben noch kaum Erfahrung in Bezug auf die Nutzung von Heimladestationen und demzufolge nur ein begrenztes Verständnis der Produktanforderungen, fand die Unternehmensberatung Simon Kucher bei einer Befragung von 900 Konsumenten in Deutschland, Norwegen und den Niederlanden heraus. So würde die Leistungsabgabe von den Befragten als wichtigster Produkteigenschaft einer Wallbox identifiziert.

„Diese Einschätzung ist nicht überraschend, da sich Konsumenten bei Unsicherheit an messbaren Größen wie eben der Ladeleistung oder dem Preis orientieren“, sagte Andreas Hudelmaier, Automobilexperte bei Simon-Kucher. Die Mehrheit der Kunden schätze außerdem Konnektivitäts-funktionen an Ladestationen und sei bereit, dafür auch zu bezahlen. Die Befragung habe ergeben, dass Funktionen wie Fernsteuerung und Überwachung oder Benutzerverwaltung, aber auch eine Schnittstelle zu Energiemanagementsystemen im Haus, am meisten geschätzt würden.

Den fragmentierten und wachsenden Markt würden die Verbraucher aber noch nicht überblicken: Mehr als die Hälfte der deutschen Befragten sei nicht in der Lage, eine einzige Marke für Heimladestationen zu nennen. Beim Kauf würden sie sich deshalb allein auf die Handelspartner oder Handwerker verlassen.

Womit wir bei der Frage wären:

Wie finde ich die passende Wallbox?

Auf der Website der Förderbank Kfw gibt es eine Liste mit förderfähigen Wallboxen, die fortlaufend ergänzt wird. Ein genaues Studium der Angebote lohnt, denn die Preise variieren stark. Günstige Modelle mit einem einfachen Kabelanschluss und einer Ladeleistung von 3,7 oder 7,2 Kilowatt (kW) kosten etwa 500 Euro. Intelligente Boxen, die beispielsweise über das Smartphone gesteuert werden können, über einen separaten Stromzähler verfügen und obendrein Ladeleistungen von theoretisch bis zu 22 Kilowatt offerieren, können bis zu mehrere tausend Euro kosten. Wer den KfW-Zuschuss in Anspruch nehmen möchte, müsste die Ladeleistung aber auf 11 kW drosseln lassen.

Hinzu kommen die Montagekosten des Elektrikers sowie die Anschlusskosten, die stark von den örtlichen Gegebenheiten abhängen. Soll die Wallbox beispielsweise in einem alten Schuppen installiert werden, muss bei dieser Gelegenheit vielleicht die gesamte Zuleitung erneuert werden. Denn die Ströme, die bei der Aufladung eines Elektroautos über längere Zeit fließen, sind um ein Vielfaches höher beim Betrieb einer Waschmaschine oder eines Elektroherds. Die Leitungen müssen also auf eine solche Belastung ausgelegt sein.

Worauf ist beim Kauf zu achten?

Grundsätzlich sollte die Box zu dem Elektroauto passen, das an ihr geladen werden soll. Die Fahrzeughersteller bieten oft und gern die passende Wallbox zu ihrem Modell an. Auto und Ladestation passen dann bestens zusammen, technisch und oft auch optisch. Allerdings liegt das Preisniveau einer solchen Wallbox oft eine Stufe höher als bei Geräten vom freien Markt.

Wer ein E-Fahrzeug kauft, muss in Garage oder Stellplatz nicht automatisch eine teure Wallbox installieren. Es genügt oft der vorhandene Stromanschluss - wenn ein paar Bedingungen erfüllt sind. Laden

Wer sich auf dem Markt umsieht, dem werden schnell die unterschiedlichen Leistungsstufen auffallen: Wallboxen können den Strom mit 3,7, 7,4, 11 oder sogar 22 Kilowatt ins Fahrzeug speisen – je nachdem, was das Ladegerät an Bord des Fahrzeugs verkraftet. Ist das nur auf einphasiges Laden von Wechselstrom vorbereitet, macht die Anschaffung einer 22 kW-Wallbox ohnehin keinen Sinn. Denn der im Auto verbaute Wandler limitiert die Ladeströme und die Leistung, die aufgenommen wird. In nur wenigen Fällen wie beispielsweise beim Renault ZOE lässt der Onboard-Charger bis zu 22 kW zu. Verbreiteter sind Lader mit 11 kW Spitzenleistung. Eine 22-kW-Wallbox würde hier nur mit halber Kraft arbeiten – eine 11-kW-Wallbox ist da die bessere Wahl.

Welche Steckersysteme gibt es?

Unterschiede gibt es auch beim Ladekabel. Wer den maximalen Komfort genießen und das Kabel für den mobilen Einsatz (etwa für das Laden an einer öffentlichen Ladestation) im Auto lassen will, sollte auf eine Wallbox mit fest angeschlossenem Ladekabel setzen. Das Kabel muss natürlich zum Steckertyp des Elektroautos passen. Für Europa gibt es den Typ-2-Standard. Asiatische oder amerikanische Fahrzeuge können aber unter Umständen noch einen Typ-1-Stecker besitzen, der nur Ladeleistungen von maximal 7,4 kW zulässt.

Flexibler ist man aber sicherlich mit einer Wallbox mit Typ-2-Steckdose ohne fest installiertes Kabel. Hier lassen sich im Zweifel auch Adapter nutzen, um Fahrzeuge mit einem anderen Ladeanschluss zu laden.  

Kann ich die Wallbox selbst installieren?

Einem gelernten Elektriker sollte das keine Probleme bereiten. Alle anderen müssen die  Installation einer Wallbox aber einem qualifizierten Handwerker überlassen: Bei Spannungen von 400 Volt herrscht für Laien bei Arbeiten am Drehstromanschluss Lebensgefahr.

Keinesfalls darf die Montage der Wallbox den Versicherungsschutz für das Gebäude gefährden. Zudem müssen Ladeeinrichtungen mit mehr als 3,6 kW beim Netzbetreiber angemeldet werden und über einen Schutzschalter gegen Fehlerstrom abgesichert sein. Wer mit mehr als 11 Kilowatt laden will, benötigt obendrein die Zustimmung des Netzbetreibers. Dieser muss auch eine Möglichkeit für eine etwaige Fernunterbrechung des Ladevorgangs bekommen. Aufgrund der Belastung der Verteilnetze bei hohen Leistungen sind Möglichkeiten zur Drosselung des Stromflusses sowie für eine zeitliche Steuerung obligatorisch. Das nennt man netzdienliches Laden. Über die genauen technische Anforderungen im jeweiligen Versorgungsgebiet geben die Netzbetreiber Auskunft.

Was kostet die Installation?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten, denn der Aufwand für einen Elektriker hängt sehr stark von den Gegebenheiten vor Ort ab. Im einfachsten Fall wird die Wallbox in der Nähe des Sicherungskastens oder Hausanschlusses installiert. Dann werden nur wenige Hundert Euro fällig. Teurer wird es, wenn der Hausanschluss veraltet ist, die Kabel nicht die erforderliche Stärke aufweise oder die Verlegung der neuen Leitungen mit Mauerdurchbrüchen und Stemmarbeiten verbunden ist. Dann können leicht mehrere Tausend Euro zusammenkommen.

Bevor eine Wallbox gekauft wird, empfiehlt sich also zunächst einmal die Überprüfung der Rahmenbedingungen durch einen Fachmann. Solche bieten Stromversorger, aber auch Spezialunternehmen wie Mobility House meist gegen einen Pauschalbetrag an.

Anschluss auf Antrag
Der Bundestag hat eine Reform des Wohnungseigentums-Gesetzes beschlossen, wonach auch Mieter Anspruch auf eine Lademöglichkeit ihres Elektroautos in der Wohnanlage haben. für die Kosten müssen sie allerdings selbst aufkommen. Foto: ADAC

Können Mieter eine Wallbox installieren lassen?

Prinzipiell ja. Allerdings brauchen Sie einen festen Stellplatz für das Elektroauto. Im Frühjahr 2020 hat die Bundesregierung eine Reform des Wohnungseigentums-Gesetzes (WEG) auf den Weg gebracht, das Mietern einen Anspruch gibt, beim Einbau einer Ladestation auf Gemeinschaftsflächen zuzugreifen. Zahlen muss der Mieter die Baumaßnahme allerdings selbst. Zudem müsste er einen extra Stromzähler installieren lassen, damit andere Mieter keine von ihm verursachten Zusatzkosten tragen müssen. Wann das neue Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) in Kraft tritt, steht allerdings noch nicht fest.

Kann die Wallbox mit der PV-Anlage gekoppelt werden?

Ja. Intelligente Wallboxen sind sogar in der Lage, den auf dem Dach des Hauses produzierten Solarstrom mit Vorrang in den Akku des Elektroautos zu leiten. Das lohnt sich schon deshalb, weil der auf dem Dach generierte Strom in der Erzeugung sehr günstig ist. Speist man ihn ins Netz ein, bekommt man für jede selbst erzeugte Kilowattstunde inzwischen nur noch einen geringen Betrag vom Netzbetreiber – das lohnt sich kaum mehr. In Zukunft sollen Elektroautos sogar als mobile Pufferspeicher genutzt werden. Sie könnten also am Tag Sonnenenergie speichern und abends bei Bedarfsspitzen wieder zurück ins Stromnetz des Hauses einspeisen. Eine erste Wallbox für das so genannte bi-direktionale Laden, ist inzwischen auf dem Markt erhältlich. Allerdings funktioniert sie derzeit nur mit Elektroautos aus Asien, die über einen Ladeanschluss nach der CHAdeMo-Norm verfügen.

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1 Kommentar

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    Eine 22kW Wallbox ist immer einer 11kW Wallbox vorzuziehen auch wenn diese aktuell nur 3,7kW, 7,4kW oder 11kW laden kann wegen des Ladesystem im E-Auto. Die Batteriekapazität der nächsten E-Autos werden größer und eine Neuanschaffung einer leistungsstärkeren Wallbox in Zukunft würde nochmals Kosten verursachen zusätzlich zu Installationskosten. Daher mein Tipp als langjähriger E-Auto Fahrer gleich eine 22kW Wallbox kaufen.

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