“Bring your Dog to Work” ist heute salonfähig in vielen Unternehmen. Mit Kindern sieht das anders aus – irgendwie passt das nicht ins Bild. Projektmanagerin Emily machte die Probe aufs Exempel, als sie 2017 nach acht Wochen Mutterschutz wieder ins Berufsleben einsteigt. Mit Kind im Tragetuch. Selbstverständlich klappt das nur begrenzte Zeit, aber mit einer Prise Geduld und Fantasie findet sich immer ein Weg – zuletzt anderthalb Jahre zu Hause. Wenn einer weiß, wie Home Office geht, dann sie. Im Folgenden ein kleiner Ausflug in ihren volldigitalisierten Alltag.

Wenn mein Sohn Felix ein herrenloses Handy in der Wohnung entdeckt, beispielsweise am Ladekabel, räumt er es umgehend auf: Das bedeutet, er bringt es mir und schnaubt freudestrahlend „Hier Mama, Handy bitte!“

Es scheint ihm ganz und gar unvorstellbar, dass ich auch nur für eine Minute ohne mein Smartphone sein kann. Beim ersten Mal ist es drollig, danach werde ich stutzig. Kann der Kleine schon mit zwei Jahren vermuten, dass man ein Handy immer und überall gebrauchen kann?

Eigentlich finde ich mein Handyverhalten ganz vernünftig. Keine zeitintensiven Social Apps wie Facebook, Instagram oder Youtube. Alle Apps, die ich nutze, sind auf einer einzigen Seite im Home Bildschirm abgebildet. Nur das Nötigste oder?

Just in diesem Moment summt das Handy – eine Erinnerung im Kalender, wir haben heute ein Playdate mit Ella auf dem Bauernhof.

Es geht doch nichts über Facetime. Analog, nicht digital
Emily Musselwhite mit ihrem Sohn Felix. Foto: Max Balazs

Nur das Nötigste oder? 

Während wir uns anziehen, fällt mir auf, dass er schon wieder ein gutes Stück gewachsen ist. Ich tippe mir kurz eine Notiz „Felix Kleider“. Im Auto muss ich kurz mit einem Kunden telefonieren, danach hören wir seine Lieblingsmusik über Bluetooth. Als wir am Bauernhof ankommen, freuen die Kids sich riesig, einander zu sehen – wir Mütter zücken unsere Handys, schließlich müssen wir diesen Moment für die Nachwelt (die Großeltern) festhalten. Außerdem schicke ich meinem Mann noch einen Reminder, dass wir am Wochenende Omas runden Geburtstag feiern. In der letzten halben Stunde hatte ich das Smartphone fünf Mal im Gebrauch. Zwar nur kurz, aber immerhin. Ich bin baff.

Sollte uns die Technologie nicht effizienter machen? Damit man eigentlich mehr Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens hat? Da war doch was.
Im privaten Bereich scheint sich hier aber genau das Gegenteil abzuzeichnen. Man daddelt – ohne es zu merken – oft zig Minuten am Handy herum, obwohl man nur schnell nebenher die Emails checken wollte. Es muss doch möglich sein, die vielgelobte digitale Effizienz im sozialen Umfeld zu etablieren. Nur wie?

Wie organisiert man eine Familie digital?

Leider findet man selten Artikel zum Thema Familie 4.0, das öffentliche Interesse konzentriert sich eher auf die wirtschaftlichen Aspekte, die Industrie 4.0. Typisch Deutschland.

Ich muss wohl selbst ran. Doch wo beginnen? Der offensichtlichste Unterschied zwischen Familie und Industrie ist die Motivation: In der Industrie soll maximaler Output bei minimalem Input generiert werden, man will schließlich Geld verdienen.

In familiären Strukturen ist ein Gewinnfaktor nicht greifbar. Familie soll Gemeinschaft ermöglichen und das menschliche Grundbedürfnis nach Geborgenheit sicherstellen. Nicht gerade messbarer Output. Laut einer Studie des Instituts für Klinische und Gesundheitspsychologie der Universität Wien finden rund ein Drittel der befragten Jugendlichen, dass ihre Eltern ihr Smartphone zu oft nutzen. Gleichzeitig geben sie außerdem an, dass ein eigener erhöhter digitaler Konsum die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung maßgeblich beeinflusst. Man beschäftigt sich mehr mit dem Medium als den Menschen.

Wann habe ich das Handy mal ausgeschaltet?

Woran liegt das? Ganz klar: Smart Devices fordern unsere Aufmerksamkeit, unsere Konzentrationsfähigkeit ist begrenzt. Wenn alle Bereiche des Lebens im gleichen Medium zusammentreffen, verschwimmen die Grenzen. Am Beispiel Home Office wird dieser Effekt deutlich, wenn man am Abend nochmal den Rechner aufklappt um ein paar Dinge vorzubereiten. Wir sind auf Effizienz gepolt und abschalten fällt uns vor allem dann schwer, wenn uns die Technik auf Schritt und Tritt begleitet. Wer hat das letzte Mal sein Handy komplett ausgeschaltet? Flugmodus genügt doch…

Moment mal. Ich schleppe meine Wäsche doch auch nicht runter zum Fluss, wenn die Waschmaschine im eigenen Keller steht. Oder koche Nudeln im Garten an der Feuerstelle trotz funktionierender Küche. Wieso sollte ich diesen Komfort, alles leicht und erreichbar auf einem Gerät zu haben, nicht nutzen? Digitale Abstinenz kann nicht die Lösung sein. Wir leben nicht im Mittelalter. Zeit also, dass wir uns beibringen, mit unseren technologischen Privilegien umzugehen. Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Oder so ähnlich.

Welche Apps ich nicht mehr missen mag

Wie geht man hier am besten vor? Was braucht man wirklich? Was ist doppelt gemoppelt? Wie organisiert man sich effizient digital? Kaum zu glauben – mir haben ein paar Apps geholfen.

Logo Family Wall

Family Wall. Diese App vernetzt alle Bereiche des Familienlebens praktisch und unkompliziert. Egal ob Einkaufsliste, Stundenpläne und Termine oder Direktnachrichten: die Plattform ermöglicht jedem Mitglied des „Familienkreises“ Zugriff auf die Daten – in Echtzeit. So ist man für alle sozialen Eventualitäten gewappnet und immer auf dem neusten Stand. Ist für Android und iOS geeignet und als Freemium und Premium Version erhältlich, Funktionen wie die Rezeptbox gibt es nur gegen Bezahlung. Besonders schön: Die Entwickler sitzen in Paris, es gilt also das europäische Datenschutzgesetz – das macht Family Wall auch zum attraktiven Messenger-Ersatz.

Pinterest

Pinterest. Eine vielseitige App auf der man „Boards“, also Pinnwände, zu verschiedenen Themen erstellen und mit anderen teilen kann. Die Idee ist, dort „Pins“ zu platzieren: Das sind Verlinkungen zu Fotos, Videos, Blogs – jede Menge digitaler Content. Von Bastel- oder Beschäftigungsideen für jede Altersklasse, über Heim-Workouts gibt es hier jede Menge Ratgeber und Community-Feeling für jeden Herzenswunsch.

Audible Logo

Audible. Wie der Name schon sagt geht es bei dieser App ums Hören. Man findet zu jedem Thema was zu lesen, pardon hören. Besonders für Kinder und Jugendliche eine gute Abwechslung zum Bildschirm.

Logo Salfeld-Portal

Salfeld Chicco Browser App. Etwas für ältere Kinder, die schon alleine im Internet unterwegs sein dürfen, empfiehlt die IT-Spezialistin meines Vertrauens diese App. Eltern können so ohne nervige Diskussionen und Streitereien ein Auge auf die ersten online Gehversuche ihrer Sprösslinge haben und sicherstellen, dass alles mit rechten Dingen zu geht.

Vinted

Vinted. Die weltweit größte Online-Secondhand Plattform, ursprünglich als Kleider- bzw. Mamikreisel für DACH verfügbar. Toller Benefit: Durch die direkte Kommunikation mit Privatpersonen und das Stöbern in ihren „Kleiderschränken“ hat man fast das Gefühl eines Stadtbummels – trotz online Shoppings. Man kann gezielt nach Bedarf und Größe sortieren und findet so neben Basics auch rare Einzelstücke. Das man dabei noch nachhaltig einkauft, ist das Sahnehäubchen.

Amazon Wishlist

Amazon Wunschliste. Man kann für jede Gelegenheit, wie zum Beispiel Geburtstage, Wunschlisten erstellen und diese mit Familienmitgliedern teilen. Nichts wird doppelt geschenkt und Geschenke sind pünktlich hübsch verpackt da – so kann man trotz Einzelhandelschaos ein bisschen Normalität waren.

Activity-App

Activity App. Wer ist fitter? Gesunder Wettbewerb und ein gemeinsames Hobby helfen über so manches Motivationstief. Perfekt, wenn man mit seinem Team im Austausch bleibt, auch wenn man nicht gemeinsam trainieren kann.

• Timer, Wecker oder Stoppuhr. Nichts ist so kompromisslos wie der Handywecker. Wer sich wirklich an die Zeitfenster zur digitalen Nutzung halten will, sollte sich den Wecker stellen. Jetzt 15 Minuten Nachrichten beantworten, dann das Handy für 1,5h weglegen. Klingt einfacher als es ist. Challenge accepted?

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